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Nachhaltigkeit

Frankfurt: Hauptstadt des Passivhauses

In Frankfurt setzt man seit 20 Jahren auf die Bauweise des Passivhauses. Mittlerweile geht der Trend zum Aktivhaus.

Es war neu, aber dabei nicht zu experimentell, um es auszuprobieren: Vor dreißig Jahren revolutionierte der Passivhaus-Standard das Bauen. Plötzlich konnte Wohnen energieeffizient, trotzdem komfortabel und dabei auch noch wirtschaftlich sein. Was damals noch zu schön klingt, um wahr zu sein, sorgt in Frankfurt bald für eine Baurevolution – und setzt schließlich einen neuen Standard. Doch ist das Modell im ursprünglichen Sinn noch zeitgemäß? Mittlerweile will mancher das Konzept erweitern, um nicht nur Energie zu sparen, sondern auch zu erzeugen.

Die Wärme bleibt drin

Das Passiv-Baukonzept, das durch Dämmung, spezielle Verglasung und ein Lüftungssystem die Wärme innerhalb eines Hauses halten soll, nutzt zusätzlich auch einfallendes Sonnenlicht, Abwärme der Elektrogeräte und die Körperwärme der Bewohnenden als Energiequellen. Die Wärme muss also nicht aktiv erzeugt werden, sondern kann stattdessen rein passiv genutzt werden. Das kann schließlich 90 Prozent der Heizwärme einsparen, die ein konventionelles Gebäude verbraucht. In den Neunzigern sorgt dieses Denken noch für Ungläubigkeit und Kritik, die sich allerdings oftmals als Unwissen entpuppt: Mittlerweile ist etwa bekannt, dass man die Fenster wie gewohnt öffnen und darüber Lüften kann. Der verbliebene Makel: Die baubedingten Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Gebäude. Diese würden sich allerdings über die Lebensdauer und die eingesparten Heizkosten amortisieren, wie Rosemarie Heilig (Grüne) vom Frankfurter Umweltdezernat auf Anfrage der FR antwortet.

In Frankfurt dürfen öffentliche Gebäude seit 2007 nur noch als Passivhäuser gebaut und saniert werden. Dadurch erklärt sich der Anstieg der Passivhaus-Nutzfläche von damals unter 100 000 Quadratmetern auf den bald neunfachen Wert. Weil die Abwärme der Menschen genutzt wird, die in den Gebäuden wohnen und arbeiten, eignet sich die Passiv-Bauweise auch für öffentliche Gebäude wie Schulen, Verwaltungsbauten, Feuerwachen und bald auch für die erste Passivbau-Klinik Europas – in Frankfurt insgesamt 882 000 Quadratmeter Fläche. Es gilt: Je größer ein Gebäude, desto besser ist es als Passivhaus umsetzbar.

Die starke städtische Förderung bringt Frankfurt bald den Titel „Passivhaus-Hauptstadt“ ein. „Fest steht, dass Frankfurt seit Jahren in der Spitzengruppe liegt“, erklärt Umweltdezernentin Heilig. Hamburg, Köln und Nürnberg fördern die energiesparende Bau-Alternative mittlerweile ebenfalls. Es sei allerdings davon abhängig, so Heilig, ob nun die absoluten Zahlen der Flächen oder der Anteil der Passivhäuser am gesamten Gebäudebestand zählten. Für Frank Junker hingegen ist der Fall klar: Frankfurt sei nach wie vor die Passivhauptstadt der Republik. Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ist einer der frühen Anhänger des Energiesparhauses. Seit fast zwanzig Jahren setzt die ABG auf den Passivhaus-Standard. Rund 4500 Wohnungen habe die ABG gebaut, von Sozialwohnungen bis Eigentumswohnungen entsprächen all diese Wohnungen mindestens dem Passivhauskonzept. Auch Junker will mit alten Vorurteilen aufräumen. Ihm ist wichtig zu betonen, dass diese Art zu Wohnen keine komplizierte Einführung voraussetzt: „Das sind stinknormale Wohnungen. Da hängt ein Thermostat neben der Tür, den können die Bewohner einstellen, wie sie wollen.“ Einer Bedienungsanleitung bedürfe es nicht. Diese Normalität strebe die Wohnungsbaugesellschaft auch an, wenn es um die Fassaden geht. „Man darf nicht vor dem Gebäude stehen und denken ,Aha, das ist ein Passivhaus!‘“.

Energie erzeugen

Neu ist, dass man sich vom vielgepriesenen Grundprinzip des Passivhauses löst. Heute sollen Gebäude nicht nur möglichst energiesparend sein, sondern selbst Energie erzeugen. Seit 2018 hat die Stadt Frankfurt auf öffentlichen Neubauten Photovoltaikanlagen installieren lassen, seit diesem Jahr werden diese zusätzlich mit Dachbegrünung kombiniert. Die ABG nennt ihr Projekt dazu „Aktivstadthaus“ – Eigentlich ein Passivhaus, zu dem aber Komponenten wie eine Photovoltaikanlage und ein Abwasserwärmetauscher hinzuaddiert wurden. „Das eine tun heißt nicht, das andere zu lassen“, erklärt Junker. Er hält den Gedanken des Passivhauses nach wie vor für gut. Man wolle das Grundprinzip weiter beibehalten. Die Unterscheidung ist auch eine begriffliche Feinheit: Umweltdezernentin Heilig macht deutlich, dass der Ausdruck Aktivhaus eigentlich nichts anderes besage, als dass ein Gebäude seinen Energiebedarf aus erneuerbarer Energie decken könne. Dafür sei ein Passivhaus wiederum die ideale Grundlage.

Selbst wenn also neue Technologie das ursprüngliche Passivhaus in Sachen Energiebilanz überholt und Aktivhaus heißen soll, kann das eine nur auf Grundlage des anderen existieren. Was einst revolutionär schien, wird in dieser Kombination also auch künftig Standard des städtischen Baus in Frankfurt sein.

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