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Mehrere Flugzeugteile hat Alexander Schneider auf dem Kühkopf gefunden.

Kühkopf

Flugzeugtrümmer am Pinkelplatz

Alexander Schneider entdeckt Wrackteile einer abgestürzten Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Seinen Fund hat er genau dokumentiert. Nun ist Schneider von dem Wunsch beseelt, das Flugzeug, oder was davon noch übrig ist, aus dem Boden zu holen.

Man könnte Alexander Schneider einen Freak nennen. Er interessiert sich nach eigenen Angaben seit seiner Kindheit für Geschichte. Vor allem alte Flugzeuge haben es ihm angetan. Manchmal ist er mit einer Sonde unterwegs, um verborgene Schätze im Untergrund aufzuspüren.

Vor einigen Jahren schlug die Sonde auf einem Acker bei Crumstadt (Kreis Groß-Gerau) an. Aus Zeugenaussagen wusste Schneider, dass in dieser Gegend im Zweiten Weltkrieg ein amerikanisches Kampfflugzeug abgestürzt sein sollte. Nach entsprechenden Genehmigungen der Grundstückseigentümer hat er mit Helfern die Flugzeugteile geborgen, eine Ausstellung in Gernsheim organisiert und den Fund dokumentiert. Dabei arbeitete er eng mit der „Arbeitsgruppe Vermisstenforschung“ aus Heltersberg zusammen, die Flugzeugabstürze aus dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert.

Später wurde Schneider ein zweites Mal fündig. Ein dringendes Bedürfnis trieb ihn in die Büsche auf dem Kühkopf. Dort lag ein etwa 1,20 Meter langes Metallteil. Und als Schneider sich umsah, kam noch mehr zum Vorschein: ein Motorenteil, eine verrostete Zündkerze und ein Wrackstück mit einer Nummer, anhand derer die Trümmerteile als Überreste einer Focke Wulf 190 identifiziert werden konnten. Vermutlich waren sie von Wildschweinen bei der Suche nach Nahrung ausgebuddelt worden.

Gesetze zeigen Grenzen auf

Seit Schneider vergangenes Jahr diesen Fund gemacht hat, lässt ihn die Sache nicht mehr los. Doch die Gesetze zeigen ihm die Grenzen auf. Da die Absturzstelle des Flugzeugs etwa zwanzig Meter neben einem Fußweg liegt und der Kühkopf ein Naturschutzgebiet ist, darf er dort nicht graben.

Dem Landesdenkmalamt ist die Absturzstelle bereits seit einigen Jahren bekannt, wie der Leiter der Außenstelle Darmstadt, Thomas Becker, auf Anfrage sagte. Das Flugzeug gilt als Bodendenkmal „und soll bleiben, wo es ist“, so Becker. Solange keine Gefahr von dem Bodendenkmal ausgehe, wolle man es schützen. Eine Notwendigkeit, die Flugzeugtrümmer auszugraben, gebe es nicht.

Alexander Schneider hingegen glaubt sehr wohl, dass von der Focke Wulf womöglich Gefahr ausgeht. Vielleicht habe das Flugzeug der deutschen Luftwaffe, das laut Zeugenaussagen von Oppenheim her über den Rhein kam, Bomben an Bord gehabt, bevor es auf dem Kühkopf aufschlug. Die könnten im Boden verrotten und irgendwann plötzlich explodieren. Zudem sei nicht klar, ob der Pilot noch an Bord sei. Da die Außenhaut des Fliegers aus Aluminium bestanden habe, gehe davon eine Umweltgefährdung aus, so Schneider.

Eine Bergung des Flugzeugs ist laut Schneider auch im Naturschutzgebiet durchaus möglich. Bagger kämen recht einfach von einem breiten Weg aus an die Absturzstelle; es müssten nur ein paar junge Bäume gefällt und Büsche beseitigt werden. Ohnehin müsse in diesem Bereich umgehend etwas geschehen, denn direkt neben der möglichen Absturzstelle liegen massenweise verwitterte Eternitplatten, die krebserregende Stoffe enthalten könnten.

Keine Kosten für den Staat

Schneider ist von dem Wunsch beseelt, das Flugzeug, oder was davon noch übrig ist, aus dem Boden zu holen. Die Trümmer könnten dann entweder im Heimatmuseum in Stockstadt oder im Informationsgebäude auf dem Kühkopf ausgestellt werden, sagt er. Auf den Staat kämen nicht mal Kosten zu, denn er habe genügend Sponsoren an der Hand.

Auf der anderen Seite sind Sondengänger nicht überall beliebt. Schneider weiß, dass gerade den Entdeckern alter Flugzeuge immer wieder unterstellt wird, sie würden die Fundstücke über das Internet teuer an Sammler verkaufen. Diesen Vorwurf weist er für sich selbst jedoch vehement zurück.

Auch der für den Kühkopf zuständige Revierförster Ralph Baumgärtel sieht die Aktivitäten Schneiders mit Vorbehalt. Wegen des Naturschutzgebietes dürfe Schneider das Gelände nicht betreten. Zudem sei die Absturzstelle längst untersucht. Es sei sicher, dass sich weder ein Pilot noch Bomben an Bord befunden hätten. Das habe der Kampfmittelräumdienst des Darmstädter Regierungspräsidiums festgestellt, soll Baumgärtel Schneider mitgeteilt haben. Doch der Kampfmittelräumdienst war laut Regierungspräsidium bisher gar nicht vor Ort. Der werde erst dann tätig, wenn tatsächlich Munition gefunden werde.

So wird der Streit darüber, ob das Bodendenkmal Focke Wulf 190 irgendwann geborgen wird oder für immer unter der Erde bleibt, noch weitergehen. Vielleicht wühlen Wildschweine in der Zwischenzeit ja weitere Teile an die Oberfläche. (hde)

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