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Fertigung mit weniger Energie

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Blick von oben in die ETA-Fabrik an der TU Darmstadt auf der Lichtwiese.
Blick von oben in die ETA-Fabrik an der TU Darmstadt auf der Lichtwiese. © Guido Schiek

An der Technischen Universität haben Maschinenbauer, Bauingenieure und Architekten eine energieeffiziente Modellfabrik entwickelt. Die ETA-Fabrik auf dem Campus Lichtwiese soll Energie optimal nutzen –von den Maschinen über die Haustechnik bis zur Gebäudehülle.

An der TU haben Maschinenbauer, Bauingenieure und Architekten eine energieeffiziente Modellfabrik entwickelt. Die ETA-Fabrik auf dem Campus Lichtwiese ist darauf ausgerichtet, von Maschinen über Haustechnik bis Gebäudehülle Energie optimal zu nutzen.

„Visionen ohne Aktionen bleiben Halluzinationen“, sagt Eberhard Abele. Der Leiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen freute sich gestern, die Forschungseinrichtung „ETA-Fabrik“ einzuweihen. „Eta steht als griechischer Buchstabe in der Technik für den Wirkungsgrad“, erklärte der Professor die doppelte Bedeutung der Abkürzung, die hier für „Energieeffizienz-, Technologie- und Anwendungszentrum“ gebraucht wird.

Mit der ETA-Fabrik soll erforscht werden, wie industrielle Fertigung weniger Energie benötigt. Dabei werden erstmals Maschinen, technische Infrastruktur und das Gebäude selbst miteinbezogen. Energieeffizienz bei Industrieanlagen sei schwierig, sagte Eberhard Abele. Jede Anlage sei einzigartig; es gebe keine Lösungen wie zum Beispiel für Reihenhäuser.

Die ETA-Fabrik sei ein „Großforschungsgerät“, betonte Professor Abele, aber das Gerät stehe nicht im Neubau an der Eugen-Kogon-Straße auf dem Campus Lichtwiese, vielmehr sei das Gebäude mit seiner Haustechnik Teil der Forschungsanlage.

Wasserführende Matten für ausgewogenes Raumklima

So sind die Nord- und die Südseite des Baus Ganzglasfassaden. Lichtlenkende Lamellen in den Scheibenzwischenräumen der Südfassade schützen vor direkter Sonneneinstrahlung und leiten das Licht ins Gebäude. Die Fassaden sind mit wasserführenden Kapillarmatten durchzogen, womit das Gebäude je nach Jahreszeit geheizt oder gekühlt werden kann. „Werkzeugmaschinen und Reinigungsanlagen sind normalerweise getrennt“, beschrieb Abele ein weiteres Beispiel dafür, wie Abwärme für andere Prozesse zum Aufwärmen genutzt werden kann. „In der ETA-Fabrik sind sie über eine Wärmepumpe verknüpft.“

TU-Präsident Hans Jürgen Prömel schaute auf die 37 Industriepartner bei dem Projekt, unter anderem Daimler, Siemens oder Viessmann. Die enge Kooperation „befruchtet auch den Wissenstransfer“. Die ETA-Planungen begannen 2010. 2015 bewilligte das Bundeswirtschaftsministerium das 15-Millionen-Euro-Projekt. Acht Millionen kamen vom Bund, vier Millionen von Industriepartnern, rund zwei Millionen von der TU und 1,2 Millionen Euro vom Land Hessen.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sieht in der ETA-Fabrik eine „vorbildhaft zusammengeführte Beziehung zwischen Forschung und Anwendung. „Die Frage, wie wir effizient produzieren, ist sicher eine der künftigen Schlüsselfragen.“ Rolf Najork, Vorstandsvorsitzender des Industriepartners Bosch Rexroth AG erklärte, wenn es gelinge die ETA-Fabrik mit der Industrie 4.0 (Internet der Dinge) zu verknüpfen, bringe das eindeutig Wettbewerbsvorteile.

Brigitte Zypries (SPD) begrüßte als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie die Anlage. Sie beglückwünschte die Projektpartner, die ETA-Fabrik in nur fünf Jahren geplant und gebaut zu haben. „Da kann man sich, wenn man aus Berlin kommt, nur freuen“, betonte die Politikerin mit einem verstecken Seitenhieb auf den 2006 begonnenen Flughafenbau Berlin-Brandenburg (BER). (mawi)

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