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Fragwürdiger Prediger in Darmstadt

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Den Islam aus seiner Sicht erläutert Tarik Ibn Ali auch in einem Internet-Video.
Den Islam aus seiner Sicht erläutert Tarik Ibn Ali auch in einem Internet-Video. © André Hirtz

Der islamische Prediger Tarik Ibn Ali, der mit radikalen Gruppen bis hin zu den Terroristen von Paris in Verbindung gebracht wird, ist auch in Darmstadt aufgetreten. Eingeladen hatte ihn die Assalam-Gemeinde. Dort sind auch kritische Stimmen zu Tarik Ibn Ali zu hören.

Der islamische Prediger Tarik Ibn Ali, der mit radikalen Gruppen bis hin zu den Terroristen von Paris in Verbindung gebracht wird, ist auch in Darmstadt aufgetreten. Eingeladen hatte ihn, wie erst jetzt bekannt wurde, 2012 die Assalam-Gemeinde in ihre Moschee im Sensfelderweg.

Eingehend hat sich die „Daily Mail“ nach den Pariser Terroranschlägen mit Tarik Ibn Ali befasst. Mit starken Worten schildert die Londoner Boulevardzeitung ihre Erkenntnisse. Der „Prediger des Terrors“, so das Blatt, habe „hasserfüllte Vorträge“ in einer Pariser Moschee gehalten und so mitgeholfen, einen der dschihadistischen Selbstmordattentäter zu radikalisieren, die im Bataclan-Konzertsaal ein Massaker anrichteten. Tarik Ibn Ali – richtiger Name: Tarik Chadlioui – halte engen Kontakt zu islamischen Extremisten in ganz Europa, werbe Rekruten für den syrischen Bürgerkrieg und sammle höchst erfolgreich Spenden für Moscheebauten.

Die „Mail“ übersetzt auch einige Passagen aus Predigten, die Tarik Ibn Ali üblicherweise in Berbersprache hält. „Wer im Dschihad (dem „Heiligen Krieg“ gegen „Ungläubige“) stirbt, dem wird Allah alle Sünden vergeben“, heißt es da. „Wenn seine Seele den Körper verlässt, wird sie wie ein Vogel im Paradies leben.“ Am Jüngsten Tag könne der Märtyrer auch 70 Mitglieder seiner Familie, die eigentlich für die Hölle bestimmt seien, erlösen und ins Paradies mitnehmen. Das sind nicht die Botschaften, die zu einem friedlichen Zusammenleben der Kulturen und Religionen beitragen.

Fest steht, dass der in Belgien und Ägypten lebende Prediger regelmäßig in vielen europäischen Ländern auftritt – auch im Rhein-Main-Gebiet (wir haben berichtet). Eine seiner Stationen war Darmstadt. Das hat die gastgebende Gemeinde, die Assalam-Moschee mit Sitz im Sensfelderweg, jetzt auf Anfrage bestätigt.

Der Auftritt liegt fast vier Jahre zurück. Im Internet findet sich noch die Einladung für den 20. Mai 2012. Ein 42 Minuten langes Video auf Youtube dokumentiert das Ereignis.

Wie kam der Kontakt zwischen der Darmstädter Gemeinde und dem belgisch-ägyptischen Prediger zustande? „Tarik Ibn Ali hat in der Zeit in mehreren Moscheen im Rhein-Main-Gebiet gepredigt“, erklärt dazu Mohamed El Azzaoui, Vorstandsvorsitzender der Assalam-Gemeinde, „und wurde uns von einem Mitglied empfohlen.“ Die meisten Mitglieder der Assalam-Gemeinde sind marokkanischer Herkunft, wie auch der Prediger.

Besonderes Talent als Spendenwerber

In welcher Sprache wurde die Predigt gehalten? „Berberisch und arabisch“, antwortet El Azzaoui. Was war der Inhalt? „Umgang mit den Eltern und die Wichtigkeit des Frühgebets in der Moschee.“ Die Assalam-Gemeinde hat vor wenigen Jahren ihre mit eigenen Mitteln errichtete Moschee im Sensfelderweg – neben der Müllverbrennung – bezogen. Rund 1,2 Millionen Euro hat das dreistöckige Gebäude gekostet – ein finanzieller Kraftakt, für den jahrelang um Spenden geworben wurde. Hat sich auch Tarik Ibn Ali als Spendensammler betätigt? Die Vermutung liegt nahe, zumal dem charismatischen Prediger ein besonderes Talent als Spendenwerber nachgesagt wird. So soll er nach Medienberichten bei einer einzigen Veranstaltung in Dietzenbach 91 000 Euro eingeworben haben; zur Verwendung des Betrags gibt es widersprüchliche Angaben. Im August 2013 trat Ibn Ali bei einer Benefizveranstaltung für einen Moscheebau in Raunheim auf.

In Darmstadt seien Spenden jedoch kein Thema gewesen, versichert Gemeindevorstand El Azzaoui. Auch über den Konflikt in Syrien sei nicht gesprochen worden.

In der Assalam-Gemeinde sind auch kritische Stimmen zu Tarik Ibn Ali zu hören. Seine Ansichten würden längst nicht von allen Mitgliedern geteilt, ist zu hören. Auf die Frage nach möglichen Meinungsunterschieden antwortet El Azzaoui: „Die Haltung der Gemeindemitglieder kann nicht beurteilt werden, da die letzten Erkenntnisse aus den Medien über Tarik Ibn Ali in der Gemeinde nicht thematisiert wurden.“

Die Assalam-Gemeinde hat sich von den Anschlägen von Paris in einer Erklärung „auf das Schärfste“ distanziert. Die Taten seien dem Islam fremd. „Wir blicken mit großer Sorge auf die Verbrechen, die sich auf der Welt ereignen.“ Man rufe zum Dialog zwischen den Konfessionen auf und gehe entschieden vor „gegen jede Handlung, die zum Extremismus aufruft oder diesen fördert“.

Im Jahr 2010 waren auf der Internetseite der Assalam-Gemeinde allerdings auch Videos des umstrittenen salafistischen Predigers Pierre Vogel zu finden. Nachdem das ECHO darüber berichtet hatte, wurden die Videos entfernt. Sie seien von jungen Gemeindemitgliedern ohne Wissen des Vorstands eingestellt worden, erklärte seinerzeit auf Anfrage Vorstandsmitglied Eighazi Bendris. (bad)

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