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Flüchtlinge kommen ins Kloster

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Der Seitentrakt des leer stehenden früheren Kapuzinerkloster wird für etwa 200 000 Euro vom Bistum so umgebaut, dass dort 19 Flüchtlinge untergebracht werden können.

Obwohl recht kurzfristig eingeladen, waren am frühen Freitagabend rund 70 Dieburger ins Rathaus zu kommen, um zu erfahren, was aus dem leer stehenden früheren Kapuzinerkloster werden soll. „Der Seitentrakt des Klosters wird für etwa 200 000 Euro vom Bistum so umgebaut, dass dort 19 Flüchtlinge untergebracht werden können“, sagte Prälat Dietmar Giebelmann.

Der Generalvikar kümmert sich um die Immobilien und Projekte des Bistums Mainz in der Region. Umbauarbeiten seien in erheblichem Umfang nötig, unter anderem für den Brandschutz und für Fluchtwege. Vier Monate werden hierfür von der katholischen Kirche angesetzt. Unmittelbar danach, im Juni oder Juli, sollen die Flüchtlinge einziehen.

Mit dem Kreis sind die erforderlichen Absprachen bereits erfolgt. Details einer vertraglichen Regelung seien aber noch nicht besprochen, sagte Kreis-Sozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD) auf Nachfrage von Bürgern.

Dramatische Schilderungen

Dieburg nehme – mit der großen Unterkunft im Nordring – schon jetzt mehr Flüchtlinge auf als erforderlich. Dafür sei der Kreis sehr dankbar, denn der Druck aus der zentralen Erstaufnahmestelle des Landes in Gießen werde immer größer. Da gebe es „dramatische Schilderungen“, so Lück. So seien – wegen Überfüllung der Gebäude – dort derzeit 300 Menschen in zusätzlichen Zelten untergebracht, bei Nachttemperaturen um null Grad. Täglich kämen 200 bis 250 Menschen hinzu.

In eindrücklichen Worten berichtete Prälat Giebelmann, welche Schicksale einige dieser Flüchtlinge hinter sich haben. „Wir wissen noch nicht, wer zu uns kommen wird. Wenn es Frauen aus Äthiopien, Eritrea, Nigeria und einigen anderen Ländern sind, dann sind sie fast alle auf der Flucht dreimal vergewaltigt worden: in der Heimat, auf dem Schiff, dann auf dem Weg hierher. Vor Kurzem haben wir die ersten koptischen Christen zugewiesen bekommen, von denen Familienangehörige durch IS-Terrormilizen geköpft wurden.“

Aus den Fragen und Anmerkungen der Dieburger gab es keine Kritik an dem Vorhaben. Mitglieder des OWK wunderten sich allerdings am Rande des Treffens darüber, dass sie seit einiger Zeit nicht mehr offiziell zuständig seien für die Pflege des großen Franziskusgartens am Kloster.

Der Bistumssprecher beruhigte: Die Nutzung des Gartens werde von der Flüchtlingsaufnahme nicht berührt, und es werde auch kein zusätzliches Zelt aufgestellt. Definitiv soll es bei maximal 19 Asylbewerbern im Nebengebäude bleiben. (piz)

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