Darmstadts OB Jochen Partsch präferiert Masken mit Lokalkolorit, etwa mit aufgestickten Heinerfest-Makottchen.
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Darmstadts OB Jochen Partsch präferiert Masken mit Lokalkolorit, etwa mit den aufgestickten Heinerfest-Makottchen.

Darmstadt

Darmstadt: Staatsschutz-Ermittlungen zum Corona-Masken-Päckchen

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Die Staatsanwaltschaft Darmstadt lässt die an Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) geschickten Mund-Nase-Bedeckungen auf Viren untersuchen und ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung. Der Rathauschef bewertet die Aktion als „persönliche Bedrohung“ sowie als „feige und ekelhaft“

Erstmeldung vom Montag, 6. Juli, 20:15 Uhr: Im Fall des mit mutmaßlich benutzten Alltagsmasken gefüllten Päckchens, das am Freitag anonym an den Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ins Neue Rathaus geschickt wurde, hat das Staatsschutzkommissariat des Polizeipräsidiums Südhessen die Ermittlungen übernommen.

Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, sagte am Montag der FR, dass OB Partsch inzwischen – entsprechend seiner Ankündigung vom Freitag – Strafanzeige gegen unbekannt gestellt habe. Ermittelt werde nun wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung, erklärte der Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Zunächst würden die Ermittler „Beweismittel sichern und auswerten“, kündigte der Oberstaatsanwalt an. Das heißt, dass die Ermittler das Päckchen nun auch auf Spuren - wie etwa Fingerabdrücke - untersuchen. Zugleich gehe es darum herauszufinden, wer für die Versendung des Päckchens als Urheber verantwortlich sei, so Hartmann. Bei den Ermittlungsbehörden hat sich bislang niemand zu der Tat bekannt.

Darmstadt: Corona-Skeptiker unter Verdacht

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau stehen Corona-Skeptiker unter Verdacht, die teilweise stark verschmutzten und möglicherweise getragenen Masken am Samstag, 27. Juni, bei einer Anti-Corona-Demo auf dem Darmstädter Messplatz gesammelt und diese dann ins Rathaus geschickt zu haben. Weder der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft noch eine Polizeisprecherin wollten dies bestätigen oder dazu Stellung nehmen.

Nachdem der FR-Artikel am Sonntagabend online erschienen war, meldete sich in der nicht frei zugänglichen Gruppe „Querdenken (615 – Darmstadt)“ des Messengerdienstes Telegram ein Gruppenmitglied und fragte irritiert, warum das Päckchen mit den Masken anonym eingesandt und nicht wie offenbar ursprünglich geplant „persönlich im Namen von 615 überreicht“ worden sei.

Der Gruppenteilnehmer äußerte sich zudem besorgt darüber, dass er seinen Namen und seine Adresse auf seine unbenutzte Maske geschrieben habe. Das laut Telegram-Profil männliche Gruppenmitglied könnte nun für die Polizei ein wichtiger Zeuge sein.

„Querdenken“ Darmstadt: Verdächtige Telegram-Chats werden gelöscht

Bemerkenswert ist auch, dass nach FR-Informationen in den vergangenen Tagen verdächtige Chateinträge mit Bezug zu dem Päckchenversand gelöscht und als Reaktion auf die Onlineartikel auch Einladungslinks für Chat-Untergruppen von den Administratoren deaktiviert wurden.

Eine Administratorin der Telegram-Chatgruppe, die im Verdacht steht, am Versand des Päckchens beteiligt gewesen zu sein, soll nach Angaben eines Zeugen, der anonym bleiben möchte, bereits in einer der Gruppen mitgeteilt haben, sie habe schon einen Anwalt kontaktiert, und der habe ihr geraten, nichts mehr zu dem Thema zu sagen.

Informant übermittelt Polizei umfangreiche Screenshot-Sammlung

Der Informant hat am Wochenende der FR eine umfangreiche Screenshot-Sammlung zur Verfügung gestellt. Dass es sich bei den gesammelten und an den Darmstädter OB geschickten Masken nicht nur um neue Exemplare gehandelt haben könnte, das impliziert eine Chat-Nachricht einer angeblichen Userin, die beispielsweise damit geprahlt hat, sie habe für die Sammelaktion am Bahnhof „aus dem Gleisbett lecker Masken gesammelt“.

Demonstranten wollten OB „infizierende Grüße“ übermitteln

Ein weiteres Indiz dafür, dass die Masken möglicherweise gebraucht und infektiös sein könnten, ist auch dem Aufruf für die geplante Sammelaktion zu entnehmen, der in der Telegram-Gruppe verbreitet wurde. In ein Foto mit einer weißen Maske sind die Worte eingefügt worden: „Herrn OB Jochen Partsch, mit infizierenden Grüßen“.

Der FR-Informant hat seine umfangreiche Screenshot-Sammlung inzwischen auch an die Polizei weitergeleitet und über ein entsprechendes Portal eine Onlineanzeige erstattet. Die Polizei hat auf Anfrage bestätigt, dass unter der von dem Informanten angegebenen Nummer eine Anzeige eingegangen sei, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.

Darmstadts OB Partsch: Aktion ist „feige und ekelhaft“

Update vom Dienstag, 7. Juli, 21:30 Uhr: Vier Tage nach dem Erhalt des Päckchens mit teilweise sehr verschmutzten Corona-Masken hat Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) bekräftigt, er werde sich von Angriffen dieser Art nicht einschüchtern lassen.

Dem Hessischen Rundfunk sagte der OB am Dienstag, sein erster Gedanke sei gewesen, dass es nach dem Öffnen der Kiste durch eine seiner Mitarbeiterin im Rathaus nicht zu einer Gesundheitsgefährdung gekommen sei. Sein zweiter Gedanke sei dann gewesen: „Es ist feige und ekelhaft." 

Oberbürgermeister wertet Paketsendung als Bedrohung

In der Zeit der Corona-Pandemie werde mit der Postzusendung „von der Symbolik her ein verheerendes Zeichen gesetzt“, sagte Partsch mit Verweis auf die in öffentlichen Verkehrsmitteln, Behörden und Geschäften geltende Pflicht zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen. Mit der Aktion solle den politisch Verantwortlichen wohl mitgeteilt werden: „Euren Quatsch könnt ihr wiederhaben.“

Partsch bekräftigte, dass er die anonyme Lieferung des Päckchens als „persönliche Bedrohung“ gegen sich bewerte. Er werde auch künftig klar seine eigene Position vertreten und zugleich für Kritik offen sein.

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