1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Engagement fürs Quartier

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Gemeinschaftshaus Kirschenallee wird 25 Jahre alt. Einige der Gruppen, die das Gemeinschaftshaus nutzen, organisieren sich selbst. Die Frauen, die Senioren, die Kartenspieler. Ehrenamtliche haben jeweils einen Schlüssel.

Dass die Kirschenallee nicht zu den feinsten Wohnadressen Darmstadts gehört, ist bekannt. Dass die Bewohner der Häuser an Kirschenallee und Pallaswiesenstraße es satt haben, als Schlichtgebietbewohner stigmatisiert zu sein, ist absolut verständlich. Dass dieses Gebiet aber recht abgezirkelt daherkommt, liegt in der Historie begründet. Schon immer hat es in Städten und Dörfern Arme-Leute-Viertel gegeben, sagt Horst Miltenberger vom Gemeinschaftshaus Kirschenallee, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

In den 70er Jahren kam vieles auf den gesellschaftlichen und politischen Prüfstand. Auch die Arme-Leute-Viertel. „Die Frage war, auflösen oder sanieren“, berichtet Miltenberger. Darmstadt habe sich damals für Sanierung entschieden. Nach dem Standard für Sozialen Wohnungsbau erhielten die Häuser Bäder, Balkons, Zentralheizung und kleine Gärtchen zwischendrin. Vor allem aber wurden die großen Familien in große Wohnungen und die kleinen Familien in kleine Wohnungen einquartiert. Weil diese Flächenvorgaben umgesetzt wurden, wohnten nach Abschluss der Sanierung, die sich über 15 Jahre hinzog, nur noch 160 Leute dort. Zuvor waren es 300.

Mit der Entscheidung für die Sanierung fiel auch eine zweite, historische, sagt Miltenberger: „Den Bewohnern Soziale Arbeit an die Seite zu stellen und sie bei der Lebens- und Alltagsbewältigung zu unterstützen.“ Das war die Geburtsstunde des Gemeinschaftshauses Kirschenallee. Caritas und Diakonisches Werk hatten den Zuschlag für die gemeinsame Trägerschaft erhalten.

Was brauchen die Bewohner?

Weil Gemeinwesenarbeit „mit Menschen und nicht für Menschen gemacht wird“, wie Miltenberger sagt, ging es für die Sozialarbeiter zunächst einmal darum, die Bewohner kennenzulernen und herauszufinden, was sie brauchen. Schnell kristallisierte sich heraus, dass es Angebote für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsenengruppen geben musste.

Dass es inzwischen ein ganz normales Wohnquartier ist, liegt auch am Engagement der Bewohner, stellen Miltenberger und seine Kollegin Franziska Kreipner fest. Sie hat vor 22 Jahren mit der ersten Mutter-Kind-Gruppe gearbeitet. Die Kinder von damals sind heute selbst junge Mütter.

Einige der Gruppen, die das Gemeinschaftshaus nutzen, organisieren sich selbst. Die Frauen, die Senioren, die Kartenspieler. Ehrenamtliche haben jeweils einen Schlüssel. Die Gruppen für die Kinder und Jugendlichen werden betreut. Angeboten werden auch Sonderaktionen wie die Kleinkinderfamilienfreizeit mit Vätern. Oder der Kultursommer der Krabbelgruppe mit Elterncafé, bei dem eine Woche lang die Städte der Umgebung besichtigt werden.

Seit fest steht, dass das Pallaswiesenviertel ins Programm Soziale Stadt aufgenommen ist, wächst dem Gemeinschaftshaus eine neue Rolle zu: Es wird zum Herzstück eines Quartiers, in dem auf einer ziemlich großen Fläche nur 2700 Menschen leben, die aber in allen Statistiken – vom Einwandereranteil über Hilfen zum Lebensunterhalt bis zu den erzieherischen Hilfen ziemlich weit vorne liegen. Und darüberhinaus gibt es hier auch noch ziemlich viel Gewerbe.

Dementsprechend vielfältig ist die Entwicklungsmöglichkeit in den kommenden zehn Jahren. Horst Miltenberger wirft jede Menge Stichworte ein: Fußwegeverbindungen, U3-Betreuung, ein Jugendhaus, Barrierefreiheit fürs Gemeinschaftshaus und seine Öffnung ins Viertel nach außen. „Da bin ich gespannt wie ein Flitzebogen.“

Gefeiert wird am Samstag, 25. Juli, ab 14 Uhr. Offizielle Begrüßung ist um 16 Uhr. Das Kindertheater „Die Stromer“ spielt um 17 Uhr „Der Fee, die Fee und das Monster“. Um 18 Uhr ist Bieranstich mit Live-Musik und Tanz. (rwb)

Auch interessant

Kommentare