1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Flott durch die Stadt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Segway-Roller: Das ungewöhnliche Fahrzeug stößt auf viel Interesse.
Segway-Roller: Das ungewöhnliche Fahrzeug stößt auf viel Interesse. © Claus Völker

Stefan Franke verleiht Segway-Roller und bietet Touren an.

Sanft summen die Radnabenmotoren, leise rollen die Gummireifen über dem Pflaster ab. Zwischen Lagernden und Fußgängern, Radfahrern, Straßenbahnen und Gelenkbussen auf dem Luisenplatz bahnen sich drei ungewöhnliche Gefährte ihren Weg: je zwei Seitenräder, dazwischen eine kleine Plattform mit Henkelstange. Es sind Segway-Elektroroller, ein vor wenigen Jahren in den USA erfundenes Fortbewegungsmittel - auf Deutschlands Straßen und Plätzen kein völlig neuer, aber auch noch kein gewohnter Anblick.

Segway Personal Transporter - so der vollständige Name - sind teuer: je nach Ausstattung 8000 bis 10 000 Euro. Für den Preis könnte man sich auch einen Kleinwagen anschaffen. Ein bisschen viel für ein Freizeitgefährt. Aber man kann sie leihen oder nach kurzer Eingewöhnungszeit an geführten Segway-Touren teilnehmen.

Regeln wie für Radfahrer

Das Angebot ist in Darmstadt noch nicht sehr bekannt. Taugt so ein Elektroroller überhaupt für Fahrten durch und um die 140 000-Einwohner-Stadt zwischen Ried und Odenwald? Das Luisenplatz-Gewimmel meistern die Segways jedenfalls lässig. Fahren im Schritttempo, abrupte Bremsungen und schnelle Ausweichmanöver, notfalls auf der Stelle drehen - alles kein Problem selbst für Fahranfänger, die hier auch die verbesserte Übersicht auf der leicht erhöhten Plattform schätzen lernen.

Unauffällig kann man sich auf dem Segway allerdings nicht durch die City bewegen. Die Leute gucken. Nahezu reglos dahingleitende Erwachsene mit Lenker vor dem Bauch sieht man nicht alle Tage. "Für uns gelten im Stadtverkehr dieselben Regeln wie für Fahrräder", erklärt Stefan Franke. "Wir können Radwege, Waldwege und Feldwege benutzen, auch durch die Fußgängerzone fahren, wo es für Radfahrer erlaubt ist. Aber der Segway muss sich immer hinten anstellen: Fußgänger und Radler haben Vorrang."

Franke betreibt seit Anfang Juni einen Segway-Verleih mit Tourenangebot in der Rheinstraße. Der gelernte Elektrogerätemechaniker hatte eine Brandschutzfirma in Frankfurt mit 40 Mitarbeitern geleitet, als er plötzlich dem persönlichen Zusammenbruch nahe war: Burnout-Syndrom. Nach einer Erholungs- und Therapiephase "wollte ich wieder irgendwas machen", erzählt der 43-Jährige. Er plante die Eröffnung einer Elektrokartbahn in Darmstadt, fand aber keine geeignete Halle. Dann ergab sich die Chance auf Übernahme einer noch nicht etablierten Segway-Vermietung, und Franke griff zu.

Die 45 Kilogramm schweren Henkelroller sind Hightech-Geräte mit eingebauten Kreiselinstrumenten, Gyroskopen, die hundertmal pro Sekunde die Position des Segways samt Fahrer ermitteln und Schräglagen durch elektronisch gesteuerte Radbewegungen ausgleichen: das Prinzip der dynamischen Stabilisierung. So kann der Fahrer auch ohne Hand am Lenker auf seinem Gefährt an Ort und Stelle stehen, ohne dass es umfällt.

Umfallen geht nicht

Die Fortbewegung auf dem Segway wird durch Verlagerung des Körpergewichts gesteuert. Man lehnt sich nach vorn: Der Segway rollt vorwärts. Man lehnt sich zurück: Der Segway bremst ab, bis zu Stillstand und Rückwärtsfahrt. Lenkstange nach links oder rechts: Der Segway lenkt entsprechend ein. Alles geht ganz gefühlsmäßig, ist daher schnell gelernt. Der sichere Umgang mit der Höchstgeschwindigkeit - immerhin 20 Stundenkilometer - verlangt allerdings schon ein Mindestmaß an Übung.

Zweimal zwei PS aus den beiden Servomotoren schieben den Roller ohne erkennbare Mühe über die Rosenhöhe oder auf die Mathildenhöhe. 30 Grad Maximalsteigfähigkeit sollten auch für den Frankenstein ausreichen. Mittelschwere Feldwege meistert der Segway mit seinen großen Rädern ebenfalls sportlich. Nach Frankes Erfahrung reichen die Akkus je nach Geschwindigkeit für 20 bis 40 Kilometer Strecke. Auf 100 Kilometer verbraucht der Segway Strom für 50 Cent. (bad)

Auch interessant

Kommentare