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Am Ende der Lohnskala in Europa

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Mit Trillerpfeifen, Plakaten und Fahnen zogen die Demonstranten zum Luisenplatz.
Mit Trillerpfeifen, Plakaten und Fahnen zogen die Demonstranten zum Luisenplatz. © Karl-Heinz Bärtl

Rund 1500 südhessische Landesbeschäftigte haben gestern auf dem Luisenplatz an einer Kundgebung teilgenommen, um Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen zu machen. Die Auswirkungen des Warnstreiks auf hiesige Landesbehörden und -institutionen waren gering.

Eine Grundschullehrerin von der Bergstraße hat nach ihrem 2006 abgeschlossenen Referendariat immer nur Vertretungsverträge erhalten. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes ist sie 2011 wieder voll eingestiegen, wieder mit Vertretungsverträgen, arbeitete dennoch sogar als Klassenlehrerin. Ab Sommer, so berichtet die 35 Jahre alte Frau, wird sie arbeitslos sein. Sie bekommt keinen weiteren Vertrag, weil das Schulamt befürchtet, ihr im fünften Jahr eine Festanstellung geben zu müssen.

Es sind solche Fälle, die Beschäftigte des Landes Hessen auf die Straße treiben. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten daher für Mittwoch zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Damit wollten sie ihren Forderungen für die derzeitige Tarifverhandlungen mit dem Land Nachdruck verleihen.

Hessen ist aus der Tarifgemeinschaft der anderen Bundesländer ausgetreten. Bisher habe das Land kein Angebot vorgelegt, kritisiert Verdi, will sich aber an den Verhandlungen der anderen Bundesländer in Potsdam orientieren. Nach Gewerkschaftsangaben waren Landesbedienstete aus südhessischen Kommunen mit insgesamt 15 Bussen nach Darmstadt gekommen.

Schlechtere Altersversorgung

In einem langen Protestmarsch ziehen Warnstreikende vom Hauptbahnhof – am Staatstheater vorbei – die Wilhelminenstraße hinunter zum Luisenplatz. Aus Darmstadt sind mit zum Teil größeren Gruppen Behörden und Institutionen wie Technische Universität Darmstadt (TU), Hochschule Darmstadt, Staatstheater, Staatsanwaltschaft und Regierungspräsidium vertreten.

Unter all den Menschen mit weißen Verdi- und GEW-Westen – die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf 1500 – fällt ein Trupp aus etwa 25 Feuerwehrmännern in blauer Uniform auf. Nein, antworten sie auf eine Frage: Sie sind nicht dienstlich hier, sondern wollen – als Angestellte der Kommune – in ihrer Freizeit Solidarität mit den Landesbediensteten zeigen, wie die Frauenbeauftragte Petra Herrmann sagt: „Was schlecht ist, schwappt bald auf uns über.“

Und schlecht ist nach den kämpferischen Aussagen der Redner auf dem Podium vor der Sparkasse viel. „Wir brauchen einen großen Schluck aus der Pulle“, fordert Jens Ahäuser auf der Bühne. Zwar habe es in den vergangenen zwei Jahren ein reales Lohn-Plus gegeben, räumt der Tarifkoordinator bei Verdi Hessen ein. Aber zuvor – 2000 bis 2010 – hätten die Landesbeschäftigten mit einem Zuwachs von 13,4 Prozent am Ende der Lohnskala in Europa gelegen und Reallohnverluste verschmerzen müssen.

Doch neben der Hauptforderung von 5,5 Prozent mehr Lohn, mindestens 175 Euro, sorgen auch eine befürchtete Schlechterstellung bei der Altersversorgung und vor allem befristete Arbeitsverträge die Kundgebungsteilnehmer. (ryp)

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