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Erst die Arbeit, dann der Sport

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Volleyball, Kegeln, Skigymnastik – das Angebot ist groß.
Volleyball, Kegeln, Skigymnastik – das Angebot ist groß. © Völker

Seit 50 Jahren kümmern sich Firmen auch um die Fitness der Kollegen. Allein im Darmstädter Bezirk treiben die Mitarbeiter von 400 Unternehmen Sport.

Tischtennis, Triathlon, Tauchen – das sind nur drei von rund 25 Sportarten, die der Pharma- und Chemiekonzern Merck seinen rund 8000 Darmstädter Mitarbeitern im Betriebssport anbietet. „Merck ist die große Ausnahme“, sagt Dieter Reiter. 25 Jahre war er bei Merck für den Betriebssport verantwortlich, zwölf Jahre lang Vorsitzender des Betriebssportverbands (BSV) Hessen, Bezirk Darmstadt. „Merck ist das einzige Unternehmen im Bezirk, das den Sportlern eine eigene Halle zur Verfügung stellt“, sagt Reiter. Montags bis samstags ist sie von den bewegungsfreudigen Merckianern belegt.

Das Thema Betriebssport hat bei Merck eine lange Tradition. Seit Ende der 20er Jahre, sagt Reiter, machen die Mitarbeiter in ihrer Freizeit Sport. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Betriebssport verboten, erst in den 50er Jahren fanden sich wieder Gruppen zusammen. „Waldläufer formierten sich, und in den Kantinen wurden die Tische zusammengeschoben, um Tischtennis zu spielen“, sagt Reiter, inzwischen im Ruhestand. Dass der Betriebssport in Darmstadt sich organisierte, ist in diesem Jahr genau 50 Jahre her.

Rund 40 Unternehmen dabei

Im Darmstädter Bezirk treiben die Mitarbeiter von rund 40 Firmen Sport, insgesamt sind es 2500. Neben Merck bieten auch Heag, GSI, Döhler, Esoc, Evonik Röhm, Heag, Schenck oder die Sparkasse Betriebssport an. Da diesen Gruppen keine eigenen Hallen zur Verfügung stehen, unterstützt sie der BSV bei der Suche nach Sportstätten. „Städtische Hallen zu organisieren, ist aber schwierig“, sagt Reiter. „Sie sind durch Schul- und Vereinssport dicht belegt.“

Bei Merck ist Dirk Sulzmannn, Leiter der Abteilung Umfeldbeziehungen, für den Betriebssport zuständig. Er sieht dabei nicht nur die gesundheitlichen Aspekte, beim Betriebssport würden außerdem soziale Verbindungen geknüpft. Gerade Mitarbeiter, die aus anderen Städten oder Ländern zu Merck wechselten, knüpften oft durch den Betriebssport Kontakte, „ohne gleich in einen Sportverein eintreten zu müssen“.

Merck bietet eigene Halle

Diesen sozialen Aspekt hebt auch Jürgen Haaf hervor. Seit 23 Jahren ist er bei Merck, arbeitet im Konzernrechnungswesen und ist seit rund zehn Jahren Spartenleiter Triathlon. Der 48 Jahre alte Sportler trainiert vor und nach der Arbeit mit einem festen Team. Morgens früh schwimmen die Athleten im Nordbad, abends gehen sie in den Bürgerpark oder in die Fasanerie laufen. „Wir planschen nicht, sondern trainieren zielorientiert“, sagt Wettkampfsportler Haaf. Dennoch betont er: „Der Sinn des Betriebssports ist vor allem die Gesellschaft. Man lernt unkompliziert Leute kennen und baut sich Netzwerke auf.“ Diese könnten durchaus auch im Job nützlich sein.

Für den reibungslosen Ablauf ist Gaby Weigel zuständig. Sie plant die Hallenzeiten, organisiert Turniere und sucht Übungsleiter. Rund ein Drittel der sportbegeisterten Mitarbeiter sind Frauen, zwei Drittel sind Männer. Fußball ist am beliebtesten, dort gibt es neun Gruppen. Golf wird gemeinsam mit der Technischen Universität auf der Lichtwiese angeboten, Aerobic wurde von Funktionsgymnastik abgelöst, Kegeln und Skigymnastik sind immer im Programm. „Der Sport ist fern aller Hierarchien,“ sagt Sulzmann. Reiter ergänzt: „Von der Spülfrau bis zum Mitglied der Geschäftsleitung kommen alle zusammen.“ ( an)

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