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Festival in Darmstadt: Kanada, kunterbunt

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Von: Boris Halva

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Alles drin: Illustration von Michael Baumann.
Alles drin: Illustration von Michael Baumann. © Michael Baumann

Das Festival „Illustre Gestalten“ in Darmstadt feiert an zwei Wochenenden im Juni die Kunst des Zeichnens. Die Besucher:innen können dabei auch dem Entstehen der Kunstwerke beiwohnen.

Wie jetzt? Bären und Adler, Berge und Seen? Klischee-Alarm! Oder gibt es zu Kanada tatsächlich nicht mehr zu zeichnen als Bären und Adler, Berge und Seen? „Natürlich ist Kanada mehr als das“, sagt Illustrator Claas Janssen, „aber die Idee ist ja, dass aus den Illustrationen zu unserem diesjährigen Gastland eine ausgewählt wird, die dann als Plakat für die Schau genommen wird. Und wenn etwas als Plakat funktionieren soll, wird’s eben auch schon mal plakativ.“ Zumal die zwei Dutzend Frauen und Männer, die sich zum Verein „Illustratoren Darmstadt e. V.“ zusammengeschlossen haben und nunmehr zum 14. Mal die „Illustren Gestalten“ veranstalten, wirklich nicht im Ruch stehen, unkreativ zu sein.

Wenn sich das Kollektiv mit seinen Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert, dann stets mit großer Freude an der Begegnung mit dem Publikum und vielseitigem Begleitprogramm. So auch an den ersten beiden Juni-Wochenenden, also: 4. und 5. Juni sowie 11. und 12. Juni. Aber anders als in den Jahren davor tummeln sich die Illustren Gestalten erstmals nicht in der Centralstation am Luisenplatz, sondern im Literaturhaus an der Kasinostraße. Was aber nicht daran liegt, dass Verein und Centralstation sich überworfen hätten, wie Janssen betont: „Nach der langen Corona-Pause holt die Centralstation aktuell viele Termine nach, und wir selbst haben die Illustren Gestalten zwischendurch auch noch mal verschoben, da hat das mit dem Termin einfach nicht mehr gepasst. Aber nächstes Jahr sind wir wieder dort.“

Illustres an zwei Wochenenden

Die „Illustren Gestalten“ präsentieren sich in diesem Jahr an zwei Wochenenden, und zwar am 4. und 5. Juni sowie am 11. und 12. Juni. Ausnahmsweise wird die Schau dieses Mal in der Galerie im Literaturhaus Darmstadt, Kasinostraße 3, ausgerichtet. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten sind am Samstag, 4. Juni, von 12 bis 20 Uhr, und an den übrigen Tagen von 11 bis 18 Uhr.

Die Vernissage ist am Samstag, 4. Juni, um 14 Uhr . Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) lässt es sich auch 2022 nicht nehmen, die bunte Schau zu eröffnen. Um 15 Uhr geht es los mit der Druckwerkstatt für große und kleine Illu-Fans.

Am Sonntag, 5. Juni, beginnt um 15 Uhr der „Graphic Recording Battle“ zum Thema Kanada, das heißt: Einige der Künstler:innen werden live zu einem Text zeichnen. Um 17 Uhr besingt Käptn Neugier (alias Jens Rotzsche) seine Bilder.

Am Samstag, 11. Juni, stehen die Darmstädter Illustratorinnen und Illustratoren laut Programm von 11 bis 18 Uhr „zu ihren Werken und zu Ihrer Verfügung“.

Zum Abschluss am Sonntag, 12. Juni, wird die kanadische Illustratorin Sylvia Nickerson im Live-Interview von ihrer Arbeit erzählen. Beginn: 15 Uhr.

Die Ausstellung kann auch virtuell besucht werden, der Link lautet: https://hubs.mozilla.com/B3fb6gP

Kontakt zu den Illustratorinnen und Illustratoren ist auch möglich über

www.illustratoren-darmstadt.de, das ist die Homepage des Vereins. boh

Andererseits: Zum Literaturhaus haben die Darmstädter Illustrator:innen auch einen Bezug, da der Verein inzwischen dort ein Büro betreibt. „Und es hat ja auch einen gewissen Reiz, das alles mal eine Nummer kleiner zu fahren“, sagt Janssen. Auch wenn die Räume kleiner sind und das Programm ein bisschen abgespeckt: Die meisten der zwei Dutzend Illustrator:innen aus Darmstadt und Umgebung sind die meiste Zeit vor Ort und beantworten Fragen zu ihrer Arbeit und ihren Werken. Es wird wie immer allerhand Gemaltes und Gestaltetes verlost und verkauft, und auch die Illubox wird wieder aufgestellt: Da sitzt dann jemand drin und zeichnet auf Wunsch.

Einzige Streichung im 2022er Programm: die „Illustratoren-Band“, sonst ein Highlight der illustren Schau, tritt nicht auf; „dazu ist es einfach zu eng“, sagt Janssen. Dafür dürften sich Comicfans auf ein Highlight zum Abschluss der diesjährigen Illustren Gestalten freuen: ein Live-Interview mit der kanadischen Illustratorin Sylvia Nickerson am Sonntagnachmittag. „Sie wird berichten über die Situation von Illustratorinnen und Illustratoren in Kanada, aber auch von ihrem Beruf als Comiczeichnerin, was ja noch mal spezieller ist.“

Eigentlich wollten drei Kolleg:innen aus Kanada anreisen, erzählt Janssen, aber nachdem die Illustren Gestalten im Frühjahr noch einmal verschoben werden mussten, war Sylvia Nickerson die Einzige, die zum neuen Termin Zeit hatte. Aber die Comickünstlerin ist nicht die einzige aus Kanada, die im Literaturhaus ausstellt – insgesamt präsentieren sich 14 kanadische Illustrationskünstlerinnen und -künstler in Darmstadt. Nicht alle haben zum Schwerpunktthema Kanada gearbeitet, sagt Janssen, „aber es macht ja sowieso immer Spaß zu sehen, wie unterschiedlich die Stile sind und wie eigenwillig manche Themen angegangen werden“.

Also wäre eigentlich nur noch die Frage zu beantworten, was denn bitte diese „Graphic Recording Battle“ sein soll, von der im Programm die Rede ist? Das Prinzip, sagt Janssen, ist immer ähnlich: Fünf bis sechs Illustrator:innen stehen vor einer Wand und zeichnen live zu einem Thema. „Es steht aber noch nicht fest, ob sie dann – wie beim letzten Mal – zu einem Text zeichnen, der vorgelesen wird und das Thema ganz konkret behandelt, oder ob wir das Thema Kanada nicht doch ein bisschen weiter fassen.“ Aber: Ob konkret oder frei drauflos gemalt: Beim „Graphic Recording“ kann man zuschauen, wie ein Kunstwerk entsteht. Und sich daran erfreuen, dass auf der Welt nicht nur schwarz-weiß gemalt wird, sondern dass es mancherorts ganz schön bunt zugehen kann.

Oder besser: Häh? Irritierter Elch von Moritz Stübig.
Oder besser: Häh? Irritierter Elch von Moritz Stübig. © Moritz Stübig
Wie man es dreht und wendet: Bären von Helga Jordan.
Wie man es dreht und wendet: Bären von Helga Jordan. © Helga Jordan
Totem 2022: Volkmar Hoppe hat auch Darmstädter Motive wie den Hochzeitsturm eingearbeitet.
Totem 2022: Volkmar Hoppe hat auch Darmstädter Motive wie den Hochzeitsturm eingearbeitet. © Volkmar Hoppe
Klingt so die Weite? Illustration von Mima Bröllos.
Klingt so die Weite? Illustration von Mima Bröllos. © Mima Broellos

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