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Endstation Fortbildung

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Trotz Aussicht auf einen Job bekommt ein Arbeitsloser kein Lastwagentraining.
Trotz Aussicht auf einen Job bekommt ein Arbeitsloser kein Lastwagentraining. © Pixelio/Rainer Sturm

Die Arbeitsagentur in Darmstadt und die Arge in Groß-Gerau messen bei der Förderung von Arbeitslosen offenbar mit zweierlei Maß.

Wenn Zdenka Valova dieser Tage Vizekanzler Guido Westerwelle mit seinen Ausführungen über Hartz-IV-Bezieher im Fernsehen sieht, kann sie sich ganz schön aufregen. "Es heißt, die wollten nicht arbeiten oder sich weiterbilden, aber das stimmt doch gar nicht", echauffiert sich die 24 Jahre alte Hausfrau und Mutter. "Wie sollen sie denn Schulungen nutzen, die nicht genehmigt werden?"

Ihr Lebenspartner und sein Kumpel (beide wollen anonym bleiben) haben höchst ungleiche Erfahrungen gemacht bei der Förderung ihres Wiedereinstiegs ins Berufsleben - und das bei offensichtlich gleichen Voraussetzungen. Seit ihre ehemalige Arbeitsstätte in einen anderen Betrieb übergegangen ist, sind beide arbeitslos. Valovas Freund schon etwas länger, weswegen für den sogenannten Langzeitarbeitslosen die Arge in Groß-Gerau zuständig ist. Ihr Bekannter hingegen ist im Bezug der Agentur für Arbeit in Darmstadt, denn seine Arbeitslosigkeit besteht kürzer als die zwölf Monate, ab der die Zuständigkeit in die Hartz-IV-Institution übergehen würde.

Amt will Einstellungsgarantie

Nun haben beide Männer, so berichtet Valova, von einem neuen Arbeitgeber ein Stellenangebot als Lastkraftfahrer erhalten. "Und der Chef verlangt vorher ein Weiterbildungstraining für mehrgliedrige Fahrzeuge." So weit, so gleich - nun der Unterschied: "Die Arge in Groß-Gerau hat den Gutschein dafür sofort ausgestellt", berichtet Valova. "Aber das Arbeitsamt in Darmstadt will erst eine Bescheinigung, dass der Chef ihn dann auch einstellt."

Der Arbeitgeber vertrete die Ansicht, er könne nicht im Vorfeld schon hundertprozentig zusagen, dass er die Männer nach Absolvieren des Trainings einstellt. "Aber er hat beiden in einem Brief geschrieben, dass er sie mit dem Training einstellen würde. Und dass sie mit dem Kurs auch anderswo bessere Chancen haben."

Der Arge in Groß-Gerau hat das offenbar genügt. "Es dient der Anbahnung eines Arbeitsverhältnisses", erläutert hierzu Mathias Dey, Leiter des für Qualifizierung und Aktivierung zuständigen Teams. Er beruft sich dabei auf Paragraf 45 des Sozialgesetzbuches III, wonach Arbeitslose aus dem Vermittlungsbudget der Arbeitsagentur gefördert werden können, wenn dies für die berufliche Eingliederung nötig ist. Wie er erläutert, griffen Arge und Arbeitsagentur in solchen Fällen zwar auf das gleiche Werkzeug zurück, doch handele es sich von Fall zu Fall um Ermessensentscheidungen, die je nach Betrachter unterschiedlich ausfallen könnten. "Obwohl wir auf gleiche Paragrafen zurückgreifen, gibt es unter Umständen intern unterschiedliche Handlungsleitfäden aufgrund unterschiedlicher Zielrichtungen."

Horst Dohmen, Bereichsleiter der Arbeitsvermittlung bei der Darmstädter Arbeitsagentur, erklärt zu dem Fall: "Wir sind verpflichtet, sparsam mit den Mitteln umzugehen." Im vergangenen Jahr habe sich daher im Umgang mit solchen Maßnahmen etwas geändert. In vielen Fällen sei mittlerweile eine Einstellungszusage nötig, bevor eine solche, auf einen speziellen Arbeitgeber ausgerichtete Weiterbildung erlaubt werde. Er wisse zwar, dass manche Arbeitgeber damit Probleme haben. "Aber wir brauchen nun einmal eine gewisse Sicherheit."

Dass im Ergebnis zwei Menschen unter ähnlichen Voraussetzungen eine unterschiedliche Förderung erfahren, findet Zdenka Valova unverständlich und ungerecht. "Da ist doch was schief", sagt sie. Westerwelles Äußerungen werden die junge Frau wohl weiter aufregen. (aw)

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