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„Bajazzhipper“ des Musikvereins 1914 Münster sorgt für gute Laune in Dieburg. Foto: Michael Schick

Darmstadt-Dieburg

Fastnacht in Dieburg: Im Planschbecken durch die Altstadt

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Viel Andrang herrscht beim Dieburger Kinderfastnachtsumzug. 50 Gruppen aus Schulen, Kitas und Vereinen sind dabei.

Mancher hatte gezittert, ob der Umzug wegen des anrückenden Orkantiefs Victoria abgesagt wird. Wurde er nicht: Verkleidet als Köche, Zahnfeen, Kosaken, Ampeln oder Schamanen sind mehrere hundert Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern, Erziehern und Vereinen am gestrigen Sonntag durch die Dieburger Innenstadt gezogen: Bei Temperaturen von gut 18 Grad und Sonnenschein war der Kinderkarnevals-Umzug, der traditionell am Sonntag vor dem Fastnachtswochenende stattfindet, gut besucht. In diesem Jahr waren 50 Zugnummern dabei, darunter auch das Kinder-Prinzenpaar Maximilian I. und Emma I. begleitet von der blau-weiß-gekleideten Kinder- und Jugendgarde und ihren Pagen.

„Alle Schulen und Kindergärten machen mit“, sagt Andreas Enders. Er war selbst vor 22 Jahren Prinz. Gerade schaut er bei der Prinzengarde vorbei, die goldene Zugplaketten verkauft – zu Gunsten des Karnevalverein Dieburg 1838 (KVD). Er ist mit mehr als 1800 Mitgliedern nach eigenen Angaben Deutschlands größter Karnevalsverein. „Wir feiern seit 1508 die Fasnacht“, sagt Prinzenleutnant Claus Stüber sichtlich stolz. Die Zuschauerzahlen beim Kinderumzug sollen im fünfstelligen Bereich liegen.

Dieborsch Äla

Donnerstag, 20. Februar:Altweiberfastnacht ab 20 Uhr Römerhalle (In der Altstadt 5).

Samstag, 22. Februar:Traditionelles Platzkonzert der „Gnadekapell“ am Dalles (Fastnachtsbrunnen) um 11.11 Uhr; Närrisches Treiben in den Straßen und Gaststätten der Stadt ab 20.11 Uhr.

Sonntag, 23. Februar:Aufmarsch der Prinzengarde auf dem Marktplatz um 13.33 Uhr, Empfang des Prinzenpaares am Bahnhof um 14.11 Uhr, Äla-Nacht Römerhalle ab 19.33 Uhr (Tickets: tickets.karnevalverein-dieburg.de)

Montag, 24. Februar:Närrischer Empfang in der Römerhalle um 11.11 Uhr, ab 14.11 Uhr besucht das Prinzenpaar die Dieburger Lokalitäten, närrisches Treiben in den Straßen und Gaststätten bis in die Nacht

Dienstag, 25. Februar: Großer Fastnachtsumzug ab 13.33 Uhr von Steinweg bis Marktplatz. cka

Alle Termine und Infosunter https://karnevalverein-dieburg.de

„Es ist toll, weil es wenige Fahrzeuge sind und es nicht so laut ist“, sagt eine Mutter aus Mühltal. Auch die meisten Zuschauer am Straßenrand – große wie kleine – sind verkleidet: Schneemann Olaf aus Eiskönigin, Superman und Vampire, Bären, Krokodile, Hexen und Indianer. Alle sind sie gekommen, um Süßigkeiten zu erhaschen, die großzügig geworfen werden, und zu sehen, welche Ideen und Motti die verschiedenen Gruppen und Einrichtungen dieses Jahr haben. „Rettet die Bienen“, steht auf einem Bollerwagen der von kleinen Bienen und großen Sonnenblumen gezogen wird.

„Manche Kostüme sind im Vorjahr für den großen Fastnachtsumzug angefertigt worden“, verrät eine 75-jährige Dieburgerin. Bei den teilweise sehr aufwendigen Kostümen ist es kein Wunder, dass mancher sie zweimal trägt. Da gibt es etwa eine Gruppe, die sich Planschbecken um die Hüften geschnallt haben, andere haben kleine Zirkuszelte als Röcke zweckentfremdet und wieder andere tragen echtes Laub und Blumen auf den hohen Hüten oder reiten auf Kamelen – keine lebendigen versteht sich. Auch Dieburger Urgestein Nordhild ist im traditionellen urigen Fastnachtskostüm als „die Olde“ dabei: Enger schwarzer Spitzenrock und schwarze Bluse, mit Hut und hellem Sonnenschirm läuft sie jedes Jahr beim Kinderumzug mit.

Den Kinderfastnachtszug des KVD gibt es seit 1952. Seit 1957 haben die kleinen Narren auch ein eigenes Kinderprinzenpaar. Der Sinn dahinter: Man will früh den Nachwuchs fördern.

Dass die Fastnacht vielleicht nichts mehr für die jungen Leute ist, davon merkt man bei diesem Umzug nichts. Fastnachtmontag aber, wenn die traditionelle Straßenfastnacht in Dieburg stattfindet, dann seien die Gruppen nicht mehr so präsent, bedauert eine Frau, die seit ihrer Kindheit dabei ist. Aber egal: „Die Fastnacht ist immer noch schön“, sagt sie. „Die jungen Leute machen es nur anders.“ Und was hat den Kleinen am besten gefallen? „Die Süßigkeiten natürlich“, sagt die dreijährige Meerjungfrau Fredo.

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