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„Fair“ im Dornröschenschlaf

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Luftbild vom GSI Helmholtzzentrum in Darmstadt: eine Groß-Baustelle.
Luftbild vom GSI Helmholtzzentrum in Darmstadt: eine Groß-Baustelle. © Nikolaus Heiss

Das Milliarden-Projekt des Teilchenbeschleunigers hat monatelang auf Eis gelegen. Nun wird weitergebaut.

Die Planungen für den neuen Teilchenbeschleuniger in Darmstadt lagen aufgrund einer Kostenexplosion monatelang auf Eis. Nun wird weitergebaut. Welche Auswirkungen das auf die Wohnraumplanung und den Nahverkehr hat, ist nicht geklärt.

Der Anstieg der Kosten um 23 Prozent auf 1,262 Milliarden Euro brachte das „Fair“-Projekt beinahe zum Scheitern. Die internationalen Projektpartner signalisierten daraufhin, dass sie einen Teil der Mehrkosten übernehmen – und auch bereit sind, eine Verzögerung in Kauf zu nehmen: Der neue Beschleuniger soll stufenweise bis 2025 fertiggestellt werden. Ursprünglich war 2018 anvisiert.

„Jetzt geht es erst mal darum, die Anlage im Detail auszuarbeiten“, sagt Klaus-Dieter Groß, wissenschaftlicher Geschäftsführer des GSI-Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung. Solange sich alles ums Geld drehte, lag das Projekt in einer Art Dornröschenschlaf. „Wir mussten das Ergebnis abwarten.“

Drei Bauanträge lägen der Stadt bereits vor, darunter der Antrag für den 1,1 Kilometer langen Tunnel, mit dessen Bau in etwa einem Jahr begonnen werden soll. Derzeit wird bei der GSI auch ein Campus-Masterplan erstellt, bei dem es darum geht, wie das Projekt am besten logistisch gestemmt wird und wie man die Flächen auf dem Gelände optimal nutzen kann.

Wohnraum und Infrastruktur im Fokus

Es sind einige Fragen, die zu „Fair“ noch offen sind. So rechnet die GSI zwar mit 3000 Wissenschaftlern aus aller Welt, die mit dem neuen Beschleuniger arbeiten werden. Aber wie lange sich die Forscher im Schnitt in Darmstadt aufhalten werden, ist noch unklar. „Wir können derzeit auch noch nicht genau sagen, wann die Prinzenschneise im Wald wieder frei zugänglich ist“, bedauert Pressesprecher Ingo Peter. Das werden die Menschen in Arheilgen und Wixhausen wohl nicht so gerne vernehmen. Als im Wald vor über zwei Jahren rund um die GSI Bäume gefällt wurden, um Platz für den Forschungsbau zu schaffen – insgesamt müssen knapp 21 Hektar Wald dem Teilchenbeschleuniger weichen – war das für die meisten ein einschneidendes Erlebnis.

„Für Wixhausen zählt der Wald rund um die GSI zum Naherholungs- und Ausflugsgebiet“, sagt Moritz Röder (SPD), Ortsvorsteher von Wixhausen, zu diesem Einschnitt. Trotzdem sei das „Fair“-Projekt positiv aufgenommen worden. Schließlich arbeiten viele Einwohner bei der GSI. „Das ist alles eng verzahnt.“ Er hat das Gefühl, dass viele Wixhäuser regelrecht stolz auf die Physiker sind. „Im Stadtteil verbinden sich alt und neu, Fortschritt und Vergangenheit: Die GSI erzeugt neue Elemente, und mit dem Kirchturm haben wir das nachweislich älteste Gebäude von Darmstadt – eine schöne Kombination“, so Röder.

Jochen Krehbiehl, Leiter des Stadtplanungsamts in Darmstadt, geht davon aus, dass nicht alle Wissenschaftler, die am neuen Beschleuniger arbeiten wollen, eine dauerhafte Bleibe suchen, sondern auch in Gästehäusern einquartiert werden könnten. „Es haben noch keine konkreten Gespräche mit der GSI stattgefunden, was das Thema Wohnen angeht“, sagt er auf Nachfrage. Falls Wissenschaftler mit ihren Familien in GSI-Nähe ziehen wollen, gibt es ein Problem: Wixhausen liegt aufgrund der Nähe zum Flughafen in einer Siedlungsbeschränkungszone. Neue Baugebiete können nicht ausgewiesen werden.

„Wir können nicht in der Fläche wachsen, sondern wir müssen die besiedelte Fläche intelligenter nutzen“, erklärt der Stadtplaner. Dies sei allerdings eine Aufgabe, der sich generell ganz Darmstadt stellen müsse.

Ebenfalls auf dem Schirm habe die Stadt die Erweiterung des Öffentlichen Nahverkehrs. „Aber auch da ist noch nichts beschlossen“, sagt Krehbiehl. Aber wenn „Fair“ in Betrieb gehe, könnte eine neue Busanbindung sinnvoll sein, damit so viele Mitarbeiter wie möglich ihr Auto zu Hause stehen lassen.

„Fair“, so Krehbiehl, sei ein beispielhaftes Projekt für die Dynamik in Darmstadt, auf die man planerisch reagieren müsse, da in den kommenden Jahren generell die Zahl der Arbeitsplätze und auch die Zahl der Bewohner zunehmen werde. „Wir haben die Aufgabe erkannt – und müssen uns nun auf den Weg machen, sie zu lösen.“ (hin)

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