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Das fliegende Auge

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Pilot Alexander Schild unterstützt seine Kollegen von der Bereitschaftspolizei aus der Luft.
Pilot Alexander Schild unterstützt seine Kollegen von der Bereitschaftspolizei aus der Luft. © Karl-Heinz Bärtl

Wenn Pilot Alexander Schild und seine Kollegen mit dem Polizeihubschrauber im Einsatz sind, dann suchen sie nach vermissten Personen oder flüchtigen Einbrechern. Die Crew behält von oben den Überblick und unterstützt so die Kollegen auf dem Boden.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg wurde 2010 nach 454 Menschen gefahndet, 2012 waren es 316. In diesem Jahr suchte die Polizei bis zum 30. September nach 254 Personen. Vor nicht allzu langer Zeit gab es wieder Vermisstenfälle, bei denen die Polizisten der Egelsbacher Fliegerstaffel zur Unterstützung dabei waren – hörbar und sichtbar.

In der dicken schwarzen Kugel an der rechten Kufe des Hubschraubers steckt teure Technik: Die Wärmebildkamera kostet mehr als eine Million Euro. Gerade im ländlichen Gebiet, wo es Wiesen und Felder gibt, sei die Technik eine gute Ergänzung, sagt Andrea Löb, Sprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen: „In manchen Gebieten wäre die Bereitschaftspolizei am Boden sonst vielleicht tagelang im Einsatz.“ Der Hubschrauber überfliegt das Gebiet dagegen in einem Bruchteil der Zeit.

Außerhalb von Ortschaften im Einsatz

So war es auch bei der Suche nach einer 61 Jahre alten Modautalerin, die im August für mehrere Tage verschwand. Gefunden wurde die verwirrte Dame von einem Jogger unter einem Baum hockend. „Aber durch den Hubschrauber konnten wir vieles ausschließen, etwa Gärten, in die die Kollegen am Boden nicht einfach reingehen können“, erklärt Löb.

In der Regel ist die Hubschrauberstaffel außerhalb von Ortschaften im Einsatz. Dichtes Stadtgebiet ist nicht das bevorzugte Terrain des Spähers. Dort wird der Blick aus dem Cockpit zum Wimmelbild: Haus an Haus, Mensch neben Mensch.

Fast alle Vermissten tauchen wieder auf. Im Landkreis sei derzeit nur eine Fahndung offen, erläutert Kriminaloberkommissarin Sylvia Resch: Im September 2011 verschwand der 89 Jahre alte Karl Kalliwoda aus Münster. Er war auf seinem Fahrrad unterwegs und ist seitdem wie vom Erdboden verschluckt. Mehrmals suchte der Helikopter nach ihm – ohne Erfolg.

Auch das Verschwinden eines 56 Jahre alten Mannes aus Polen, der im Juli bei Verwandten in Groß-Zimmern zu Gast war, nach Gundernhausen lief und nicht zurückkam, löste die Alarmkette aus. Der Eurocopter kreiste über Gundernhausen – keine Spur von Marek K. Vier Tage später fand man seine Leiche zufällig im Straßengraben. Marek K. war auf seinem Spaziergang gestorben. Warum hatte ihn der Hubschrauber nicht entdeckt? Diese Frage beschäftigt die Beamten der Fliegerstaffel. „Wir verfolgen natürlich, wie eine Geschichte ausgeht“, sagt Alexander Schild. „Wir müssen alles analysieren, um noch besser zu werden.“ Bei Marek K. half der Blick von oben nicht, weil er unter dicht bewachsenen Ästen saß – keine Chance für das menschliche oder technische Auge.

Fliegen ist für mich wie Autofahren

Den Landkreis aus der Luft zu sehen, ist für Schild nichts Besonderes. Seit 2003 ist der 34-Jährige in Egelsbach stationiert. Gut 1600 Flugstunden hat er absolviert: „Fliegen ist für mich wie Autofahren“, sagt er. Neben ihm als Pilot sitzt der Co-Pilot, zuständig für die Polizeitaktik. Außerdem ist ein Flugbetriebsassistent an Bord, der die Kamera bedient.

Es sind markante Punkte, die der Pilot mit dem Landkreis verbindet: Der Sendemast zwischen Messel und Dieburg sei eine solche Landmarke für ihn, die Bundesstraßen 26 und 45, der Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe vielleicht noch, die Bergstraße mit dem Frankenstein natürlich.

Am liebsten – jedenfalls dienstlich – hat Schild die Natur, wie sie in den kommenden Monaten ist. Wenn im Wald kein Laub den Blick versperrt und es draußen kalt ist, sodass körperwarme Lebewesen kontrastreich als weiße Punkte auf dem Monitor zu sehen sind. Dann kann die Wärmebildkamera jede Maus auf dem Boden erkennen, erklärt Schild. „Für uns beginnt jetzt, wo die Blätter fallen, die noch erfolgreichere Jahreszeit.“ loc

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