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Erster Mieter im neuen Schloss

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Der Umzug ist für das Polen-Institut ein Neubeginn.
Der Umzug ist für das Polen-Institut ein Neubeginn. © André Hirtz

Das Polen-Institut verlässt nach 36 Jahren die Mathildenhöhe und bezieht das Darmstädter Residenzschloss. Es ist nicht das einzige bewegende Ereignis für die Mitarbeiter.

Dieter Bingen spricht von einer Koinzidenz: der Umzug des Deutschen Polen-Instituts ins Darmstädter Residenzschloss und der überraschende Tod von dessen Gründer, Karl Dedecius, der am vergangenen Freitag im Alter von 94 Jahren gestorben ist. „Zwei sehr bewegende Ereignisse in wenigen Tagen“, sagt der Direktor des Polen-Instituts sichtlich berührt.

Ende Januar habe er Karl Dedecius getroffen. Dieser sei trotz körperlicher Schwäche noch „scharf in der Gedankenführung“ gewesen. Die Räumlichkeiten im Schloss werde er nun nicht mehr kennenlernen, „aber er wird hier immer vertreten sein“, sagt Bingen.

Noch gleicht der Zugang zu den neuen Räumen des Instituts im ältesten Teil der ehemaligen Burg, dem Herrenbau, einer Baustelle. In beiden Etagen stehen etliche Kisten, um die Handwerker, Mitarbeiter und Besucher manövrieren. An einer Stelle halten sie alle einen Moment inne. An der Glastür, die ins erste Geschoss führt, hat Andrzej Kaluza von der Institutsleitung ein Foto von Dedecius aufgehängt hat.

„Ihm hätte es hier sicher gefallen, es ist eine fantastische Umgebung“, sagt Bingen. Aus den Fenstern seines Büros in der zweiten Etage schaut er auf das Landesmuseum, das Staatsarchiv, den Friedensplatz und den Langen Ludwig. „Ich genieße es, mitten in der Stadt zu sein“, sagt der Historiker und Politologe, der an Dedecius’ ehemaligem Schreibtisch sitzt und neben der Aussicht auch die Stadt Darmstadt lobt.

Zentrale Lage als Chance

Sie hat die repräsentativen Räume von der Technischen Universität (TU) zunächst für zehn Jahre angemietet, nachdem zuvor die TU dem Polen-Institut die Räume angeboten hatte. „Ein Zeichen der Wertschätzung von Stadt und TU“, so Bingen. Entsprechend glücklich ist auch TU-Präsident Hans Jürgen Prömel mit dem Mieter: „Das Schloss ist als sichtbares Zentrum der Stadt ideal, weil es eine kluge Mischung aus Wissenschaft, Kultur und gesellschaftlichem Leben bietet.“

Mit einem guten Dutzend Mitarbeiter zieht das Polen-Institut als erster Mieter in das Schloss, das die TU nach und nach selbst in Beschlag nehmen wird. Die zentrale Lage sei eine Herausforderung und eine Chance zugleich, sagt Bingen: Mit Sicherheit sei man hier für ein größeres Publikum Anlaufstelle.

Mehr Service für Nutzer

Natürlich waren auch Haus Olbrich und Haus Deiters rege genutzte Orte, die Veranstaltungen stets gut besucht. Die Bibliotheksarbeit aber sei mühsam gewesen, „wir hatten den Bestand auf mehrere Räume verteilt“, sagt Andrzej Kaluza.

Das ist passé. Im ersten Stock wird ein Freihandbereich für die Nutzer eingerichtet, schließlich besitzt das Institut eine einmalige Bibliothek für polnische Literatur, deutsch-polnische Übersetzungen und Kulturbeziehungen. Sie sei zugleich eine Universalbibliothek für Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen, erklärt Kaluza.

Auch Reiseführer und Landkarten werden den Nutzern zur Verfügung stehen. Außerdem wird es eine Ecke für Neuerscheinungen und sechs Arbeitsplätze geben. „Das ist für die Nutzer ein Riesengewinn, wir vergrößern uns deutlich“, sagt Kaluza. Rund 70 000 Medieneinheiten (das Archiv nicht mitgerechnet) stünden auf 850 Quadratmetern Fläche zur Verfügung, „und das unter einem Dach“.

Das schätzen auch die Mitarbeiter, die bislang ebenfalls auf zwei Standorte verteilt waren. „Ein Neubeginn“, sagt Peter Löw, seit 14 Jahren Mitarbeiter des Polen-Instituts. „Das Institut stellt sich neu auf, bleibt sich aber treu.“ (an)

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