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Freiluft-Galerie fürs Viertel

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Den Seerosenteich ziert eine Arbeit aus Stein.
Den Seerosenteich ziert eine Arbeit aus Stein. © Claus Völker

Bei den Lehns in der Waldkolonie sind in allen Ecken Kunstwerke zu finden. Gewachsen ist ihr grünes Paradies in vielen Jahren - alle Familienmitglieder durften sich dafür Pflanzen und Blumen wünschen.

Warum heißt der Traubenweg in der Waldkolonie Traubenweg? Weil dort Trauben gedeihen. Klaus Lehns Großeltern stammten aus dem Rheingau, und für sie waren in den 30er Jahren Rebstöcke im Garten ebenso selbstverständlich wie Karotten, Kartoffeln und Kohlrabi.

Der 300 Quadratmeter große, dem Wald abgetrotzte Nutzgarten hinter dem Haus der Lehns ist von hohen Nadelbäumen umrahmt, die ihm eine fast parkähnliche Anmutung geben. Er hat sein Gesicht schon vielfach verändern müssen – je nach Gusto seiner Besitzer. Einst war er der Nutzgarten von drei Generationen, heute ist er Lustgarten für das Ehepaar Lehn.

Bei seiner behutsamen Umwandlung ging es demokratisch zu. „Jeder soll aufschreiben, auf welche Pflanzen er Wert legt“, forderte Ute Irmischer-Lehn in den 80er Jahren ihren Mann, ihre fünf Kinder und die älteren Verwandten im Haus auf. Auf ihren Zettel schrieb sie: „Blumen und schwarze Johannisbeeren“, inzwischen gibt es davon gibt es mehr als genug. Ehemann Klaus kocht aus den Beeren fleißig Marmelade.

Kirschbäume, Apfel- und Pflaumenbäume knüpfen noch an die Zeit an, als sich die Waldkolonisten selbst versorgen mussten. Den Wein allerdings haben die Lehns stark zurückgeschnitten, weil der Saftertrag in keinem Verhältnis zum Aufwand stand.

Anfangs hatte Ute Irmischer-Lehn wenig Ahnung vom Gärtnern. Kein Wunder, denn der Garten war viele Jahre das Hoheitsgebiet der älteren Generation, die sich nicht gern reinreden ließ. Später probierte die Hausherrin nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ ihr Bestes, experimentierte mit und ohne Erfolg, holte sich Rat und Hilfe aus Büchern. Heute ist der Lehnsche Garten eine Fundgrube für Überraschungen und eine gelungene Synthese von Natur und Kunsthandwerk. Eine Ahnung davon bekommt der Besucher schon an der Eingangstür. Arbeiten aus Ton deuten an: Hier wohnt ein kreativer Kopf, der das Schöne ebenso schätzt wie das Geheimnisvolle. Der langgestreckte Garten ist unterteilt in Wohnräume und Sitzecken. Viele Fundstücke, die das Ehepaar im Urlaub oder bei Spaziergängen entdeckt hat, finden sich hier wieder.

Schon immer hat Ute Irmischer-Lehn gern dekoriert und Harmonie in die Wohnung gebracht. Vor zehn Jahren begann sie zu töpfern und Steine zu bearbeiten. Ute Irmischer-Lehn lernte andere Frauen aus der Waldkolonie kennen, die „sagenhaft gut“ im Töpfern, Malen, Schmuckherstellen oder Mosaiklegen sind. Wie wäre es, fragte sie, wenn wir alle Werke in unserem Garten ausstellen? Die Begeisterung der Familien war groß, und bald standen auch andere Neugierige vor der Tür. Der Garten entwickelte sich zur Freiluft-Galerie, und die stolze Künstlergruppe nannte sich fortan „Sagenhaft“. Schon fünf Ausstellungen zur Kunst im Garten hat es gegeben.

Verkaufen möchte Irmischer-Lehn ihre Objekte nicht – dazu liegen sie ihr zu sehr am Herzen. Wichtiger ist ihr, dass die Besucher einen Tag voller Leichtigkeit und Lebensfreude miteinander verbringen, mit „wunderbaren Gesprächen“. Einmal waren so viele Gäste gekommen, dass es ihr nicht gelang, sich vom Haus aus in den hinteren Teil des Gartens vorzukämpfen.

„Wir lieben Steine“, erklärt die Künstlerin. Sie deutet auf Buntsandsteinstufen, die vor dem Kasino Wiesbaden vergammelten und auf alte Basalt-Blauköpfe, die übrig blieben, als der Illigweg neu gestaltet wurde. Jetzt sind die Steine Gartenpflaster im Traubenweg – ein Stück Geschichte der Waldkolonie bleibt auf diese Weise erhalten. pyp

An den Tagen der offenen Ateliers am Samstag und Sonntag, 18. und 19. September, ist der Garten Lehn im Traubenweg 176 öffentlich zugänglich.

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