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Erst die Regeln kennen

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„Rad fahren für Flüchtlinge“ heißt das Projekt der Kreisverkehrswacht.
„Rad fahren für Flüchtlinge“ heißt das Projekt der Kreisverkehrswacht. © Volker Dziemballa

Kreisverkehrswacht schult Verkehrserzieher für Flüchtlinge.

Ein junger Syrer saust auf dem Fahrrad dahin. Das Radeln macht ihm sichtlich Spaß, wenn er auch unsicher wirkt. Auf dem Radweg außerhalb ist das kein Problem, schließlich übt er noch. Doch dann geht es in die Innenstadt, und der Autofahrer hinter ihm hält die Luft an: „Lieber nicht überholen.“ An Kreuzungen wird klar, dass der junge Mann weder die Vorfahrtregelung rechts vor links noch die Verkehrszeichen kennt.

Im Straßenverkehr gibt es viele Regeln zu beachten. Das fällt oft schon Menschen schwer, die mit ihnen aufgewachsen sind. Vielfach schwerer ist es für Flüchtlinge. „Schnell ist ein Unfall passiert“, betont Bernhard König, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht. „Noch gibt es keine Erhebungen zu Fahrradunfällen mit Asylanten, doch klar ist: Wer Rad fährt, muss die Regeln kennen.“

Dass Flüchtlinge gerne ihre gespendeten Fahrräder nutzen, ohne etwas zu Verkehrsregeln zu wissen, hat König und andere veranlasst, Verkehrssicherheit für Flüchtlinge in den Fokus zu rücken. So hat die Stabsstelle Asyl und Zuwanderung des Kreises einen Flyer zur Schulung Ehrenamtlicher vorgelegt, die zukünftig Flüchtlinge fit für den Verkehr machen. Die Kreisverkehrswacht hat zentrale Lernbausteine entwickelt, um das richtige Verhalten im Verkehr nachhaltig zu schulen. „Ein Blatt Papier mit aufgemalten Verkehrszeichen reicht da nicht“, sagt König.

Er sieht eine Ursache des Problems: „Das Pferd wurde von hinten aufgezäumt, als die Flüchtlingshilfe zuerst die Frage nach mehr Mobilität stellte, statt mit der Vermittlung der Verkehrsregeln zu beginnen.“

Zwei Frauen und drei Männer aus Groß-Gerau, Stockstadt, Mörfelden-Walldorf und Rüsselsheim haben an einem Seminar im Kreishaus teilgenommen, um als ehrenamtliche Helfer Einblick in die Vermittlungsarbeit für mehr Verkehrssicherheit zu bekommen. Die Kreisverkehrswacht, bei der laut dem Vorsitzenden zahllose Anfragen von Flüchtlingshelfern, von Paten und Schulen eingehen, ob sie nicht einen Kurs zum Erlernen der Verkehrsregeln anbieten könnte, sei angesichts der Fülle ihrer Aufgaben außerstande, dies allein zu schultern.

Ehrenamtliche als Mulitplikatoren

Stattdessen sei man mit der Stabsstelle Asyl und Zuwanderung, die seit Oktober 2015 mit Barbara Weber und Milena De Vitti dazu beiträgt, Integration durch klare Verantwortlichkeiten und kurze Wege zu bewältigen, übereingekommen, Ehrenamtliche als Verkehrserzieher auszubilden. Das zweitägige Qualifizierungsseminar ging nach dem Auftakt in Stockstadt auch in Mörfelden-Walldorf (flankiert vom Integrationsbüro), in Gernsheim (unterstützt von der Caritas) sowie im Groß-Gerauer Landratsamt an den Start. Bernhard König ist der Dozent.

„Wenn bei jedem Seminar eine Handvoll Leute dabei ist, haben wir über Multiplikatoren ein gutes Potenzial, die Verkehrserziehung umzusetzen“, sagt er. Reinhard Heinbuch, ehemaliger Ingenieur aus Stockstadt, erzählt von der Fahrrad-Reparaturwerkstatt, die er in seiner Gemeinde aufgebaut habe: „Gespendete Räder haben oft nicht einmal Bremsen, oder es fehlt das Licht.“ Hans-Joachim Reinhardt, Ehrenamtlicher aus Rüsselsheim, merkt an: „Keiner von uns muss dabei der große Manitu sein.“

König bestätigt: „Keiner muss alle Lernbausteine allein schultern, sondern sollte sich in seiner Kommune nach Helfern umsehen. Manchem liegt Theorie, dem anderen Praxis.“ Übersetzer hinzuzuziehen sowie geeignete Räumlichkeiten zu finden, sei freilich Voraussetzung, fährt König fort. Fragen beantwortet die Kreisstabsstelle oder die Koordinatoren in der Kommune. „Wir tun alles dafür, den Lehrgang zu fördern“, sagt König. (lot)

Ansprechpartner zu dem Qualifizierungsseminar für die Vermittlung der Regeln im Straßenverkehr ist die Stabstelle Asyl und Zuwanderung, Telefon 06152/989-794.

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