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Freude über den Klinik-Verbund

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Auch das St. Rochus in Dieburg gehört zum neuen Verbund.
Auch das St. Rochus in Dieburg gehört zum neuen Verbund. © Guido Schiek

Darmstädter Klinikum kauft Marienhospital und Dieburger St. Rochus.

Sie sehen einen sehr zufriedenen Klinikdezernenten.“ Darmstadts Kämmerer André Schellenberg (CDU) war der Stolz über den Coup anzumerken, als er gestern verkündete, dass das Darmstädter Klinikum die beiden katholischen Krankenhäuser Marienhospital und St. Rochus (Dieburg) übernimmt. Damit entsteht der größte Krankenhaus-Verbund in kommunaler Trägerschaft in Südhessen.

Der Magistrat hat den Erwerb bereits gebilligt. Die Stadtverordnetenversammlung soll in ihrer Februar-Sitzung zustimmen. Ausstehend wäre dann nur noch die Genehmigung seitens der Kommunalaufsicht und des Kartellamtes. Schellenberg rechnet in beiden Fällen mit Zustimmung.

Auch das Bistum Mainz, das im November 2013 überraschend aus den Gesprächen über eine angestrebte Fusion aus Klinikum, Landkreis-Kliniken und St. Rochus ausgestiegen war, zeigte sich zufrieden mit der neuen Konstellation. Pfarrer Angelo Stipinovich, Aufsichtsratsvorsitzender der St. Rochus Stiftung, betonte, das Klinikum habe im Bieterverfahren, bei dem es auch höhere Angebote gegeben habe, vor allem deshalb den Zuschlag bekommen, weil das medizinische Konzept überzeugt und es die Stärken der einzelnen Standorte gut berücksichtigt habe. Ein kleines Haus sei in heutiger Zeit nicht mehr wirtschaftlich zu führen.

Das Klinikum, so dessen kaufmännischer Geschäftsführer Clemens Maurer, habe zwar steigende Patientenzahlen zu verzeichnen und entwickele seine Stärke von innen heraus. Auf Dauer könne es dennoch nicht alleine existieren: „Deshalb haben wir uns ins Bieterverfahren gestürzt.“ Er sei stolz, dass es gelungen sei, sich als kommunales Haus gegen private Konkurrenz „mit sicherlich besser gefüllter Kriegskasse“ durchzusetzen.

Steffen Gramminger, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, erläuterte, die Zukunft kleiner Häuser liege in der Spezialisierung und der medizinischen Basisversorgung vor Ort. Das Klinikum als Haus der Maximalversorgung bilde nur einen Ausschnitt in der Behandlungskette ab. In kleineren Häusern könnten Fachbereiche für die Nachbehandlung aufgebaut werden wie beispielsweise die Weaning-Abteilung im Rochus zur Entwöhnung von Atemgerät-Patienten.

Zusammen über 1100 Betten

Wie man sich sinnvoll ergänzen könnte, machte der Mediziner auch an Geburten deutlich. Das Klinikum mit seinem Perinatal-Zentrum sei prädestiniert für Risiko- und schwierige Geburten, das Marienhospital dagegen für sanfte Geburten. Das Leistungsspektrum reiche von Hightech- bis Wohlfühlgeburten.

Anderes Beispiel: Belegärzte an beiden kleinen Häusern, die in der Klinikum Darmstadt GmbH als eigene Tochter „Katholische Krankenhäuser“ geführt werden, sind laut Gramminger besser für die „personengebundene Medizin“ geeignet als Notfallärzte im Klinikum.

Entgegen der ursprünglichen Planung, so teilte Gramminger mit, wird die Psychosomatische Abteilung in Eberstadt nicht auf das Klinikumsgelände an der Grafenstraße umziehen, sondern kommt ins Marienhospital: „Wir denken, dass dort für die Patienten eine bessere Umgebung besteht als im hektischen Klinikbetrieb.“

Mit rund 2220 Mitarbeitern ist die Klinikum Darmstadt GmbH größter kommunaler Arbeitgeber in der Region. Alle drei Krankenhäuser mit zusammen mehr als 1100 Betten versorgen 46 000 stationäre und 80 000 ambulante Patienten pro Jahr. Schellenberg, Maurer und Gramminger machten deutlich, dass der Verbund offen sei für weitere Partner. (ryp)

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