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Die Fehler der anderen

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Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen: Voraussichtlich 13 Millionen Euro beträgt das Krankenhaus-Defizit in diesem Jahr.
Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen: Voraussichtlich 13 Millionen Euro beträgt das Krankenhaus-Defizit in diesem Jahr. © Claus Völker

Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen: Voraussichtlich 13 Millionen Euro beträgt das Krankenhaus-Defizit in diesem Jahr. Für das hohe Minus macht der Chef des Darmstädter Klinikums die Stadt verantwortlich.

Acht Millionen Euro Defizit 2010, voraussichtlich 13 Millionen in diesem Jahr: Diese Zahlen des Klinikums haben die Kommunalpolitik aufgeschreckt, waren doch die Verluste in den Vorjahren (2009: zwei Millionen Euro) wesentlich geringer.

Dennoch machen sie Geschäftsführer Gerhard Becker weniger Sorgen als etliche Altlasten, die nach seiner Darstellung auf das Ergebnis des Klinikums durchschlagen, das seit 1. Januar 2010 kein Eigenbetrieb mehr ist, sondern eine GmbH. Dazu zählte er gestern Mehrkosten beim Neubau der Medizinischen Kliniken und dem Zentral-OP, den Neuaufbau der Informationstechnik und die Behebung eines Instandhaltungsstaus.

„Diese Fehler der Vergangenheit können nicht aus dem operativen Geschäft finanziert werden.“ Adressat dieser Aussage ist die Stadt als Träger. Sie habe anders als etwa Wiesbaden, Offenbach, Frankfurt oder Hanau in den vergangenen Jahren außer dem Verlustausgleich kein zusätzliches Geld ins Klinikum gesteckt. Den Betrag, der in den nächsten Jahren nötig sei, bezifferte Becker auf „weit jenseits von 20 Millionen Euro“.Für die Defizite im operativen Geschäft macht Becker vor allem Änderungen bei der Krankenhausfinanzierung verantwortlich. Wurden früher Pflegetage vergütet (abhängig von der Verweildauer der Patienten), werden jetzt Fallpauschalen erstattet. Die Umstellungsphase aufs neue System endete 2009 und wurde laut Becker vom Klinikum nicht genutzt.

Das Budget sei 2010 nur um 1,1 Prozent (für 2011 sind 0,9 vorgegeben) gestiegen. „Das liegt unterhalb der Teuerungsrate, aber unsere Ausgaben für Energie und Personal steigen“, so Becker. Leistungen über das Budget hinaus würden nur zu 70 Prozent vergütet. Dies sei aber der einzige Weg, Erlöse zu steigern. Die Zahl vollstationärer Patienten sei 2010 im Vergleich zu 2009 um rund 2000 gestiegen, die durchschnittliche Verweildauer von 6,3 auf 6,0 Tage gesunken. Generell würden die teuren Strukturen eines Krankenhauses der Maximalversorgung wie dem Klinikum von der neuen Krankenhausfinanzierung nicht mehr getragen, kritisierte der Klinikchef.

Den schwindenden Einnahmen stehen höhere Ausgaben gegenüber. So schlagen allein im laufenden Jahr Mehrkosten von 8,5 Millionen Euro für die Neubauten zu Buche. Becker: „Dafür ist das Vermögen des Klinikums draufgegangen.“ Die Rücklagen hätten sich von 30 auf fünf Millionen Euro (Stand Ende 2009) reduziert – „bei einem jährlichen Umsatz von 170 Millionen Euro“.

Der Geschäftsführer macht für die Kostensteigerungen „zuviel Laissez-faire“ verantwortlich: „Die Baustelle wurde schlecht gemanagt. Eine aktive Steuerung und Controlling haben gefehlt.“ Auch darüber hinaus gebe es Versäumnisse im Haus. So sei der Zustand der Soft- und Hardware sei kritisch. Den Neuaufbau nahezu aller IT-Systeme veranschlagte Becker auf sieben bis zehn Millionen bis 2013. Fatal habe sich auch das Zurückfahren der Investitionen in früheren Jahren ausgewirkt: „Das war zwar gut fürs Ergebnis, doch jetzt haben wir einen Instandhaltungsstau.“ Er bezifferte ihn auf sieben Millionen Euro im laufenden Jahr.

Trotz der negativen Zahlen zeigte sich Becker optimistisch, ab etwa 2015 durch eine Ausweitung der medizinischen Leistungen und Kosteneinsparungen im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreiben zu können. Diese Annahme liege auch dem Businessplan zum geplanten Zentralen Neubau zugrunde. Hier sollen auch alle heute noch in Eberstadt untergebrachten Abteilungen Platz finden. Von den Kosten von 140 Millionen Euro trägt das Land die Hälfte; 70?000 Euro muss das Klinikum zahlen. Beckers Einschätzung: „2013 kommt das Geld, dann beginnt der Bau.“ (ryp)

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