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359 Euro im Monat

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Gudrun Schneider vom Caritasverband Darmstadt berät Menschen, die mit dem Arbeitslosengeld II nicht auskommen

Warum ist am Ende des Geldes immer noch so viel Monat übrig? stöhnen viele Bezieher von Hartz IV. Wer nur 359 Euro im Monat zur Verfügung hat, muss sein Geld gut einteilen können.

Manche schaffen das aber nicht. Ihr Schuldenberg wächst. An allen Ecken und Enden fehlt das Geld: für die Renovierung oder für die Klassenfahrt der Tochter.

Sozialarbeiterin Gudrun Schneider, Dienststellenleiterin der Allgemeinen Lebensberatung beim Caritasverband Darmstadt, kennt die vielen Gesichter der Armut und hat sie im jüngsten Jahresbericht der kirchlichen Organisation skizziert. Zahlen werden darin nicht erwähnt, vielmehr sollen Fallbeispiele eine Ahnung von den finanziellen und seelischen Belastungen der Hartz IV-Empfänger geben.

Für jedes Problem eine Lösung

Im Beratungsgespräch versucht Schneider, Vorschläge zu machen, mit denen ihre Besucher konkret etwas anfangen können. Haushaltsbuch führen? Das wäre in vielen Fälle das Beste, aber dafür sind manche zu undiszipliniert. Ausrechnen, wie viel Geld pro Tag zur Verfügung steht, also 11,58 Euro beziehungsweise 11,96 Euro – das war tatsächlich ein wertvoller Rat für eine Frau, die Probleme mit dem Einteilen hatte. Andere finden den Vorschlag gut, für die Ausgabenübersicht ein PC-Programm zu benutzen.

Für jedes Problem versucht Schneider eine Lösung zu finden. Für überforderte oder verzweifelte Menschen muss sie Schreiben aufsetzen, sie zu Behörden begleiten oder sie an die – überlastete – Schuldnerberatung abgeben. Viele ihrer Besucher im Caritashaus sind ausländischer Herkunft. Manche schickt sie gleich weiter zum Migrationsdienst im selben Haus, der für Integrationskurse und Sprachkurse zuständig ist.

Die meisten ihrer Besucher seien zu sehr auf ihre Geldsorgen fixiert, um Auswege zu erkennen. Schneider will „ihren Blick weiten“, damit sie Alternativen finden können. „Früher hatten die Leute nur ein Problem, heute kommen sie mit einem ganzen Bündel von Problemen hierher“, sagt die Sozialarbeiterin.

Zum Beispiel die Mietkosten. Wer auf ergänzende Leistungen angewiesen ist, hat ein halbes Jahr Zeit, um sich eine günstigere Wohnung zu suchen, die aber kaum zu finden ist. Die Miete für moderne Sozialwohnungen liegt über dem erlaubten Level, das findet Gudrun Schneider absurd.

Armut schränke den Lebensraum in vielerlei Hinsicht ein, meint Schneider. Und es wird wegen des Sparpakets der Regierung noch schlimmer werden. Wer Arbeitslosengeld II bezieht, erhält in Zukunft kein Elterngeld mehr. Auch beim Renten- und Heizkostenzuschuss wird gespart. Schneider wird also nicht arbeitslos werden. ( pyp)

Das Caritas-Haus, Heinrichstraße 32 A, ist unter der Telefonnummer 06151 / 99 91 10 zu erreichen.

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