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Von 108 Mietparteien sollen 56 von Schimmel betroffen sein.

Eberstadt-Süd

Streit um Schimmel in Häusern

Die Mieter in Eberstadt-Süd sind empört. Mehr als die Hälfte von 100 Bewohnern sollen Schimmel an den Wänden haben. Die FDP stellt sich auf die Seite der Mieter und greift den Bauverein an.

Von Frank Schuster

Erika Reitz ist sauer. Sie regt sich über den Schimmel in vielen Wohnungen im Hochhaus Kirnberger Straße 13 auf. In der Wohnanlage in Eberstadt-Süd wohnen 108 Mietparteien. "Vor zehn Jahren haben wir eine Unterschriftenliste gemacht: 56 von 108 hatten Schimmel an den Wänden. Seitdem wurde nichts getan", sagt die 69-Jährige, die seit 37 Jahren in dem Hochhaus lebt. "Der Bauverein lässt einfach weiß drüber streichen, und wenn der Herbst kommt, ist der Schimmel wieder da."

Der Bauverein - das ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft, die die Wohnungen vermietet. Überhaupt unternehme dieser wenig, die vor Jahrzehnten gebauten Wohnblöcke in Schuss zu halten, so Reitz. Im Nachbar-Hochhaus Kirnberger Straße 11 sei unlängst ein Teil von einem Balkon abgebröckelt. Reitz ist Haussprecherin und wirkt in der Stadtviertelrunde Soziale Stadt - zusammen mit dem FDP-Ortsvereinvorsitzenden Andreas May, der sich der Sache angenommen hat.

"Der Bauverein muss seinen Instandhaltungsverpflichtungen endlich nachkommen", fordert er. "Die Wohnungen weisen erheblichen Schimmelbefall auf." Schon beim Betreten schlage dem Besucher starker Sporengeruch entgegen. "Es besteht ernsthafter Zweifel daran, dass die Nutzung als Wohnraum in diesem Zustand zulässig ist." Das sei besonders skandalös, da dort auch Familien mit Kindern wohnten.

Nach Angaben von Mietern seien bereits mehrere Wohnungen behördlich als unbewohnbar eingestuft und gesperrt worden. Dennoch habe der Bauverein nicht gehandelt. Die Schuld liege nicht beim Mieter. Vernachlässigung und schlechtes Lüften sind nach Meinung Mays auszuschließen. Als möglicher Auslöser kämen Feuchtigkeitseinbrüche an undichten Fenstern und an Wänden in Betracht.

May kritisiert den Zustand von Treppenhäusern, Balkonen und Gemeinschaftsanlagen. Diese seien seit Jahrzehnten nicht mehr gründlich renoviert worden. Einige Balkone seien nach Angaben von Bewohnern schon gesperrt. Viele Mieter beklagten sich zudem über abweisendes Verhalten des Bauvereins. Kritik werde nicht ernst genommen, Beschwerden würden häufig ignoriert.

Der Bauverein weist die Vorwürfe zurück. In den Häusern seien weder Wohnungen behördlich als unbewohnbar eingestuft noch Balkone gesperrt worden, teilt der Vorstand schriftlich mit. Probleme mit Schimmelbefall seien lediglich in zehn Wohnungen bekannt. "Vereinzelte Streitfälle bestehen bezüglich der Ursachen der Schimmelbildung. Hier gab es bisher aber keine Feststellung, dass bauliche Mängel vorliegen und ursächlich für die Schimmelbildung wären."

Die Wohnbaugesellschaft investiere "generell drei bis vier Nettomonatsmieterträge im Durchschnitt des Wohnungsbestandes pro Jahr in Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen". In den vergangenen zehn Jahren habe der Bauverein rund 550.000 Euro in Instandhaltungsmaßnahmen der Wohnhäuser Kirnberger Straße 11 und 13 gezahlt.

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