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Martin Frenzel vor einer Menora im „Garten der Erinnerung“, der Teil der Gedenkstätte ist.  

Darmstadt

Erinnerung an „die Zierde“ der Stadt Darmstadt

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Die Gedenkstätte Liberale Synagoge auf dem Darmstädter Klinikgelände besteht seit zehn Jahren. Ein Förderverein veranstaltet eine Aktionswoche gegen Antisemitismus.

Sie galt als Zierde und ihre vier Türme überragten die Dächer Darmstadts. Doch von der einst prächtig ausgestatteten und 1876 eingeweihten Liberalen Synagoge an der Friedrichstraße, die – wie das orthodoxe jüdische Gotteshaus an der Bleichstraße und die Synagoge im Stadtteil Eberstadt – am 9. November 1938 von SA-Leuten zerstört und angezündet wurde, sind nur noch einige Grundmauern übriggeblieben. Und selbst diese Überreste wären im Oktober 2003 bei den Aushubarbeiten für den Neubau des städtischen Klinikums fast zerstört worden. Dem hartnäckigen Einsatz einer kleinen Schar von Darmstädter Bürgern christlichen und jüdischen Glaubens sowie dem früheren Oberbürgermeister Peter Benz (SPD) ist es zu verdanken, dass die Funde gegen erheblichen Widerstand schließlich geborgen, restauriert und konserviert wurden. Nach jahrelangem zähen Ringen konnte vor zehn Jahren eine Gedenkstätte auf dem Klinikgelände eröffnet werden.

Martin Frenzel, der Vorsitzende des Fördervereins Liberale Synagoge Darmstadt, bietet dort regelmäßig Führungen an. Noch bis zum 8. Dezember veranstaltet der Förderverein zum siebten Mal die Darmstädter Aktionswochen gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und für ein weltoffen-liberales Darmstadt. „Wir wollen nach dem Terroranschlag von Halle ein Zeichen gegen aktuellen Antisemitismus setzen – Zukunft braucht Erinnerung“, sagt Frenzel.

Rundgänge durch die Gedenkstätte bietet Frenzel an diesem Sonntag sowie an den beiden darauffolgenden Sonntagen, am 17. und 24. November, an. Treffpunkt ist jeweils um 14.30 Uhr am Julius-Landsberger-Platz auf dem Klinikumsgelände (Zugang via Bleichstraße, Höhe Gagernstraße).

Am Dienstag, 19. November, steht ein Vortrag über „Vergessene Darmstädter Juden – von Rabbi Bruno Italiener, Otto und Karl Wolfskehl, Julius Goldstein und Elsbeth Juda“ auf dem Programm, der um 19.30 Uhr im „Haus der Geschichte“ des Hessischen Staatsarchivs am Karolinenplatz beginnt.

liberale-synagoge-darmstadt.de

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