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Friedliche Hausbesetzer

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Durchs Fenster geklettert aber per Handy immer erreichbar: Hausbesetzung im Jahr 2010.
Durchs Fenster geklettert aber per Handy immer erreichbar: Hausbesetzung im Jahr 2010. © Roman Grösser

Die erste Hausbesetzung seit mindestens zehn Jahren ist in der Neckarstraße friedlich zu Ende gegangen. Die 15 jungen Leute wollten auf Leerstände aufmerksam machen. Sie fordern bezahlbare Wohnungen.

Die erste Hausbesetzung in Darmstadt seit mindestens zehn Jahren ist in der Neckarstraße friedlich zu Ende gegangen. Das Anliegen der jungen Leute: auf Leerstände aufmerksam machen und bezahlbaren Wohnraum fordern. Die rund 15 Hausbesetzer sagten der Polizei zu, mitgebrachte Gegenstände aus dem Haus zu räumen und zu gehen.

Einer der Eigentümer des ehemaligen Telekom-Bürogebäudes will im Gegenzug auf eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs verzichten. Lediglich die Personalien der Besetzer wurden aufgenommen, falls zivilrechtliche Schadensersatzforderungen erhoben werden sollten.

In der Neckarstraße weist am Donnerstagnachmittag zunächst nichts auf einen großen Polizeieinsatz hin. Lediglich vor der AOK und auf dem Parkplatz der Hessischen Staatskasse rechts und links des großen Gebäudes mit den roten Fensterrahmen an der Ecke zur Adelungstraße parken einige Streifenwagen.

Aktion sollte vier Tage dauern

Im Hof steht Einsatzleiter Linke mit einer Sprecherin der Besetzer. Beide schauen zu einem geöffneten Fenster im ersten Stock, wo einige der jungen Leute zu sehen sind. Etwas abseits steht Hauseigentümer Ibrahim Öner. Er hat mit weiteren Investoren das Bürogebäude im Oktober von der Telekom erworben, will sanieren, anbauen und aus dem Komplex ein Wohnhaus machen. Die Planungsphase läuft, sagt er.

Eine stabile Metallleiter wird aus dem Fenster im ersten Stock geschoben, zwei Hausbesetzer klettern herunter und erläutern ihr Anliegen. "Es geht um viele leerstehende Gebäude in Darmstadt und darum, dass man keine Wohnung findet", sagt eine junge Frau mit schwarzer Kapuze. "Unsere Forderung nach alternativem, sozialen Wohnen ist berechtigt", ergänzt ein junger Mann.

Sie seien Mittwochnacht durch ein offenes Fenster in das Gebäude gestiegen und hätten ein Fest gefeiert. Die vielen Besucher hätten ihr Anliegen bestätigt. So wie das Transparent am Balkon unterm Dach am Haus auf der anderen Straßenseite. "Neckar5 - Solidarität" ist dort zu lesen.

Die Besetzer hatten ein viertägiges Programm geplant, mit Frühstück, Filmen, Vorträgen, Volksküche und Party. Denn ihr Anspruch ist nicht nur bezahlbarer Wohnraum, sie haben auch ein kulturelles und gesellschaftliches Anliegen und fordern eine Alternative zum Schuhkastenwohnen und zur Abhängigkeit von Vermietern, "die Vermietung als Geldverdienen betreiben, statt sich den Bedürfnissen von Menschen anzupassen", wie es die Sprecherin formuliert.

Allerdings war bereits die erste Aktion, die Party am Mittwochabend, so laut, dass bei der Polizei ein Anruf wegen Ruhestörung einging und die Beamten auf die Hausbesetzung aufmerksam wurden. Sie riefen die auf einem Transparent angegebene Telefonnummer der Besetzer an und verständigten den Eigentümer. Parallel habe man mit Bürgermeister Walter Hoffmann (SPD) gesprochen, so Einsatzleiter Linke. Er habe zugesagt, Kontakt aufzunehmen, um sich die "berechtigte Forderung nach bezahlbarem Wohnraum" anzuhören. Trotz der kurzen Dauer werten die Besetzer ihre Aktion als Erfolg. "Wir hatten zwar gehofft, dass hier längerfristig etwas aufzubauen ist", sagt einer , "aber es ist eine gute Basis für weitere Verhandlungen." (rwb)

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