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Ernüchterung im Passivhaus

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Immer mal wieder Ärger gibt es im Passivhaus „Greenageone“ in Kranichstein.
Immer mal wieder Ärger gibt es im Passivhaus „Greenageone“ in Kranichstein. © André Hirtz

Die Wohnungseigentümer im Vorzeigeobjekt „Greenageone“ beklagen diverse Mängel. Nicht nur fällt immer wieder die Heizungsanlage aus. Die Besitzer klagen auch über Mängel in der Bauausführung, Haussteuerung und Kommunikation.

Als europäisches Kooperationsprojekt hat der Bauverein den Passivhausblock „Greenageone“ im Neubaugebiet K6 realisiert. Groß sind die Ansprüche an das innovative Haus. Doch von den Eigentümern kommen Klagen – nicht nur über wiederkehrende Ausfälle der Heizungsanlage.

In der Werbebroschüre las sich alles ganz wunderbar. „Modernes Wohnen mit hohem Energieeffizienzstandard“, wurde angepriesen. Von Sonnenkollektoren auf dem Dach war die Rede, die die Warmwasserbereitung maßgeblich unterstützen sollten, ein gesundes Raumklima und eine intelligente Haussteuerung wurden in Aussicht gestellt.

Doch fast zwei Jahre nach dem Einzug der ersten Eigentümer in das Passiv-Mehrfamilienhaus „Greenageone“, das die Bauverein AG in Kooperation mit Wohnungsbauunternehmen in fünf europäischen Ländern als Forschungs- und Entwicklungsprojekt im Neubaugebiet K6 errichtet hat, ist bei vielen Eigentümern Ernüchterung eingekehrt. Sie klagen über Mängel in der Bauausführung, Haussteuerung und Kommunikation.

„In der Wohnung selber gibt es fast keine Mängel“, stellt ein Eigentümer fest, der nicht namentlich in der Zeitung genannt werden will. Doch beim Gemeinschaftseigentum sieht er diverse Probleme: So falle immer wieder tagelang die Lüftungs- sowie Heiz- und Warmwasseranlage aus. Auch seien die angepriesenen Sonnenkollektoren „für dieses europäische Vorzeigeprojekt in puncto Energieeffizienz“ nie eingebaut worden. Dafür sei ihnen nun unverhofft eine Fahrradhütte vors Haus gesetzt worden, die nie angekündigt gewesen sei und von vielen eher als störend und wertsenkend empfunden würde. „Und ganz ärgerlich ist auch die Klingelanlage.“ Wegen Fehlverschaltungen klingele es mal in der falschen Wohnung, mal bei mehreren Bewohnern gleichzeitig, dann wieder bei manchem gar nicht.

Gutachten des TÜV

Der Wohnungseigentümer verweist zudem auf ein TÜV-Gutachten zur Feststellung der Abnahmereife, das nach zwei Begehungen im Herbst 2014 erstellt worden ist. Es listet gut 200 Mängel für das Haus in der Elisabeth-Hattemer-Straße 2-4 auf – das reicht von unsauberen Malerarbeiten bis zu fehlenden Kellertüren. Zusammenfassend heißt es: Es gebe „nicht unwesentliche Mängel“, die zu beseitigen seien, der Abnahmereife aber nicht entgegen stehen würden.

Für die Eigentümergemeinschaft ist der Vorgang damit nicht abgeschlossen. Zwar habe es im November 2015 eine TÜV-Begehung zur Kontrolle der Mängelbeseitigung gegeben, doch liege ihnen bis heute nicht das angekündigte Protokoll vor. „Nach meiner Schätzung sind erst 10 bis 25 Prozent der festgestellten Mängel abgearbeitet“, vermutet der Wohnungsbesitzer, der gegen das Gutachten Einspruch eingelegt hatte. Und er ist nicht als einziger skeptisch. „Das roch nach parteiischem Gutachten, der TÜV wurde ja vom Bauverein beauftragt“, befindet ein anderer, der seit März 2014 in dem Neubau wohnt und ebenfalls nicht namentlich genannt werden will. Denn der Bauverein habe ihnen im Falle geschäftsschädigender Äußerungen auch juristisch gedroht. aw

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