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Flüchtlinge sollen in Container

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Mittelfristig will die Stadt neue Sozialwohnungen bauen.

Nach Mörfelden-Walldorf sind im vergangenen Jahr 129 Flüchtlinge gekommen. In diesem Jahr werden weitere erwartet. Zusätzlich steigt die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen. Um kurzfristig Wohnraum zu schaffen, plant die Stadt, Container aufzustellen. Längerfristig sollen Sozialwohnungen entstehen.

Von Juli bis Oktober hat das Stadtplanungs- und -bauamt alle in Frage kommenden Grundstücke untersucht. Nach Gesprächen mit der Baugenehmigungsbehörde des Kreises wurden die Vorschläge nun ausgewertet.

„Wir erwarten in diesem Jahr 300 Wohnungssuchende“, erklärte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) bei einem Pressegespräch. Pro Jahr würden zwar rund 40 Wohnungen frei, im Neubaugebiet Walldorfer Weg nahe dem Mörfelder Bahnhof entstünden derzeit 44 Sozialwohnungen – das sei aber nicht genug.

Hinzu kommt, dass die Asylbewerber Unterkünfte benötigen. Das vom Kreis angemietete „Hotel Albatros“ in Walldorf dient für 100 Flüchtlinge als Erstaufnahmeeinrichtung und ist daher nur vorübergehend eine Lösung. 2015 werden laut Asylbericht des Sozialamts weitere 143 Bewerber in Mörfelden-Walldorf ankommen. Wird ihr Asylantrag bewilligt, dürfen sie ihre Familie nachholen und brauchen dauerhaft Wohnungen. „Es ist eine enorme Herausforderung für uns, auf diese Situation zu reagieren“, betont Becker.

Systembau an vier Standorten

In der nächsten Sitzung wird das Stadtparlament über eine Magistratsvorlage zum Wohnraumbedarf abstimmen. Sie sieht vor, an vier Standorten Einfachunterkünfte in Systembauweise (Container) zu errichten, um schnell auf den Bedarf zu reagieren.

Außerdem soll das ehemals als Obdachlosenunterkunft genutzte Haus in der Weserstraße 13a saniert und so umgebaut werden, dass es später auch für sozialen Wohnungsbau geeignet ist. Die Wohnfläche reicht für 16 Personen. Für das Projekt werden im Haushalt 200 000 Euro bereitgestellt. Über langfristige Mietverträge mit dem Kreis soll das Geld dann wieder in die Kasse zurückfließen.

Der größte Container wird auf ein Grundstück nordöstlich des Bahnhofs gestellt: 48 Menschen sollen dort eine Erstunterkunft finden. Als weitere Container-Plätze sind die Grundstücke „Am Hegbach 11/13“, die rückseitige Fläche zur Heidelberger Straße 4 und der Platz am Walldorfer Nordring gegenüber dem Friedhof auf Höhe der Werrastraße geplant.

Mittelfristig sind auch Neubauten vorgesehen. An vier Standorten sollen Wohnblocks mit 39 Wohneinheiten entstehen: Am Gärtnerweg, wo ehemals der Recyclinghof war, 18 Wohnungen, in der Soonwaldstraße fünf. Am Nordring sollen sechs dauerhafte Wohnungen die Container ablösen, ebenso in der Heidelberger Straße/Am Schlichter: Dort sind zehn Wohneinheiten für 45 Asylbewerber vorgesehen.

Parallel prüft die Stadt, welche Gewerbeimmobilien sich für den Umbau zu Asylbewerber-Unterkünften Asylbewerber eignen. Der Bundestag hatte Ende 2014 eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. „Wir wollen die Pläne rechtzeitig kommunizieren und das Gespräch mit Anwohnern suchen“, betonte Becker. „Wir haben eine rechtliche Verpflichtung, diese Menschen unterzubringen.“

Die Frage sei zudem, wie die Aufsichtsbehörde damit umgehe, da die Sparauflagen der Schutzschirmvereinbarung kaum einzuhalten seien. Zwar zahle das Land Pauschalen für die Aufnahme und Unterbringung der Asylsuchenden – reichen würden diese nicht. Für die Containerlösung ist eine Kostendeckung über langfristige Mietverträge mit dem Kreis anvisiert. Eine detaillierte Finanzplanung steht noch aus. (eda)

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