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Erste Hilfe für Eltern

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Beim Kinderschutzbund stehen Krankenschwestern Familien mit Rat und Tat zur Seite. Und zwar anders als die Familienhebammen nicht nur bei den Kleinsten, sondern bei Kindern bis zu drei Jahren.

Drei typische Fragen, wie sie Birgit Scheller und Traude Hildebrand öfter bei Telefonaten führen: „Welchen Brei soll ich nehmen?“ – „Bin bei der Arge, was soll ich hier ausfüllen?“ – „Wo soll ich das Kreuz machen?“ Die Kinderkrankenschwestern des Kinderschutzbundes mit der Zusatzqualifikation „Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin“ sind im Rahmen der Frühen Hilfen in Familien in Darmstadt und im Landkreis unterwegs. Und zwar anders als die Familienhebammen nicht nur bei den Kleinsten, sondern bei Kindern bis zu drei Jahren.

Da geht es zum Beispiel darum, den Eltern ein Stück Verunsicherung im Umgang mit dem Kind zu nehmen. „Es gibt oft sehr gut ausgebildete Akademikerinnen, die alles besonders gut machen wollen“, sagt Traude Hildebrand. „Oder wo die Herkunftsfamilie nicht am Ort wohnt“, ergänzt Kinderschutzbund-Geschäftsführerin Astrid Zilch. Im Rahmen des städtischen Programms „Kinder schützen, Familien fördern“, das alle Neugeborenen der Stadt erfasst, ist dies kein untypischer Fall.

Im Rahmen des Bundeskinderschutzgesetzes und im Auftrag des städtischen Sozialdienstes sind die beiden Kinderkrankenschwestern aber auch in Familien unterwegs, wo die Mutter eines sechs Monate alten Babys 16 Jahre und der Vater 17 Jahre alt ist, beide aus belasteten Verhältnissen stammen, aber unbedingt das Kind behalten und als Familie leben wollen, berichtet Traude Hildebrand. „Da geht es dann um Basics in Pflege und Versorgung“, erläutert Astrid Zilch. „Die rufen an und fragen, was das Kind heute anziehen sollte“, bestätigt Traude Hildebrand. Und wenn der Kleine erkältet ist, schauen sie täglich nach ihm. Auch am Wochenende. „Und zwischendrin haben wir angerufen und gesagt, sie sollen nochmal Fieber messen.“

Abwechslungsreiche Arbeit

Zwischen der Akademikerin mit dem späten Mutterglück und der 16-jährigen Schulabbrecherin finden sich alle Problemlagen: Eltern mit Sucht- oder psychischer Erkrankung, mit Einschränkungen und Behinderungen, aber auch Familien mit Frühgeborenen oder chronisch kranken Kindern. Familien, die sich möglicherweise damit auseinandersetzen müssen, dass sie ein Kind mit Einschränkungen haben, die sich nicht mehr auswachsen, wie viele noch lange hofften.

„Oder auch, dass Eltern ein Frühchen haben, das ums Überleben gekämpft hat, sich jetzt aber normal entwickelt, und bei dem die Eltern sich an den Gedanken erst gewöhnen müssen, dass sie ein gesundes Kind haben“, sagt Traude Hildebrand. Viele Eltern hätten Schuldgefühle, weil sie bei sich die Ursache für die Frühgeburt sehen.

Die Abwechslung bei der Arbeit und die verschiedenen Menschen, mit denen Traude Hildebrand zu tun hat, macht für sie den Reiz der Arbeit aus. Birgit Scheller und sie sind in den Familien als Hilfe willkommen, bieten durch ihre aufsuchende Arbeit ein sehr niedrigschwelliges Angebot und haben durch den medizinischen Hintergrund große Akzeptanz. Außerdem bringen sie etwas mit, das es im pflegerischen Zusammenhang überhaupt nicht gibt: Zeit. „Es ist schön, den Zugang zu den Eltern zu haben, Gespräche zu führen, die auch intimer sind, und zu merken, dass es die Eltern entlastet“, zählt Traude Hildebrand auf. Und: „Nicht nur sprechen, sondern tun.“

„Man muss flexibel sein“, betont Traude Hildebrand. Und gut organisiert: „Hier kann man nicht sagen, ich geh jetzt, meine Schicht ist zu Ende“, sagt Birgit Scheller. Zu zweit betreuen sie derzeit rund 30 Familien aus Stadt und Landkreis, manche täglich, manche wöchentlich, manche halbjährlich, manche nur anfangs engmaschig, bis die Sicherheit da ist – „auch auf Abruf“. (rwb)

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