Darmstadt G8/G9

Elternbeirat sieht G9-Bedarf

Das Schulamt in Darmstadt reagiert mit Unverständnis auf die Forderung von Eltern, ein klassisches G9-Gymnasium einzurichten. Die Direktoren der sechs staatlichen Gymnasien halten am Turbo-Abi fest.

Der Stadtelternbeirat spricht sich für ein klassisches G9-Gymnasium in Darmstadt aus. Die Direktoren der sechs staatlichen Gymnasien sehen jedoch keinen Anlass zur Abkehr von G8. Das Staatliche Schulamt verweist auf die Entscheidungsfreiheit der Schulen.

„Eine wirkliche Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 besteht faktisch nicht“, sagt Beiratsvorsitzende Ulrike Plank mit Hinweis darauf, dass die sechs staatlichen Gymnasien nur den auf acht Jahre verkürzten Bildungsweg anbieten. Dem Gremium ist es unverständlich, dass das Staatliche Schulamt die Ende Mai gemachten Aussagen zur Schülerlenkung, also der Verteilung der künftigen Fünftklässler auf die weiterführenden Schulen, mit der Einschätzung verband, die Eltern hielten am G8-Angebot fest.

Mangels präziser Daten sei es, so Plank, „unredlich“, zu behaupten, Eltern in Darmstadt seien zu G8 „übergeschwenkt“. Dem stünden „landesweite Stimmungsumfragen“ gegenüber, die zeigten, dass Eltern von Grundschülern einen gymnasialen Bildungsweg in neun Jahren bevorzugten. „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Darmstädter Eltern anders denken.“

Gremium fordert Umfrage

Die Vorsitzende des Stadtelternbeirats bedauert, dass es dem Gremium im vergangenen Jahr nicht gelungen sei, genügend Eltern „für ein belastbares Ergebnis“ zu erreichen. Das Schulamt habe andere Möglichkeiten für eine flächendeckende und repräsentative Bedarfsanalyse zu G8 und G9 unter Grundschuleltern. Eine solche Umfrage könnte ergeben, „dass wenigstens eines der staatlichen Gymnasien zu G9 zurückgehen müsste“.

Dieses Ansinnen weist Ralph von Kymmel, Leiter des Staatlichen Schulamts für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg, zurück. Das Amt habe in Bezug auf die zeitliche Ausgestaltung des gymnasialen Bildungsganges keinen Steuerungsauftrag. „Wir würden unsere Rolle und die damit verbundenen Aufgaben gründlich missverstehen, wenn wir die Schulen in eine bestimmte Richtung lenken wollten“, sagt er. „Die Entwicklungs- und Entscheidungsschritte liegen in der Hand der Schule.“

Den Rahmen dafür gebe das Hessische Schulgesetz vor. In den demokratischen innerschulischen Prozess könne sich die gesamte Schulgemeinde einbringen, „und damit selbstverständlich auch die Eltern“. Sie könnten somit über den weiteren Weg der Schule mitentscheiden und diesen damit viel mehr beeinflussen „als nur durch die Teilnahme an Umfragen“.

Das Staatliche Schulamt, so von Kymmel, verstehe sich als Ratgeber, Begleiter und Wegbereiter, um Schulen Impulse zu geben und Entwicklungsprozesse zu koordinieren. Daher stehe man Schulen und auch dem Stadtelternbeirat für vertrauensvolle Gespräche zur Verfügung. Zu einem solchen sei das Gremium aufgrund der aktuellen Äußerungen eingeladen.

Laut Jürgen Krell, Sprecher der Direktoren-AG, ist die Position der Gymnasien eindeutig. „Deren Gremien haben entschieden, dass im nächsten Jahr alle Gymnasien bei der Regelform G8 bleiben werden.“ Diese Entscheidung begründe sich mit dem „inzwischen qualifiziert ausgebauten G8-Angebot jedes einzelnen Gymnasiums“ sowie der Kooperation mit den verschiedenen G9-Angeboten der Kooperativen und Integrierten Gesamtschulen. Von dort aus führt der Weg zum Abitur über Bertolt-Brecht-Schule oder Heinrich-Emanuel-Merck-Schule. how

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