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ESOC-Besucherzentrum in Darmstadt kommt teuer

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Von: Annette Schlegl

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Im September 2017 feierte das ESOC in Darmstadt sein 50-jähriges Bestehen.
Im September 2017 feierte das ESOC in Darmstadt sein 50-jähriges Bestehen. © Monika Müller

Der Bau eines Besucherzentrums am Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt soll laut nichtöffentlicher Machbarkeitsstudie Millionen kosten.

Warum gibt es in Darmstadt immer noch kein Besucherzentrum für das European Space Operation Centre (ESOC), das Europäische Raumflugkontrollzentrum, das die Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) steuert und Weltraumschrott überwacht? Das fragt sich der Darmstädter SPD-Landtagsabgeordnete Bijan Kaffenberger. Seit 2011 gebe es den Entwurf eines Architekturbüros und seit dem Vorjahr auch eine vom Land geförderte Machbarkeitsstudie, schreibt er in einer Mitteilung. Deren Ergebnis liege aber bis heute nicht vor. Die hessische Landesregierung dementiert: Ein Ergebnis gebe es sehr wohl – allerdings liege es bisher nur nichtöffentlich vor.

Kaffenberger fordert mehr Unterstützung für Bau des ESOC-Besucherzentrums

Kaffenberger hält das Besucherzentrum für das ESOC für notwendig, „um mehr Sichtbarkeit für den Raumfahrtstandort Hessen zu schaffen“. Schließlich sei das ESOC in Darmstadt eines der Leuchtturmprojekte europäischer Raumfahrt. Um mehr Menschen über „Europas Tor zum Weltraum“ informieren und das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern stärker fördern zu können, brauche das ESOC ein Besucher- und Kongresszentrum. Der Landtagsabgeordnete fordert eine konsequentere Unterstützung der Landesregierung für den Bau des Zentrums. Zur Sicherung des Raumfahrtstandorts Darmstadt schlägt er außerdem einen neuen Masterstudiengang „Aerospace-Engineering“ an der TU Darmstadt vor.

Das Land hatte eine Zuwendung bewilligt, mit deren Hilfe das ESOC eine Machbarkeitsstudie ausschrieb. Ein internes Ergebnis der Studie liege schon vor, heißt es seitens der hessischen Landesregierung. Das Ergebnis ist allerdings frustrierend: Das Investitionsvolumen für den Bau des Besucherzentrums im ESA-Satellitenkontrollzentrum ist so groß, dass das Land die Summe nie alleine schultern kann.

ESOC-Besucherzentrum in Darmstadt wird laut Studie mehrere Millionen Euro kosten

Die Machbarkeitsstudie habe zwar eine kleine und eine große Lösung vorgeschlagen, aber „wir sprechen trotzdem über einen zweistelligen Millionenbetrag“, hieß es in der Antwort der hessischen Landesregierung. Allein diese Summe zeige, dass das Land das Besucherzentrum nicht alleine angehen könne.

Beim Tag der offenen Tür konnten die Räume betreten werden.
Beim Tag der offenen Tür konnten die Räume betreten werden. © Monika Müller

Angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise in Deutschland könne man die Steuerzahler:innen nicht guten Gewissens dafür begeistern. „Wir haben im Moment andere Sorgen“, verlautbarte das Land. „Wir müssen dem Bürger und der Bürgerin erklären, warum Firmen zumachen, und können nicht gleichzeitig Millionen in ein Besucher- und Kongresszentrum stecken.“ Ein solches Zentrum sei zwar „eine schöne Geschichte“, aber es sei „die Kür und nicht die Pflicht“.

Öffentlich-private Partnerschaft als Lösung für Realisierung des ESOC-Besucherzentrums?

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie sei nicht veröffentlicht worden, weil man „ganz vorsichtige Gespräche“ führen wolle, so die Landesregierung. Es gelte, mit dem Bund über die Finanzierung zu sprechen. Möglicherweise sei auch ein Konsortium von vielen Trägern eine Lösung – also eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft.

Mit Sorge blickt die Landesregierung nach Prag. Dort hat sich im Mai 2021 die Euspa, die Raumfahrtagentur der Europäischen Union, gegründet. Dies dürfe nicht dazu führen, dass Aufgaben verlagert werden, die bisher von der ESOC erledigt wurden, heißt es in einem Papier zur hessischen Raumfahrttechnologie. Ende des Jahres will die ESA über die Notwendigkeit weiterer Bauten für den Betrieb des ESOC in Darmstadt entscheiden. Darüber bestimmen dann aber alle europäischen Mitgliedsstaaten. „Wir warten deren Beschlüsse ab“, so die Landesregierung.

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