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Forschen unter freiem Himmel

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Wo jetzt noch eine große Baustelle ist, entsteht bald ein grünes Klassenzimmer.
Wo jetzt noch eine große Baustelle ist, entsteht bald ein grünes Klassenzimmer. © Claus Völker

Das Mitmach-Museum Bioversum in Darmstadt erhält für 480.000 Euro ein Außengelände. Dort soll bis zum Juni 2014 ein Freilandlabor entstehen.

Beim Gang über die Baustelle hinter dem Mitmach-Museum Bioversum in der Kranichsteiner Straße sind Gummistiefel ratsam. Die Erde ist aufgewühlt und schlammig, die Waldstücke sind voller Gestrüpp. Bis zum Frühjahr 2014 entsteht dort zwischen dem früheren Jagdzeughaus und der Steinbrückerteichschneise ein Freilandlabor mit grünen Klassenzimmern, Freilandauditorium, Forschungs- und Experimentierflächen.

Entwickelt haben das Konzept die Kuratorin des Bioversums und des Museums Jagdschloss Kranichstein, Onno Faller mit ihrer Kollegin Scarlett Umlauf. Gestern stellten sie das 480.000 Euro teure Projekt vor, das Stadt Darmstadt und Land Hessen finanzieren.

Das Bioversum wird seit der Eröffnung im September 2008 von Kindergärten und Schulen aus Darmstadt, dem Landkreis, Aschaffenburg, Frankfurt und Hanau genutzt. Allein mehr als 20 Biologie-Leistungskurse verbringen einen Teil ihrer Schulstunden in dem Museum biologischer Vielfalt, das rund 50 Angebote für praktische, ökologische Arbeiten bereithält.

Auch ist das Bioversum ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, die das wechselnde Programm schätzen. Ganz gleich, ob Besucherlabor, Ferienangebote, Kindergeburtstag oder Oma-Opa-Enkel-Programm – „wir sind ausgebucht und haben zu wenig Räume, um alle Gruppen unterzubringen“, sagt Onno Faller.

Zwar sei von Anfang an das Freilandlabor Teil des Gesamtkonzeptes gewesen, doch bis das Geld letztendlich bereitstand, verging eine Weile. Das sei aber gut so, sagt die Kuratorin. Man habe fünf Jahre lang Erfahrung sammeln und diese beim Ausbau der Außenflächen berücksichtigen können.

Ziel des Bioversums ist es außen wie innen, „die Besucher selbst entdecken zu lassen und so Wissen zu vermitteln,“, sagt Scarlett Umlauf. Besuchern und Lehrkräften werden Materialien an die Hand gegeben, die später im Unterricht aufgearbeitet werden können.

Ausflugsziel für Familien

Die beiden grünen Klassenzimmer können zwischen April und Oktober genutzt werden. In dem Zelt, das bislang für Außenaktivitäten zur Verfügung stand, war die Saison zwei Monate kürzer.

Mittelpunkt des Freilandlabors wird ein Rondell mit einem Durchmesser von 30 Metern sein, das in vier Quadranten aufgeteilt ist. Diese werden mit Bauaushub gefüllt. „Und dort entwickeln sich Flora und Fauna von selbst“, sagt Faller. So könne man die verschiedenen Entwicklungsstadien zeigen. Nach zwei, vier und sechs Jahren grabe man dann jeweils einen Quadranten um, und alles beginnt von vorn.

An einem Geländer entlang des Rondells werden Periskope, Temperaturmessgräte und Lichtmesser angebracht, um die Bereiche genauer zu erforschen. In einem Auditorium können die Besucher Erfahrungen und Ergebnisse austauschen, an Aktionsflächen und Baustellen selbst in der Erde graben, mit Stöcken und Fäden Höhlen und Nester bauen.

„Damit soll gezeigt werden, was die Natur so kann“, sagt Faller. Und in einem Forschergarten werden Bienen, Ameisen, Mäuse oder Schmetterlinge angelockt, die man sich durch ein Vergrößerungsglas betrachten kann.

Fertige Experimente wird es keine geben, dafür aber Materialien und Aufgaben, die man lösen muss. Möglich wird aber auch sein, das große Freiluftlabor einfach nur zu genießen. Je weiter man sich vom Zeughaus entfernt, umso wilder wird das Gelände – mit Trockenholz, Pfützen und umgefallenen Bäumen: Ein ganz besonders schönes Stück Labor mit viel Arbeit für die jungen Forscher. an

Die Eröffnung des Freilandlabors ist für Juni 2014 geplant. Das neue Programm des Bioversums (ab Oktober) liegt bereits vor. Informationen gibt es unter 06151/9711180 oder auf www.jagdschloss-kranichstein.de.

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