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Der erste Pirat im Kreistag

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Seit der Kommunalwahl sitzt Christian Greb für die Piraten im Groß-Gerauer Kreistag.
Seit der Kommunalwahl sitzt Christian Greb für die Piraten im Groß-Gerauer Kreistag. © Volker Dziemballa

Lokomotivführer Christian Greb übernimmt gerne Verantwortung. Im Kreistag ist er der erste Pirat. Ihm ist wichtig, die Basis im Rücken zu haben.

Verantwortung hat für Christian Greb schon immer eine große Bedeutung. Gescheut hat er sich davor nie. Weder in der Schulzeit als Klassensprecher, noch in seinem heutigen Beruf als Lokomotivführer. Und auch die Tatsache, dass er seit der Kommunalwahl im März der erste Pirat im Groß-Gerauer Kreistag ist, zeugt von seinem Verantwortungsbewusstsein.

„Meine Herausforderung wird sein, das Profil unserer Partei deutlich zu machen“, sagt der 27 Jahre alte Bischofsheimer wie selbstverständlich. Dabei ist er noch gar nicht lange dabei – bei den Piraten. Aufgewachsen in einer eher unpolitischen Familie, die zum Teil in Österreich lebt, wird mit dem Einstieg ins Berufsleben sein politisches Interesse geweckt. Nach dem Realschulabschluss und dem anschließenden Fachabitur hat der gebürtige Österreicher 2008 eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst mit Fachrichtung Lokführer/Transport begonnen. Seit 1997 lebt er in Deutschland – zunächst im Taunus, seit 2008 in Bischofsheim. „Für mich ist das ein besonderer Beruf – die Verantwortung fasziniert mich ebenso wie die Tatsache, dass man viel mit Menschen zu tun hat.“

Während Greb langsam an die Schienen des Rhein-Main-Gebiets herangeführt wird, beginnt er, sich politisch zu engagieren. „Erst mal musste ich herausfinden, welche Partei zu mir passt“, sagt er. Der Wahl-O-Mat, ein Internetfragebogen zu den Parteien, spuckt schließlich als Lösung die Piraten aus. „Zuerst war meine Reaktion: ,Was sind das für komische Leute?!‘“, erinnert sich Greb. „Ich habe mich dann informiert und recht schnell gemerkt, dass ich mich mit vielen Dingen identifizieren kann.“ Das Thema Internetzensur gibt 2012 den Ausschlag: „Da hat mir die Position der Piraten so gut gefallen, dass ich mich entschlossen habe, Geld zu spenden und Mitglied zu werden“, erinnert sich Greb.

Immer mehr reingerutscht

Positiv erlebt er seitdem die Möglichkeit, sich einzubringen. „Viel läuft über das Internet, sodass jeder mitmachen kann“, erklärt er. „So bin auch ich immer mehr reingerutscht.“ Bei seinem ersten Kreisparteitag 2012 hat er das ungeliebte Protokoll übernommen, nur zwei Jahre später wird er zum Kreisvorsitzenden vorgeschlagen – und gewählt. „Es hat sich eben so ergeben“, sagt der Bischofsheimer im Rückblick auf seinen innerparteilichen Aufstieg. „Allerdings habe ich mich vor der Verantwortung natürlich auch nie gescheut.“ Die Aufstellungsversammlung für den Kreistag im Sommer 2015 samt Unterschriftenaktionen sowie die Vor- und Nachbereitung der Kommunalwahl: Christian Greb hat in den zwei Jahren an der Spitze der Piraten schon einiges erlebt. Als „glücklichen Umstand“ bezeichnet er die Tatsache, dass bei (s)einem Sitz im Kreistag nach den Koalitionsverhandlungen sogar eine Beteiligung an der Gestaltungsmehrheit herausgesprungen ist.

Greb gibt sich vor den kommenden Aufgaben dennoch selbstlos. „Mir ist es wichtig, die Basis im Rücken zu haben“, sagt der 27-Jährige. „Die Entscheidungen sollen im Einklang mit der Partei fallen.“ Die erste Kreistagssitzung, die er miterlebt hat, sei „aufregend, wenn auch durch diverse Wahlen etwas langatmig“ gewesen, sagt Greb.

Beruflich hat sich seit diesem Jahr ebenfalls etwas Neues ergeben. „Ich bin jetzt auch als Ausbilder tätig“, sagt er. „Es macht mir Spaß, Wissen zu vermitteln und Fortbildungen zu halten.“ Gerade im Bereich der Energieeffizienz gibt es als Lokführer viel zu beachten. „Immerhin sind wir Deutschlands größter Stromkunde“, sagt Greb.

Schade findet er das schlechte Image der Deutschen Bahn. „Viele Leute unterschätzen, wie komplex der Schienenverkehr ist“, sagt Greb. „Vieles hängt voneinander ab – der Lokführer hat in den seltensten Fällen Schuld an Verspätungen.“ Dennoch liebt Christian Greb seinen Beruf: „Ruhige Umgebung, kein Chef im Nacken und viel Verantwortung.“ (ers)

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