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Frühere Gebote zu niedrig

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Sanierungsbedürftig ist das 112 Jahre Anwesen bei Weiterstadt.
Sanierungsbedürftig ist das 112 Jahre Anwesen bei Weiterstadt. © Roman Grösser

Darmstadt unternimmt einen neuen Versuch, das marode Hofgut loszuwerden. Auf eine Ausschreibung haben sich mehrere Interessenten gemeldet.

Der Gehaborner Hof steht wieder zum Verkauf. Das 112 Jahre alte Gut ist der Stadt schon längst ein finanzieller Klotz am Bein. Bislang sind alle Verkaufsversuche gescheitert. Jetzt sollen die dringend sanierungsbedürftigen Gebäude samt der 122 Hektar umfassenden landwirtschaftlichen Fläche auf Weiterstädter Gemarkung in einem neuen Anlauf den Besitzer wechseln. Auf eine Ausschreibung, deren Bewerbungsfrist jetzt endete, haben sich laut Stadtverwaltung einige Interessenten gemeldet. Noch dieses Jahr soll die Entscheidung fallen, erklärte Rathaus-Sprecherin Eva Bredow-Cordier.

Pferdeklinik wäre denkbar

Auf 1,1 Millionen Euro wurden die notwendigen Sanierungsarbeiten bereits im vergangenen Jahr geschätzt. Zu viel angesichts der prekären städtischen Haushaltslage. Anfang 2009 gab es den zuvor letzten Verkaufsversuch für das Gehöft, das noch der Wixhäuser Landwirt Peter Frey gepachtet hat und bewirtschaftet. Vier Bewerber gab es vor Jahresfrist. Ein Angebot lag bei 4,1 Millionen Euro. Das war Stadtrat Dieter Wenzel (SPD) offenkundig zu niedrig. Ob die aktuellen Offerten höher liegen, wollte Bredow-Cordier nicht sagen. Nur so viel: Es lägen auch überregionale Angebote vor.

Offen ist auch, wie das Areal genutzt werden soll. Bisher erfolgte eine rein landwirtschaftliche Nutzung, vor allem Spargel wurde angebaut. „Aber andere Nutzungen sind durchaus denkbar“, heißt es in der Ausschreibung, in der unter anderem eine Pferdeklinik ausdrücklich erwähnt wird. Wohl auch deshalb wurde eine Ausschreibung in einer Reiterzeitung platziert. Auch ein Reiterhof mit Ferienanlage sei eine Option.

Zwei Alternativen sind nach der Ausschreibung ausgeschlossen: ein Golfplatz oder ein Gewerbegebiet. Dies ist auch nicht möglich. Denn der Landschaftsplan sieht dort eine landwirtschaftliche Nutzung vor. Alles andere müsste mit dem Nachbarn Weiterstadt abgesprochen werden.

Beworben hat sich auf jeden Fall eine Bietergemeinschaft Weiterstädter Landwirte. Sie wollen auf den Äckern wie der jetzige Pächter Erdbeeren und Spargel anbauen. Sie hatten vor einem Jahr die 4,1 Millionen Euro geboten. „Viel mehr ist nicht drin“, sagt einer von ihnen.

Ein Interessent bleibt wohl auf der Strecke: Das Ehepaar Frey, das zehn Jahren den Hof bestellte. Frey würde den Betrieb, der Lebensgrundlage für die Familie ist, gerne behalten. Deshalb hatte er im Laufe der Jahre in die Gebäude investiert, etwa in Kühlhäuser. Auch Frey hatte der Stadt ein eigenes Konzept für die Sanierung vorgelegt: Gehaborn weiter pachten und die Renovierung selbst übernehmen, wenn im Gegenzug der Pachtzins entsprechend gemindert würde.

Doch die Stadt hat darauf nie reagiert. Auch nach dem Scheitern des Verkaufsversuchs 2009 nicht. Bei der neuen Ausschreibung hat sich der Pächter nicht mehr beworben, weil er sich keine Chance ausrechnet. Freys bleibt nur noch abzuwarten, ob nun jemand den Zuschlag erhält. ( rf)

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