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Ein Zaun, den Anwohner mitfinanziert haben, schützt die Ex-US-Areale vor Vandalismus.
Ein Zaun, den Anwohner mitfinanziert haben, schützt die Ex-US-Areale vor Vandalismus. © Roman Grösser

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatten die US-Streitkräfte die Cooperstraße zwischen den damaligen US-Flächen gesperrt. Jetzt ist die Durchfahrt wieder frei.

Ein Ruck und die letzte Barriere war weg. Seit Mittwochmittag ist die Cooperstraße südlich von Bessungen wieder geöffnet. Nach neuneinhalb Jahren gibt es wieder eine direkte Straßenverbindung zwischen Heidelberger Straße und Marienhöhe. Ermöglicht wurde sie durch das Engagement von Bürgern und Schulzentrum. Die Bewohner der Marienhöhe versprechen sich davon eine niedrigere Verkehrsbelästigung, Schulvorstand Achim Ulrich einen sichereren Schulweg für seine Schüler.

„Jetzt wird es wohl etwas ruhiger in unserer Straße“, hofft Michael de Haas, nachdem er unterhalb der Jefferson-Siedlung mit Vertretern der Stadt, der Schule und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Straßensperre weggeräumt hatte. De Haas hatte die Bürgerinitiative für die Öffnung der Straße organisiert und damit ihre Freigabe erst möglich gemacht.

Schließung nach 9/11

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatten die US-Streitkräfte die Durchfahrt gesperrt, Zugangstore waren zugekettet. Daran änderte sich auch nichts, als die US-Armee 2008 Darmstadt verließ und die Bima die brachliegenden Flächen übernahm. Um Vandalismus zu vermeiden, blieben die Gatter geschlossen. Leidtragende waren die Bewohner der Marienhöhe, vor allem der Anwohner entlang der Straße Am Steinern Kreuz.

Die Wohnstraße war seit 2001 ein Nadelöhr. Bedienstete der Schule und Eltern, die ihre Kinder zum Unterricht brachten, blieb nur diese Zufahrt. „Zwischen sieben und acht Uhr kamen wir kaum aus dem Hof“, schildert Gudrun Warnecke die Situation. Weil die Straße eng ist, wichen manche Autofahrer auf die Bürgersteige aus. „Für Kinder, die zu Fuß kamen, war es gefährlich“, sagt Schulvorstand Ulrich.

Anwohner und Schule hatten gehofft, dass nach Abzug der Amerikaner der Zustand aus der Zeit vor dem Anschlag 2001 wiederhergestellt würde. Warten bis die Militärflächen in Wohngebiete umgewandelt sind, wollten sie nicht. Doch die Bima war zur Öffnung nur bereit, wenn die Stadt für die Sicherheit der Immobilie sorgt. Mit einem Zaun. 120?000 Euro koste die 450 Meter lange Absperrung, erklärte seinerzeit Verkehrsdezernent Dieter Wenzel (SPD). Das sei aufgrund der Finanzlage der Stadt aber zu teuer.

„Ich konnte nicht glauben, dass ein Zaun so teuer sein sollte“, sagt Michael de Haas. Zusammen mit Schulvorstand Ulrich holte er Angebote ein. „Ein erstes Angebot belief sich 20?000 Euro“, erklärt Ulrich. De Haas suchte Geldgeber, sprach Anwohner an. 50 Bewohner gaben Geld – mehr als 12?000 Euro, 26?000 Euro wurde benötigt. Die Differenz steuerte die Schule bei.

Wichtige Querverbindung

Nun führt der mehr als zwei Meter hohe Zaun auf der Seite der Jefferson-Siedlung zur Alten Bogenschneise und verschließt ein Tor zur Cambrai-Fritsch-Kaserne. „Als großartige Leistung von privaten Anwohnern“, lobte Wenzel das Bürgerengagement. Die Stadt hat die Baumschnittarbeiten und mit der Bima die Beseitigung der Straßenschäden übernommen – für zusammen 53?000 Euro.

Die Verbindung von Nord nach Süd zwischen Ludwigshöh- und Heinrich-Delp-Straße bleibt hingegen geschlossen. Bei der Diskussion über die künftige Nutzung der ehemaligen Militärflächen ist eine Öffnung stets abgelehnt worden.

Am Mittwochmittag fuhren bereits Autos über die Cooperstraße. Jörg Wille, Anwohner an der Marienhöhe, ist hoffnungsvoll: „Vielleicht wird es ja wieder wie früher.“ (rf)

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