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Feststecken im Blech-Chaos

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Kreuz und quer parkende Autos sorgen für Vertopfung.
Kreuz und quer parkende Autos sorgen für Vertopfung. © André Hirtz

Auf dem Parkplatz der Hochschule wird verwegen geparkt / Facebook-Gruppe.

Ratlos blickt sich der Informatik-Student auf dem Parkplatz um. Niemand zu sehen. Das bedeutet, dass sich der unfreiwillige Aufenthalt weiter verlängern wird. Eigentlich wollte der Student aus Stockstadt schon vor 20 Minuten losgefahren sein, doch sein Kleinwagen ist heillos zugeparkt.

Das ist kein ungewöhnliches Schicksal an dieser Stelle: Fast noch verwegener als auf dem Marienplatz werden Tag für Tag auf dem Parkplatz der Hochschule Darmstadt (h_da) die Autos abgestellt.

Auf dem Gelände am Ende der Stephanstraße, zwischen der Mensa und dem Neubau für Chemie und Biotechnologie, ist Platz für mehr als 100 Autos. Doch die abgestellten Fahrzeuge bilden fast täglich neue Formationen. Fahrzeugschlangen winden sich über die rechteckige Fläche, teilen und überschneiden sich – kein Wunder, dass dabei tote Winkel entstehen, aus denen es für unglückliche Autobesitzer kein Entkommen gibt. Dann hilft nur Warten, bis die Blechverstopfung von den Enden her aufgelöst wird.

Zweierlei Markierungen sorgen für Verwirrung

Dabei ist der Parkplatz, anders als jahrelang der Marienplatz, keineswegs frei von Parkmarkierungen. Bei genauem Hinschauen gibt es wahrscheinlich sogar eher zu viele davon. Weiße Pflastersteine geben rechtwinklige Parkbuchten vor. Darüber ist jedoch mit weißer Farbe ein Liniensystem gemalt worden, das zum Schrägparken anhält: sicherlich sinnvoll auf der begrenzten Fläche. Leider ist die Farbe zwischenzeitlich stark verwittert und stellenweise kaum noch zu erkennen.

Die Folge ist eine heillose Verwirrung, die viele Autofahrer offenbar zum Parken nach eigenem Gutdünken bewegt. Das Ergebnis kann nun auch weltweit besichtigt werden, denn mit den immer wieder verblüffenden Blechformationen befasst sich eine eigene Facebook-Gruppe. Auf „Parksünder Hochschule Darmstadt“. Dort werden aktuelle Fotos vom täglichen Chaos gesammelt und mit launigen Kommentaren versehen.

Die Macher der Facebook-Seite wollen keinen virtuellen Pranger betreiben und achten darauf, dass Autokennzeichen auf den Fotos unkenntlich gemacht und keine beleidigenden Kommentare ins Netz gestellt werden. Auch Unfallschäden sind nicht zu sehen. Dennoch ist zu spüren, dass genervte Menschen die Seite besuchen. „So bescheuert kann doch kein Mensch sein“, schreibt einer unter ein Foto mit wilden Park-Schlangenlinien. „Ich wünschte mir bei dem Anblick einen schönen weißen Leopard 2 mit verchromten Stoßstangen.“

h_da-Präsident Ralph Stengler hat bereits im vorigen Dezember angekündigt, dass die Hochschule voraussichtlich mittelfristig eine Parkraumbewirtschaftung einführen wird. Auf dem Gelände des zukünftigen Holzhofparks in der Holzhofallee plant die h_da ein Parkhaus mit 350 Stellplätzen.

Die Situation auf dem Parkplatz werde von der Hochschulleitung in nächster Zeit nicht verändert, erklärt auf Anfrage h_da-Sprecher Martin Wünderlich-Dubsky. Derzeit werde ein Gesamtkonzept für Mobilität innerhalb der Hochschule sowie zur Bau- und Entwicklungsplanung erarbeitet; die Parkfläche sei ein Teil dieser Gesamtbetrachtung. Daran werde auch die für Mai 2017 erwartete Fertigstellung des angrenzenden Neubaus nichts ändern.

„Es ist uns bewusst, dass die Parkplätze auf dem Gelände knapp sind“, erklärt Wünderlich-Dubsky zum Campus Schöfferstraße. „Daher empfehlen wir, nach Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel zurückzugreifen.“ Wer dennoch unbedingt mit dem Auto kommen wolle, solle zumindest Rettungswege, Feuerwehrzufahrten und Behindertenparkplätze freihalten. „Wer sich daran nicht hält, wird von uns verwarnt und kann auch abgeschleppt werden.“ (bad)

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