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Feuer an Flüchtlingsunterkunft

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Die Fahrräder der Flüchtlinge fielen dem Brand zum Opfer.
Die Fahrräder der Flüchtlinge fielen dem Brand zum Opfer. © Hans Dieter Erlenbach

An einer Flüchtlingsunterkunft in Büttelborn bricht ein Feuer aus. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden. Beamte des Landeskriminalamtes seien eingeschaltet.

Das Gebälk des Carports ist völlig verkohlt, auf einer Seite hängt das Dach herunter. Reste geschmolzener Mülltonnen liegen auf dem Boden, der Inhalt verbrannt. Von Sofas sind lediglich die Metallspiralen übrig geblieben, Fahrräder nur noch Schrott.

Der Brand in dem Büttelborner Wohngebiet ist in der Nacht zum Dienstag ausgebrochen. Ein Augenzeuge bemerkte das Feuer und alarmierte um 1.32 Uhr die Polizei.

In dem Haus neben dem Carport wohnen 30 Flüchtlinge, darunter 22 Kinder und Jugendliche. Die Bewohner mussten das Haus zeitweise aus Sicherheitsgründen verlassen, sagte die Polizei. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und brachte den Brand unter Kontrolle, sodass niemand Schaden nahm. Die Betreuung der Familien hatte das Rote Kreuz übernommen.

Die Brandursache ist noch nicht bekannt, ermittelt werde in alle Richtungen – auch, ob es einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt. Beamte des Landeskriminalamtes seien eingeschaltet, sie hätten Proben genommen, ist bei der Rüsselsheimer Kripo zu erfahren. Bis man Gewissheit habe, könnten zwei bis drei Wochen vergehen.

Christine Durstewitz hofft auf Gewissheit. Vor allem hofft sie, dass es ein Unglück war, eine Unachtsamkeit, und kein Anschlag auf die Flüchtlinge. Sie hat dem Kreis Groß-Gerau dieses wie auch andere Häuser in Büttelborn vermietet, damit Asylbewerber untergebracht werden können.

Noch weiche Knie

Am Morgen danach hat die Vermieterin „noch weiche Knie“. Als sie, aufgeschreckt durch einen Anruf ihrer Tochter, mitten in der Nacht zu dem Haus eilte, „brannte schon alles lichterloh“, erzählt sie. „Es war ein glücklicher Zufall, dass das Feuer nicht aufs Haus übergegriffen hat.“ Wenn der Wind anders gestanden hätte, hätte es böse ausgehen können. Das bestätigt die Feuerwehr: Man habe auch das Gebäude geschützt, weil die Flammen durch die starke Hitze überzugreifen drohte. Nur drei Meter steht der Carport vom Wohngebäude entfernt. Die enorme Hitze hat mehrere Fenster zum Platzen gebracht.

Das Mitleid von Christine Durstewitz gehört den Asylbewerbern. „Diese Menschen sind vor etwas geflohen.“ Sie hätten sich nach ihrer Flucht aus dem Krieg in Sicherheit gefühlt seit sie Anfang März nach Büttelborn kamen. Bei ihr bleibt ein „mulmiges Gefühl“, solange man die Brandursache nicht kenne.

Auch wenn noch nichts feststeht: Der Gedanke an einen fremdenfeindlichen Anschlag lässt sich nicht verdrängen in einer Zeit, in der bundesweit fast täglich solche Taten gemeldet werden. Und eine rechte Szene gibt es im Kreis Groß-Gerau durchaus. Nach den Schüssen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Hofheim Anfang April gab es zwei Festnahmen, eine davon in Rüsselsheim. Im April überklebten Unbekannte Stolpersteine in Groß-Gerau.

Durstewitz hofft, dass es keine Verbindung zu dem Brand gibt. Die Menschen in der Umgebung seien hilfsbereit, gäben Sprachunterricht, die Kinder der Einheimischen und der Flüchtlinge spielten zusammen. „Ich kann mir das von jemandem aus dem Dorf nicht vorstellen.“ Unabhängig von der Ursache des Feuer fürchtet sie aber einen gewissen Schaden. Der Vorfall „macht vielleicht Menschen Angst, die ihre Wohnungen für Flüchtlinge anbieten wollen“. ers

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