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Die Felder zwischen Bürgel und Waldheim bleiben wohl erst einmal, wie sie sind ? unbebaut.

Offenbach

Kein Stadtteil auf der grünen Wiese

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Die Offenbacher Rathauskoalition will nur noch wenige zusätzliche Baugebiete entwickeln.

Eine Podiumsdiskussion zum Thema Wohnen, kurz vor der Landtagswahl: der Moderator, FR-Autor Claus-Jürgen Göpfert, fragt, ob nicht auch Offenbach einen Stadtteil auf der grünen Wiese planen müsse – um auf das Bevölkerungswachstum und steigende Mieten zu reagieren. Annette Schroeder-Rupp, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) antwortete ironisch: Wenn man das wolle, müsse man den Stadtwald roden oder den Schultheisweiher zuschütten. In der Stadt scheint diese Erzählung Konsens zu sein: Es sei schlicht kein Platz, um mehr als die bereits festgelegten Baugebiete zu errichten.

Ein Blick auf die Landkarte spricht eine andere Sprache: Zwar ist Offenbach von Straßen und Schienen, vom Main und vom Stadtwald eingerahmt und durchzogen, doch gibt es sie auch hier noch: die Felder, über deren Bebauung in Städten wie Frankfurt gerade so hitzig diskutiert wird. Die Offenbacher Rathauskoalition will aber keine heiße Debatte. Angesprochen auf die Äcker zwischen den Stadtteilen Bürgel und Waldheim, wo mit halbwegs dichter Bebauung ein Quartier für 5000 Menschen entstehen könnte, antwortet Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP): „Es gibt niemanden, der diese Flächen bebauen will.“ Er fügt hinzu: „Das wäre politisch nicht durchsetzbar.“ In der Tat steht die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern geschlossen hinter dem Entwicklungskonzept „Masterplan 2030“. Darin ist festgelegt, dass nur noch eine Handvoll Neubaugebiete – etwa Bieber-Nord, Bürgel-Ost, das Güterbahnhofsareal und Waldhof II – entwickelt werden. „Diese Planung wird nicht über Nacht über den Haufen geworfen“, sagt Weiß.

Dass diese locker bebauten Quartiere im Zusammenspiel mit Nachverdichtung die Situation auf dem Offenbacher Wohnungsmarkt deutlich entlasten können, ist fraglich: So wird in dem vor drei Jahren erstellten Masterplan geschätzt, dass die Bevölkerung der Stadt bis 2030 auf über 125 000 ansteige – schon jetzt sind es 137 000. Darauf weist die Linke hin, deren Stadtverordneter Sven Malsy weitere Baugebiete wegen des unvorhergesehen starken Zuzugs als „dringend notwendig“ erachtet – dicht genug bebaut und mit viel gefördertem Wohnraum. Die nötigen Ausgleichsflächen könne man womöglich im Kreis anlegen, wenn man mit diesem einen „Zweckverband Wohnen“ eingehe, schlägt Malsy vor. Die Stadtverordneten haben diesen Vorschlag jüngst abgewiesen. 

Auf Nachfrage betonen die an der Koalition beteiligten Parteien Offenbachs, dass sie Wohnraum schaffen wollen – man werde sich aber auf die im Masterplan vorgezeichnete Entwicklung beschränken. Zwischen Bürgel und Waldheim könne man deshalb nicht bauen. „Hierüber herrscht Konsens in der Koalition“, heißt es bei der CDU. Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Ursula Richter, sagt: „Auch in Offenbach gibt es Grenzen des Wachstums“. Es solle lieber im Umland gebaut werden. Das findet auch die FDP: Wie Richter betont deren Fraktionsvorsitzender Oliver Stirböck, dass man den öffentlichen Nahverkehr ausbauen müsse, um das Wohnen an den Rändern des Ballungsraums attraktiver zu machen. Die oppositionelle SPD fordert indes, die Masterplan-Baugebiete auch „tatsächlich alle zu entwickeln“.

Im Regionalen Flächennutzungsplan sind die Felder zwischen Bürgel und Waldheim als „Vorranggebiet regionaler Grünzug und für besondere Klimafunktionen“ erfasst – so, wie die Flächen an der A 5, die Frankfurt bebauen will. 2023 soll ein neuer Plan in Kraft treten: Die Kommunen können bis dahin „ihre eigenen Vorstellungen einbringen“, sagt der Sprecher des Regionalverbands, Frank Tekkiliç.

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