1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Fans auf Parkplatzsuche

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Zugeparkt ist der Steinbergweg vor den Heimspielen des SV Darmstadt 98.
Zugeparkt ist der Steinbergweg vor den Heimspielen des SV Darmstadt 98. © Guido Schiek

Bei Heimspielen des SV 98 wird zum Kummer der Anwohner ums Stadion wild geparkt.

Die Stadt hat jüngst mitteilen lassen, man werde das angekündigte Anwohnerschutzkonzept bei Lilienspielen im Böllenfalltorstadion nun doch nicht umsetzen. Die Lage habe sich entspannt. Wirklich?

An der Haltestelle Schulstraße quetschen sich am Samstag ein paar Lilienfans in die volle Linie 9 – darunter Jürgen Döhrer aus Arheilgen. „Ganz früher bin ich mit dem Auto gefahren“, verrät er. Das war noch zu den Bundesligazeiten Anfang der achtziger Jahre, als er in Pfungstadt gewohnt hat. „Aber das war schon damals eine Mords-Parkerei.“

Kreuz und quer habe man gestanden, „das war schon immer eine Katastrophe“. Es ist 14.45 Uhr am Samstagnachmittag, noch eine Dreiviertelstunde bis zum Anpfiff des Spiels, Zigtausende Lilienfans strömen zum Böllenfalltorstadion. Das Wetter ist mies, es regnet Bindfäden, da pilgern diesmal weniger zu Fuß hoch. Um so mehr nutzen die Bahnen und Zusatzbusse, und das Auto ist für viele ohnehin die angenehmste Anreisevariante.

Zugeparkten Zufahrten und Straßenecken

Der Steinbergweg ist eine neuralgische Parkachse, geht er doch auf Höhe des Stadions von der Nieder-Ramstädter Straße mit vielen Seitenstraßen ab. Hier stellen jede Menge Stadionbesucher ihre Autos ab, die Anwohner können ein Lied davon singen.

Seit dem Aufstieg in die Bundesliga ist es vor allem ein Protestsong, er handelt von zugeparkten Zufahrten und Straßenecken. Dass die Stadtpolitik nun jüngst hat mitteilen lassen, man werde das angekündigte Anwohnerschutzkonzept mit gesperrten Zonen nun doch nicht umsetzen, weil sich die Situation entspannt habe, kommt hier nicht gut an.

Eine Anwohnerin blickt auf die vielen Fans, die derweil den Steinbergweg entlangpilgern. Die meisten seien vernünftig. Aber vor allem die, die kurz vor Spielbeginn kämen, stellten sich dreist überall hin. „Da geht dann teils nichts mehr.“ Am schlimmsten sei es bei Abendpartien. Da wirkt es am Samstag auch zu Beginn des Spiels zumindest entlang des Steinbergwegs noch relativ entspannt. Es fallen weder geparkte Autos an Ecken noch vor Zufahrten auf. „Ich glaube, die verteilen jetzt mehr Knöllchen“, sagt die Paulusviertlerin.

Dafür düst kurz nach Spielbeginn ein Mann mit großem Auto vorbei und stellt es vor einem Haus so ab, dass sein Heck in die Garagenzufahrt ragt. Fraglich findet er das nicht: Er komme immer mit dem Auto und sei zufrieden, ruft er und eilt Richtung Stadion.

Während des Spiels geht es vor den Stadiontoren recht entspannt zu. Entlang der Straßenbahntrasse haben Radfahrer ihre Drahtesel an die Begrenzung gekettet – hier wird in zweiter und dritter Reihe geparkt, ohne dass es stört. Etwa 15 Minuten vor dem Spielende wird die Nieder-Ramstädter Straße zeitweise für den Autoverkehr gesperrt. Laut Ordner geschieht das, damit Besucher gefahrlos zur Straßenbahn gelangen können. Doch wird so auch für Radfahrer die Nieder-Ramstädter Straße zur Radelzone.

Autofahrer müssen dafür Umwege in Kauf nehmen. Viele strömen zurück in den Steinbergweg zu ihren abgestellten Autos – darunter auch Nina mit ein paar Freunden. Die Parksituation für Stadionbesucher sei „beschissen“, klagt die junge Frau aus Seeheim-Jugenheim. Man müsse schon anderthalb Stunden vorher kommen und stünde dann doch weit weg an der Orangerie.

Warum sie dennoch den Wagen nimmt? „Weil’s mir ansonsten zu lange dauert“, sagt sie – um dann festzustellen, dass sie mit der Straßenbahn eine Stunde bräuchte, also weniger. Da schaltet sich Leon neben ihr ein: Er habe vollstes Verständnis dafür, dass die Anwohner sich an den Parkenden störten. „Aber solange es hier die Möglichkeit gibt, macht man’s halt auch.“ (aw)

Auch interessant

Kommentare