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Entscheidung über ein System

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Alle Proteste gegen die GHS-Schließung halfen nichts, jetzt entscheiden die Bürger.
Alle Proteste gegen die GHS-Schließung halfen nichts, jetzt entscheiden die Bürger. © Heinrich Schreiber

Abstimmung zum Erhalt der Gerhart-Hauptmann-Schule steht bevor.

Exakt 5549 gesammelte Unterschriften ermöglichen, dass am Sonntag rund 44 100 wahlberechtigte Rüsselsheimer Mitspracherecht haben bei der Ausgestaltung der künftigen Rüsselsheimer Schullandschaft. Beim Bürgerbegehren, dem ersten in der Geschichte der Stadt, geht es um mehr als um die Kernfrage, ob die Gerhart-Hauptmann-Schule, die Haupt- und Realschule in Königstädten, erhalten bleiben soll oder nicht.

Es geht auch um das Überleben des Systems Haupt- und Realschule in Rüsselsheim. Und es geht um den Fortbestand mindestens einer kleineren Schuleinheit für die Sekundarstufe 1.

Über 44 000 Wahlberechtigte

Der am 9. Juli 2014 in einer turbulenten Stadtverordnetenversammlung verabschiedete Schulentwicklungsplan sieht den Ersatz der bisherigen drei Haupt- und Realschulen – neben der GHS (mit rund 520 Schülern), die Parkschule (knapp 300 Schüler) und die Friedrich-Ebert-Schule (rund 350 Schüler) – durch zwei Gesamtschulen vor: die Alexander-von-Humboldt-Schule mit derzeit rund 800 Schülern (eine Integrierte Gesamtschule bis Klasse 10) und die am Standort der Friedrich-Ebert-Schule neu auszubauende, neu zu konzeptionierende und bereits benamte Sophie-Opel-Schule, die als Kooperative Gesamtschule mit eigenem Gymnasialzweig bis zu 1300 Schüler aufnehmen soll.

Der stadthistorische Wahlgang am Sonntag wäre überflüssig, wäre in der besagten Sitzung der Stadtverordneten im Juli ein Ergänzungsantrag der SPD durchgegangen: Die Sozialdemokraten wollten die GHS, für deren Erhalt sich unter dem Slogan „Wir sind mehr als eine Schule“ bereits eine Initiative aus zunächst hauptsächlich schulinternen Kreisen gebildet hatte, aus dem Schulentwicklungsplan herausnehmen.

Die Abstimmung erbrachte ein Patt, damit war der Antrag gescheitert. Für die Initiative zum Erhalt der Schule bedeutete das knappe Scheitern in von Parteiengeist aufgeheizter Atmosphäre einen immensen Zulauf, schlagartig vergrößerte sich der Widerstand gegen die Schließung der Schule. Frucht war das Bürgerbegehren, an dessen Ende die rund 5500 Unterschriften standen, die den ersten Bürgerentscheid in der Stadtgeschichte möglich machten. Ausgereicht hätten knapp 2100 Unterschriften.

Unterstützung hatte die BI in der vergangenen Woche von den beiden ehemaligen Stadträten und Integrationsexperten Horst Kriz (CDU) und Jochen Müller erhalten, die mit Blick auf die Anforderungen künftiger Integration kleine Schuleinheiten favorisieren. Es folgten unterstützende Resolutionen des Schulstadtelternbeirats, der Kollegien der Parkschule und der Friedrich-Ebert-Schule.

Von politischer Seite gehören die Fraktionen von SPD, der Linken/Liste Solidarität und die UKL zu den Unterstützern. Hinzu kommen die neu gegründeten Ortsvereine der AfD und der Freien Wähler, die Lehrer-Gewerkschaft GEW sowie die Evangelische Dekanatssynode Rüsselsheim.

Der Magistrat und mit ihm die Mehrheitsfraktionen von CDU, Grünen und RFFW verweisen dagegen auf den hohen Sanierungsstau an der Gerhart-Hauptmann-Schule. Verursacht wurde dieser auch dadurch, dass die Stadt Entscheidungen über drei mögliche Varianten für die GHS (Abriss und Neubau, Generalsanierung, Zusammenlegung mit der Grundschule zu einer Stadtteilschule) seit vielen Jahren vor sich hergeschoben und entsprechend nicht in die GHS investiert hat.

Unter pädagogischen Gesichtspunkten führen die Befürworter der GHS-Schließung unter anderem längeres gemeinsames Lernen an, nach neu entwickelten Konzepten in neuen Räumlichkeiten. Hinzu kämen rückläufige Anmeldezahlen bei den Haupt- und Realschulen. Beim Scheitern des Bürgerentscheids gäbe es an der GHS ab dem Schuljahr 2017/18 einen Aufnahmestopp für Fünftklässler. Geschlossen würde die Schule in den Jahren 2022 und 2023. (plu)

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