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Friedensplatz im Haushaltsloch

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Jahrelang tüftelten Planer an der Neugestaltung des Platzes. Kurz vor dem Ziel mangelt es nun am Geld.

Pflaster und Asphalt, ein Flickenteppich, ein Wirrwarr unterschiedlicher Masten, reichlich Betonkübel mit Gesträuch, ein verwahrlost wirkender Tiefgaragen-Eingang: Der Friedensplatz ist kein Aushängeschild der Darmstädter City, darüber sind sich alle einig.

Da der prominent gelegenen Freifläche vor Schloss und Landesmuseum - genau genommen handelt es sich um zwei Plätze, der Bereich vor dem Schlosstor heißt Ernst-Ludwig-Platz - bei der Aufwertung der Innenstadt eine Schlüsselrolle zugewiesen wurde, tüftelten Planer jahrelang an einer Neugestaltung. Entsprechende Pläne des Büros "Werk-Stadt" sind im Herbst 2008 vom Stadtparlament mit großer Mehrheit angenommen worden. Die Stadt erklärte gestern auf Anfrage, man sei nun baubereit. Auf der Zielgeraden aber könnte die Erneuerung des Friedensplatzes an der Darmstädter Haushalts-Notlage scheitern.

Nach der Rückkehr von Kämmerer Wolfgang Glenz aus dem Urlaub werde in der kommenden Woche nach der angedrohten Zurückweisung des Haushalts durch den Regierungspräsidenten "alles auf den Prüfstand gestellt", sagte gestern Verwaltungssprecher Frank Horneff. Dazu gehöre auch der Friedensplatz.

Die Stadt habe die Ausführungsplanung für die Umgestaltung abgeschlossen, die Details könnten dem Stadtparlament bei nächster Gelegenheit vorgelegt werden, sagte der Sprecher. Das Konzept sieht einen weitgehend freigeräumten langgestreckten Platz vor, mit einer Baumreihe auf einer Empore vor der Gebäudefront im Westen.

Ruf nach Bürgerbeteiligung

Seit August warten die Planer allerdings auf Antwort auf eine Anfrage an die Technische Universität (TU): Die unter dem Platz liegende Tiefgarage soll über die Mauer des Schlossgrabens entlüftet werden, dem muss die TU als Hausherr im Schloss zustimmen. Eine Stellungnahme stehe noch aus, sagte Horneff. Die Kosten der Umgestaltung werden mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Inbegriffen ist der Bau eines neuen Tiefgaragen-Eingangs, da sich der Betreiber Q-Park dazu nicht bereit erklärt hat.

Unterdessen hat die Themengruppe Stadt-Gestalt der Lokalen Agenda 21 in einem offenen Brief an die Stadtverordneten sowie die Mitglieder des Magistrats das Verfahren zur Platz-Neugestaltung erneut bemängelt: Die Bürger seien nicht ausreichend informiert und einbezogen worden. Auch die Pläne selbst wurden als ungastlich, schlecht proportioniert und ohne historische Bezüge kritisiert.

Bevor sie nun vielleicht übereilt Baumaßnahmen schaffe, solle die Stadt die Pläne - etwa in einer Ausstellung - den Bürgern präsentieren, forderte Ernst Wiedehold von der Themengruppe.

Die Kritikpunkte würden bei der Stadt nicht geteilt, eine öffentliche Veranstaltung halte man "nicht für zielführend", sagte allerdings Stadtsprecher Horneff dazu. Er verwies darauf, dass die Neugestaltung des Friedensplatzes in einem ganz normalen demokratischen Prozess beraten und beschlossen worden sei. Der Denkmalbeirat der Stadt habe dem Konzept "vom Grundsatz her" zugestimmt. Nur über die künftige Platzierung des Reiterdenkmals von Großherzog Ludwig IV. sei noch nicht abschließend entschieden. (bad)

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