+
Ein Mann steht am Brunnen vor der Russischen Kapelle und macht Fotos mit dem Handy.

Darmstadt

Stadt kauft Jugendstil-Sammlung

  • schließen

Die Stadt plant den Ankauf einer Jugendstilsammlung für 600 000 Euro mit bedeutenden Zeugnissen der Druckkunst.

Es ist für Darmstadt eine einmalige Chance, die man unbedingt nutzen sollte, wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Donnerstag vor dem Stadtparlament sagte. Die Rede ist vom Ankauf einer privaten Jugendstilsammlung für 600 000 Euro, den der grün-schwarz-dominierte Magistrat plant und dem die Stadtverordneten nach heißer Debatte zustimmten. „Es kommt nicht häufig vor, dass man seine Jugendstilsammlung ausbauen und qualitativ verbessern kann“, sagte Partsch.

Bei dem Konvolut handelt es sich laut Magistrat im Wesentlichen um den Nachlass von Christian Heinrich Kleukens, einem zentralen Mitglied der Künstlerkolonie Mathildenhöhe und Leiter der 1907 gegründeten Ernst- Ludwig-Presse, die er zusammen mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm führte. So finden sich nicht nur alle Bücher dieser Presse dort, sondern auch unzählige Dokumente, die für die Künstlerkolonie Darmstadt gedruckt worden sind, wie Einladungs- und Speisekarten, Musikprogramme, Urkunden und Briefe. In der Sammlung befinden sich darüber hinaus sämtliche Veröffentlichungen der nachfolgenden Pressen der Kleukens-Brüder, Erstausgaben zur Geschichte der Künstlerkolonie sowie Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken ihrer Mitglieder.

Daneben sind zahlreiche Dokumente, Pläne und Schriften zur Stadtgeschichte – alleine über 100 Urkunden vom 16. bis zum 19. Jahrhundert – sowie einzigartige Urkundenentwürfe zum Büchnerpreis von 1932, ein Nachlass zu dem heute nahezu vergessenen Darmstädter Kabarett Orpheum aus den 1920er Jahren und seltene Stadtpläne enthalten.

OB Partsch machte deutlich, dass die Stadt lediglich 200 000 tragen müsse, die sie über Überschüsse im Museumsshop erwirtschaften könne. Die restlichen Kosten seien über eine Spende von Hans-Joachim Sander von 100 000 Euro sowie Fördermittel der Hessischen Kulturstiftung gedeckt.

Zwar hatte in der Stadtverordnetenversammlung kaum einer der Redner Zweifel an der Bedeutung der Sammlung für die Stadt. Doch die Höhe des Kaufpreises und die kurzfristige Nachreichung eines externen Gutachtens sorgten für Kritik der Opposition. „Es müsste ein Wertgutachten vorliegen“, forderte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Metzger. Und Erich Bauer, Fraktionschef der Uwiga, gab zu bedenken, dass die Kosten der Konservierung der bisher nicht nach musealen Standards gelagerten Dokumente sicher den Kaufpreis weit übersteige.

Die Grünen-Fraktionschefin Hildegard Förster-Heldman zeigte sich „fassungslos“ über die Debatte. „Wir wollen Unesco-Kulturerbe werden und haben hier ein kulturelles Erbe, das zur Stadtgeschichte gehört.“ Die Mathildenhöhe sei eine Verpflichtung. Gerade in Zeiten der Digitalisierung sei es wichtig, eine Sammlung zum Druck zu erwerben.

Dass es durchaus keine Sammlung „nur für die Schublade ist“, wie die FDP mutmaßte, betonte auch die frühere hessische Kultusministerin und CDU-Stadtverordnete Karin Wolff: Darmstadt sei eines der fünf großen Zentren der Druckkunst gewesen. Die Präsentation der Sammlung in der Öffentlichkeit sei durchaus möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare