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Erdrückende Aussichten

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Den neuen Bebauungsplan kritisieren die Anwohner.
Den neuen Bebauungsplan kritisieren die Anwohner. © Guido Schiek

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Baupläne im Edelsteinviertel. Ein Kritikpunkt an den Neubauten ist, dass diese deutlich höher ausfallen als die Bestandsgebäude.

„Wir haben nichts gegen Agora!“ Das betonen die Sprecher der „Initiative Edelsteinviertel“ mehrfach. Gegen das Projekt der knapp 80-köpfigen Genossenschaft für generationenübergreifendes Wohnen gebe es keine Vorbehalte. Wohl aber gegen deren konkrete Baupläne auf einem derzeit freien Areal entlang der Bahnlinie südöstlich des Ostbahnhofs.

„Eine Bebauung in diesem Bereich muss nachbarschaftsverträglich und sozialverträglich sein“, erklärt Anwohnerin Annemarie Melcher. „Wir haben natürlich Privatinteressen – aber auch ein Interesse daran, dass sich dieses Viertel gut entwickelt.“ Für die Agora-Genossenschaft hat das Büro Werk.um Architekten vier Gebäude entworfen, die in einer Reihe stehend das westliche Edelsteinviertel zur Bahnlinie hin abschließen. Rund 50 Wohnungen soll es darin geben, darunter auch mehrere Sozialwohnungen.

Das Haus am Ostbahnhof – mit vier Stockwerken über der Erbacher Straße und 14 Meter Höhe besonders markant – beherbergt laut Planung auch Seminarräume, Gästezimmer sowie ein Café/Restaurant. Öffnung nach außen ist ein Bestandteil des Agora-Konzepts. Für die Mitglieder der Bürgerinitiative ist der Gebäudeentwurf dadurch nicht attraktiver geworden. Von einem „erdrückenden Klotz“ spricht Marianne Dehlinger, die seit 44 Jahren an der Erbacher Straße wohnt.

Sie hat die Neubebauung im Edelsteinviertel miterlebt, das noch vor einigen Jahren durch Industrie- und Brachflächen geprägt war. „Ich freue mich, dass sich das Viertel so entwickelt hat“, sagt sie, „vor allem finde ich toll, dass man so viele Kinder sieht.“ Für diese gehe durch die vier Neubauten ein Spielplatz verloren, der im ursprünglichen Bebauungsplan noch am unteren Ende der Straße Am Busenberg mitsamt einer Grünfläche eingezeichnet war, kritisiert Winfried Rohloff von der Initiative Edelsteinviertel. Nun sei dort ein 50 Meter breites Wohngebäude vorgesehen.

„Es geht auch um die Planungssicherheit für Hausbesitzer“, sagt er. „Die gucken in den Bebauungsplan und sehen dort eine Grünfläche. Dann ändert die Stadt ihre Planung und macht eine Nachverdichtung – das ist sehr problematisch.“ Ein nahegelegener Spielplatz sei gerade für junge Familien ein wichtiges Kaufargument gewesen.

Wohnungen sind vergeben

Weitere Kritikpunkte der Bürgerinitiative, die nach eigenen Angaben bereits 130 Unterschriften gegen eine Änderung des ursprünglichen Bebauungsplans gesammelt hat: Die Neubauten fielen deutlich höher aus als die Bestandsgebäude, weil sich deren Erdgeschoss an der Oberkante einer steilen, rund zwei Meter hohen Böschung Richtung Erbacher Straße/Rosenhöhe orientiere und nicht am tieferen Niveau des Bahngeländes.

Folge: Die vorgesehene Tiefgarage sei von unten gesehen fast ebenerdig. „Wir mussten bei unserem Einzug 2010 eine Tiefgarage unter der Erde nachweisen“, ärgert sich Anwohner Rohloff. Die BI fordert daher, die untere Höhenlage für die Neubebauung zugrunde zu legen und die Tiefgarage unterirdisch anzulegen. „Zwei Meter weniger Höhe, das wäre schon etwas“, sagt Annemarie Melcher.

„Für uns war diese Bürgerinitiative ein Riesenschreck“, sagt Kirsten Mensch vom Vorstand der Agora-Wohnungsbaugenossenschaft. „Wir wollen eine gute Nachbarschaft mit den Bewohnern des Edelsteinviertels.“ 68 Erwachsene und elf Kinder wollen dort einziehen. Die Finanzierung stehe, die Wohnungen seien vergeben. „Die Leute haben die Rücklage ihres Lebens in dieses Projekt gesteckt“, erklärt Mensch.

Bau- und Planungsdezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) empfing gestern Vertreter der Initiative Edelsteinviertel. „Wir werden diese Aspekte im weiteren Verfahren mitnehmen und intensiv abwägen“, erklärte sie. Zuschke machte aber auch deutlich, dass die Planung bereits weit fortgeschritten sei. „Es gibt auch eine Kontinuitätskomponente.“ (bad)

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