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Familie Wunderlich aus Ober-Ramstadt unterrichtet die Kinder selbst.

Darmstadt-Dieburg

Freilerner ziehen erneut vor Gericht

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In Deutschland besteht Schulpflicht. Dennoch möchte eine Familie aus Ober-Ramstadt ihre Kinder selbst unterrichten. 

Vor die höchste Instanz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg (EGMR) will die Familie Wunderlich aus Ober-Ramstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg) ihren Fall bringen.

Im Januar waren die Freilerner mit ihrer Klage wegen Verletzung des Menschenrechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens vor der fünften Sektion des Gerichtshofs gescheitert. Nun ersuchte Familie das Gericht, ihren Fall an die Große Kammer zu überweisen. Das teilte die Alliance Defending Freedom (ADF) mit. Die international tätige christliche Menschenrechtsorganisation aus den USA unterstützt die Familie seit Langem in ihrem Rechtsstreit.

Dirk und Petra Wunderlich weigern sich seit Jahren, ihre vier Kinder zur Schule zu schicken, und unterrichten sie zu Hause. 2013 wurden die Kinder deswegen in einem Großeinsatz von Polizei und Jugendamt vorübergehend in staatliche Obhut genommen. Unter diesem traumatischen Erlebnis leidet die Familie nach eigenen Angaben noch heute.

Die Straßburger Richter hatten befunden, dass deutsche Gerichte in Fällen von Schulverweigerung den Eltern das Sorgerecht zumindest teilweise entziehen und die Kinder befristet in einem Heim unterbringen lassen dürfen.

Das wollen die Wunderlichs und die ADF so nicht stehen lassen: Das Urteil „missachtet das Recht von Eltern in ganz Europa, ihre Kinder ohne unverhältnismäßiges Eingreifen des Staates großzuziehen“, sagte Robert Clarke, Direktor von ADF International in Europa und leitender Anwalt der Familie Wunderlich.

„Wir hoffen, dass, wenn eine größere Anzahl von Richtern sich unseren Fall anhört, anders entschieden wird“, sagt Dirk Wunderlich. Die Große Kammer des EGMR besteht aus 17 Richtern aus dem betroffenen EU-Staat sowie aus weiteren Mitgliedsländern.

Derzeit läuft gegen die Familie erneut ein Sorgerechtsverfahren. Das hatte das Amtsgericht Darmstadt kurz nach dem Straßburger Urteil eröffnet, weil die beiden jüngsten noch schulpflichtigen Kinder, die 13 und 16 Jahre alt sind, weiterhin nicht zur Schule gehen. mit dpa

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