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Frauenhaus in Not

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Auch Kinder finden Unterschlupf im Frauenhaus, wenn sie mit ihren Müttern vor ihren gewalttätigen Familien fliehen müssen.
Auch Kinder finden Unterschlupf im Frauenhaus, wenn sie mit ihren Müttern vor ihren gewalttätigen Familien fliehen müssen. © Roman Grösser

Unter chronischem Geldmangel leidet eine Einrichtung, die leider sehr notwendig ist - das Darmstädter Frauenhaus. Immer wieder müssen deshalb dort Hilfesuchende abgewiesen werden, die vor ihren gewalttätigen Partnern fliehen.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Geldmangel durch die 30-jährige Geschichte des Darmstädter Frauenhauses. Offiziell heißt es Haus für Frauen und Kinder, denn oft geraten Mütter in Not, die dann gemeinsam mit ihren Kindern vor der Tür stehen und Schutz suchen. Bedarf und Spardruck stehen allerdings im krassen Widerspruch. „Wir hatten im letzten Jahr so viele Übernachtungen wie noch nie“, berichtet die Leiterin, Christine Omasreiter. Es waren 6292.

Aber bei einem zum Jahresende erwarteten Defizit von rund 100.000 Euro ist fraglich, ob Omasreiters fünf Mitarbeiterinnen Weihnachtsgeld bekommen können. Ob Arbeitsstunden weiter abgebaut werden müssen. Ob das Haus mit den zehn Zimmern, das im vergangenen Jahr 75 Frauen und 65 Kindern für Tage oder Monate eine sichere Burg war, noch mehr Hilfesuchende abweisen muss. 138 Frauen (2008: 111 Frauen) mit zusammen 104 Kindern konnte im vergangenen Jahr nicht geholfen werden. Die Hauswirtschafterin ist bereits aus Kostengründen entlassen worden.

Die Mitarbeiterinnen helfen in Krisen, bieten psychosoziale Betreuung, leisten Beistand bei Stalking und begleiten die Frauen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Das Haus mit der geheim gehaltenen Adresse ist Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder aus Gewaltmilieus, die meisten werden von der Polizei gebracht. Sie fliehen in Trennungs- oder Scheidungsphasen vor der eigenen Familie.

Rund 55 Prozent der aufgenommenen Frauen haben keinen deutschen Pass. Ein Drittel von ihnen kehrt wieder zum Ehemann zurück – weil sie noch Hoffnung auf Besserung oder Existenzängste haben. Denn bei einer Trennung nehmen sie ein hohes Armutsrisiko in Kauf. Manche suchen das Frauenhaus später ein zweites Mal auf, werden dann aber in der Regel in eine andere Stadt geschickt. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie ihren Männern die Adresse genannt haben, und diese das Haus belagern und randalieren.

Das Land Hessen habe sich immer mehr aus der Verantwortung zurückgezogen und diese auf die Kommunen abgewälzt, klagt Christine Omasreiter. Vom Land werden 3,75 Stellen gefördert, aber nie zu 100 Prozent, sondern nur zu 90 oder sogar nur 50 Prozent.

So ist inzwischen ein Defizit entstanden, das die Stadt Darmstadt nicht ausgleichen kann. Sie bezahlt einen Festbetrag in Höhe von 155.000 Euro und stellt das Gebäude mietfrei zur Verfügung. Ein Drittel der Haushaltssumme muss vom Frauenhaus selbst aufgebracht werden, etwa durch Spenden, Erbanteile oder gerichtliche Bußgelder. Diese Einnahmen sind zurückgegangen und der Trägerverein, der Darmstädter Frauenring, kann das nicht ausgleichen. „Wir haben nichts im Hinterhalt“, sagt Elke Hausberg, vom Vorstand.

Immerhin konnte die Einrichtung vom Konjunkturprogramm profitieren. Heizungen wurden erneuert, Küche und Bad renoviert, die Spielgeräte im Hof mit Fallschutzmatten unterlegt. Nun muss nur der alte VW-Bus noch eine Weile durchhalten, damit es weiter ein Ausflugsprogramm für die Kinder gibt. ( pyp)

Unter Telefon 06151/376814 ist das Frauenhaus erreichbar, die Beratungsstelle Frauenräume in der Bad Nauheimer Straße 1 unter 06151/375080. Weitere Infos stehen im Netz auf www.frauenhaus-darmstadt.de.

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