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Erziehermangel: „In den Kitas ist eine Abwärtsspirale entstanden“

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Von: Claudia Kabel

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Dagmar Giebenhain, Schulleiterin der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift in Darmstadt.
Dagmar Giebenhain, Schulleiterin der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift in Darmstadt. © Pädagogische Akademie Elisabeth

Die Leiterin der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift, Dagmar Giebenhain, sieht vor allem Arbeitsbelastung und schlechtes Image als Ursache des Fachkräftemangels.

Frau Giebenhain, wie hoch ist die Nachfrage nach der Erzieherausbildung bei Ihnen?

Die Nachfrage war ungewöhnlich lange eher geringer. Erst in den letzten beiden Monaten ist sie fast auf das übliche Niveau gestiegen. In der Ausbildung sind aktuell 417 Studierende. Generell haben die hessischen Fachschulen seit Jahren die Anzahl der Ausbildungsplätze angehoben und es verlassen viele ausgebildete Fachkräfte das System.

Sind bei Ihnen in der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift noch Plätze frei?

Nein, aktuell gibt es keine freien Plätze in der Erzieher:innen-Ausbildung.

Was hat sich im Vergleich zu den Vorjahren verändert?

Die Nachfrage im Bereich der Vollzeit-Ausbildung ist gestiegen. Für die praxisintegrierte vergütete Ausbildung gab es deutlich weniger Anfragen. In der berufsbegleitenden Teilzeit-Ausbildung ist die Nachfrage konstant geblieben.

Zur Person

Dagmar Giebenhain leitet seit 2012 die Pädagogische Akademie Elisabethenstift in Darmstadt. Zuvor war sie unter anderem in der Sozialen Arbeit tätig, als Lehrerin und Beraterin an Schulen. cka

Was müsste sich an der Ausbildung ändern, damit mehr Menschen den Beruf ergreifen?

Die Ausbildung ist sehr gut und fundiert. Die angehenden Fachkräfte erlangen Wissen und Kompetenzen, um Kinder und Jugendliche gut betreuen und begleiten zu können. Sie lernen praxisbezogen und eignen sich viele verschiedene Inhalte an. Auch die Ausbildungszeit von drei Jahren ist angemessen und endet mit einem Bachelor professional. Ändern müsste sich das gesellschaftliche Image, denn die Erzieher:innen sind eine wichtige Säule in unserer Gesellschaft.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit sehr gut. Wie schätzen Sie die Arbeitsbedingungen für Erzieher:innen ein?

In den letzten Jahren ist das Gehalt der Erzieher:innen deutlich gestiegen. Wenn man mehr Menschen in den Beruf bekommen möchte, braucht es darüber hinaus weitere Bedingungen. Der Personalmangel setzt den Trägern und Einrichtungen zu. Wenn Fachkräfte das, was sie gelernt haben, durch den Notstand in der Personaldecke nicht mehr gut umsetzen können, ist das gerade für die frisch ausgebildeten Erzieher:innen schwierig oder für diejenigen, die noch in der Ausbildung sind.

Also liegt es vor allem am schlechten Image, dass es auf dem Arbeitsmarkt keine Fachkräfte gibt?

Das ist zumindest unsere Annahme, dass sich das Image noch verbessern könnte. Eine Vermutung ist auf jeden Fall, dass Erzieher:innen in der Hochphase der Pandemie zwar viel Aufmerksamkeit, aber wenig Wertschätzung erfahren haben. Sie sollen einfach da sein und funktionieren. Eine weitere Annahme ist, dass eine Abwärtsspirale entstanden ist: Es gibt wenig Fachkräfte, was zu Personalmangel führt. Die verbleibenden Fachkräfte sind erschöpft, werden krank oder wechseln den Träger mit der Hoffnung, bessere Rahmenbedingungen zu finden und das führt zu erneutem Fachkräftemangel. Dabei haben viele Studierende die Ausbildung begonnen, um sich der schönen Aufgabe zu widmen, zu einer guten frühkindlichen Bildung beizutragen.

Interview: Claudia Kabel

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