1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Feindbild Polizei

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Mann kommt mit seinem Hund zum Ort des Geschehens.
Ein Mann kommt mit seinem Hund zum Ort des Geschehens. © Boris Roessler/dpa

120 Menschen haben am Sonntag erneut gegen die Erschießung von zwei Terriern durch die Polizei demonstriert. 895 Demonstranten hatten sich über Facebook angemeldet.

Jenny McDevin trägt neuerdings ein Tattoo, direkt über dem Herzen. „Kimbo und Tays“ steht da und das Datum 23. September 2014. Es sind die Namen der beiden American Staffordshire Terrier die Polizisten an diesem Tag erschossen haben, weil die Tiere frei in der Rüsselsheimer Innenstadt herumliefen, auf Passanten losgingen und sie bissen.

Das ist die Darstellung der Polizei. Die Darstellung der rund 120 Menschen, die sich am Sonntag in der Nähe des Polizeipräsidiums versammeln (über Facebook angemeldet hatten sich 895) geht so: Die Hunde seien friedlich gewesen und leichtfertig erschossen worden. Auf einem Video von dem Vorfall können man sehen, dass „die Hunde kein Angriffs-, sondern ein Spielverhalten“ an den Tag gelegt hätten, sagt McDevin, eine Organisatorin des Protestes.

„Ich kannte die Hunde von klein auf“, sagt sie. „Die wussten gar nicht, wie beißen geht.“ Und die beiden Männer, die nach Darstellung von Polizei und Zeugen gebissen wurden, einer musste sogar ins Krankenhaus? „Bringen Sie mir den Mann her“, antwortet McDevin. Will heißen: Es gibt ihn gar nicht.

Die Hunde sind die Guten

Die Hunde sind für die Versammelten die eindeutig Guten. Ein ums andere Mal finden sie Beispiele dafür. Ein Mann, der sich als Hundetrainer vorstellt, erklärt, gerade American Staffordshire Terrier seien als Rettungshunde gezüchtet worden. Kimbo und Tays hätten in der Shisha-Bar, aus der sie entwischten, gelernt, fremde Menschen zu akzeptieren, deshalb hätten sie gar nicht aggressiv sein können.

Die Hunde sollten die Shisha-Bar bewachen; die Besitzer wollten den Laden aufgeben, hatten die Alarmanlage schon abgebaut, aber noch einige wertvolle Gegenstände in den Räumen. Nach ihren Angaben wurde in der fraglichen Nacht in der Bar eingebrochen. Warum die Hunde die Einbrecher nicht bissen? Weil, sagt der Hundetrainer, „die Hunde faktisch nicht bissig waren“.

Die Polizei ist, wie schon bei einer ersten Kundgebung, das Feindbild. Die Beamten hätten die friedlichen Tiere „hingerichtet“. Sie müssten vom Dienst suspendiert werden.

Es gibt auch ein zweites Feindbild: der fraktionslose Stadtverordnete Achim Weidner. Er hat eine Facebook-Kampagne „Solidarität mit der Polizei in Rüsselsheim“ gegründet. Er findet: „Das war ein Polizeieinsatz, der tragisch ausgegangen ist.“ Die Kritik an der Polizei verliere allerdings jedes Maß.

Die Kritik an Weidner auch. Er steht am Rande der Kundgebung und wird von vielen Rednern nicht nur angesprochen, sondern bedroht. „Die wird auch noch das Lachen vergehen“, ruft David Weidner zu. David war Besitzer von Kimbo und legt keinen Wert darauf, seinen Nachnamen zu nennen.

Verschwörungstheorien gibt es auch: Man habe inzwischen „Interna herausbekommen“, sagt McDevin. Worüber? „Keine Details.“ Gegen Ende der Veranstaltung erklingt ein Rap, eigens für Kimbo und Tays getextet. „Wir haben ein Problem in unserem System“, heißt es darin. Und: „Kimbo und Tays, sie wollten Euch nicht. So schließt sich der Kreis.“ (ers)

Auch interessant

Kommentare