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Energie aus heißen Quellen

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Probebrunnen weisen auf das Geothermieprojekt hin.
Probebrunnen weisen auf das Geothermieprojekt hin. © Hans Dieter Erlenbach

In der Nähe von Trebur entsteht Hessens erstes Geothermiekraftwerk.

Auf einem Feld an der Landstraße zwischen Trebur und Nauheim soll Hessens erstes Geothermiekraftwerk entstehen. Momentan ist außer einer planierten Fläche direkt neben einer Hochspannungsleitung wenig zu sehen. Hinten, am Ende des Grundstücks, stehen drei Betonringe. Es handelt sich um Probebrunnen. Mehr gibt es noch nicht.

Seit Montag steht nun ein Werbeschild auf dem Areal. Das hat das Überlandwerk Groß-Gerau (ÜWG) spendiert, doch es sagt wenig über das Projekt aus. ÜWG-Geschäftsführer Detlev Höhne, Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne), Landrat Thomas Will (SPD) und Treburs Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) haben in trauter parteiübergreifender Einigkeit das Schild enthüllt. Parteiübergreifend stehen sie auch hinter dem Projekt, das in Hessen weitere Geothermiekraftwerke nach sich ziehen soll.

Strom für bis zu 20 000 Haushalte

Geplant wird seit 2007. Kaum wurden die ersten Ideen ruchbar, gab es jedoch Proteste in der Bevölkerung. Die Bürger hatten einige Kommunen im Süden Deutschlands vor Augen, in denen es nach Inbetriebnahme von Geothermieanlagen zu leichten Beben und Gebäudeschäden kam. Ein Negativbeispiel etwa ist die Stadt Staufen in Baden Württemberg, wo durch unsachgemäße Bohrung Risse an rund 270 Häusern entstanden sind. Der Schaden wird auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.

Detlev Höhne betonte, das ÜWG habe keine Eile gehabt. Man habe die Bürger mitnehmen wollen, um das Projekt zu einem Erfolgsmodell zu machen. Deshalb werden gut zehn Jahre vergangen sein, bis das Kraftwerk seinen Betrieb aufnehmen kann.

Das Projekt wird von Anfang an von Fachleuten des Darmstädter Regierungspräsidiums begleitet. Alle Eventualitäten wurden abgewogen. Auch die Haftungsfrage wurde im Sinne der Bürger geregelt. Sollte es zu Gebäudeschäden kommen, was die Fachleute des RP für sehr unwahrscheinlich halten, hätte das ÜWG die Beweislast. Der Betreiber des Kraftwerks müsste durch Gutachten nachweisen, dass die Schäden nicht durch das Geothermiekraftwerk verursacht wurden.

Die Verantwortlichen des Überlandwerks sind angesichts der Vorfälle bei bereits bestehenden Geothermieanlagen vorsichtig geworden. „Wir wollten nichts über das Knie brechen“, betonte Höhne. Wenn der Widerstand groß gewesen wäre, hätte das ÜWG das Projekt wieder zu den Akten gelegt. Zwar gebe es noch einige Kritiker in Trebur und Nauheim, doch die Mehrheit der Bevölkerung, das betonte Bürgermeister Carsten Sittmann, stehe hinter dem Projekt.

Für die Regierungspräsidentin ist das Geothermiekraftwerk ein wichtiger Schritt der Energiewende. Für Lindscheid ist der jetzt erteilte Genehmigungsbescheid nur der erste Schritt. Dieser gilt lediglich für die sogenannten Aufsuchungsbohrungen, bei denen in bis zu 4000 Meter Tiefe erkundet wird, wo sich die deutlich über 100 Grad heißen Quellen befinden, die das Kraftwerk anzapfen soll.

Bau von weiteren Kraftwerken möglich

Landrat Thomas Will, der mit einem Elektrofahrzeug zu dem Termin gekommen ist, verwies auf die Bemühungen des Kreises, die Energiewende zu schaffen. So seien inzwischen an vielen Schulen Fotovoltaikanlagen aufgebaut worden.

In den kommenden Monaten wird auf dem Feld ein mehr als 30 Meter hoher Bohrturm gebaut, der die Bohrung bis in 4000 Meter Tiefe treibt. Die eigentliche Bohrung soll Anfang 2016 beginnen. Ein Jahr später könnte mit dem Bau des Kraftwerks begonnen werden – die behördlichen Zustimmungen vorausgesetzt.

Aus den heißen Quellen soll Heizenergie für 400 bis 600 Haushalte gewonnen und Strom für bis zu 20 000 Haushalte erzeugt werden, so die Berechnung der Fachleute. Das geplante Kraftwerk wird wohl nicht das einzige in Hessen bleiben. In Südhessen gibt es weitere fünf bis sechs Flächen, auf denen ebenfalls ein Kraftwerk entstehen könnte. (hde)

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