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Endlich Ruhe und Sicherheit

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Barbara Walter (links) vom Arbeitskreis Asyl unterstützt die Familie Markovic-Zivanovic.
Barbara Walter (links) vom Arbeitskreis Asyl unterstützt die Familie Markovic-Zivanovic. © Karl-Heinz Bärtl

Flüchtlingsfamilie aus Serbien findet in Brandau eine neue Heimat.

Ein kleines Haus, darin ein Wohnraum, in dem sich eine Familie mit sechs Personen aufhält. Wenn es dunkel wird, haben sie Angst. Aus der Nachbarschaft kommen Männer, werfen Steine aufs Haus, schleudern brennende Strohkugeln. Der Vater darf nicht arbeiten, den Kindern ist der Schulzugang verwehrt. „Die wollten uns töten“, sagt Suzana, und mit einem Lachen überspielt die Zwölfjährige den Schrecken.

Die Ausgrenzung und die Angst hat die Familie Markovic-Zivanovic nicht vergessen, auch jetzt nicht, wo sie sich in Brandau in Sicherheit wähnt. Ihr einstiges Heim, das kleine Haus, stand in der Nähe des Dorfs Smederevska Palanka, gut hundert Kilometer von der serbischen Hauptstadt Belgrad entfernt. Die Familie gehört der Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma an, und dies war Grund genug, dass sie in Serbien angegriffen und verfolgt wurde.

Nach einer mehrjährigen Flucht mit verschiedenen Aufenthalten landeten die sechs Personen in Köln – auf engstem Raum, mit dem Nötigsten zum Leben. Dort stellten sie einen Asylantrag. Dann zogen die Markovic-Zivanovics weiter nach Gießen, zur Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Von dort ging die Reise nach Brandau. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus sind die Flüchtlinge seit gut einem halben Jahr in einer kommunalen Wohnung untergebracht. Für sie bedeutet die neue Unterkunft ein unfassbar großes Glück.

„Wir haben Essen, Trinken, Medizin und Ruhe. Wir fühlen uns ganz sicher hier. Und wir wollen einen neuen Anfang machen“, sagt Mutter Tanja. Ihre Tochter Suzana spricht fließend deutsch, und das, obwohl sie erst vor einem Jahr mit dem Lernen begonnen hat. Sie besucht die fünfte Klasse der Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau, hat dort Freunde gefunden und hat schon einen Berufswunsch: „Ich möchte Übersetzerin werden. Dann kann ich Leuten helfen, wenn sie irgendwo neu sind und nichts verstehen.“ Ihre drei Geschwister besuchen die Modautalschule in Ernsthofen.

Hilfe durch Arbeitskreis Asyl

Vater Slobodan übt als Ein-Euro-Jobber Arbeiten beim Modautaler Bauhof aus. Von Schneeschieben bis zu Hoffegen bei der Feuerwehr reichen die Aufgaben. „Er ist sehr engagiert und kennt schon einige Leute im Ort“, lobt Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU). Die Tätigkeit ist auf maximal 100 Stunden pro Monat begrenzt.

Sich heimisch fühlen können die Serben auch deshalb, weil der Arbeitskreis Asyl Modautal um Barbara Walter an allen möglichen Stellen hilft und ihnen zur Seite steht. Zehn Modautaler betreuen die Flüchtlinge ehrenamtlich, helfen bei täglichen Besorgungen und sind Ansprechpartner. „Die Bereitschaft, uns zu helfen, war in der Bevölkerung sehr groß“, sagt Barbara Walter. Kleidung, Fahrräder, Möbel – viele Dinge kamen bei einem Aufruf zusammen. Darunter auch eine Couch. Auf dieser sitzt nun die serbische Familie Markovic-Zivanovic. Es ist das erste Mal in ihrem Leben, dass sie solche eine großzügige Couch haben. Ob sie auch noch für längere Zeit auf dieser werden sitzen können, ist offen. Die sogenannte große Anhörung in Gießen steht noch aus. Dann wird darüber befunden, ob die Familie eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhält. ers

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