Bereit für eine zweite Amtszeit: Hans Jürgen Prömel.
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Bereit für eine zweite Amtszeit: Hans Jürgen Prömel.

TU Darmstadt

Der einzige Kandidat

Bei der Präsidentenwahl an der TU Darmstadt steht Amtsinhaber Hans Jürgen Prömel bereit. Er ist der einzige. Findungskommission und Hochschulrat der Technischen Universität haben nur ihn als Kandidaten empfohlen. Das ärgert den Asta.

Von Astrid Ludwig

Er ist kein Mann der großen Auftritte. Der Mathematiker bezeichnet sich als ruhig und überlegt. Als Hans Jürgen Prömel im Oktober 2007 das Amt von seinem quirligen und in der Region überall präsenten Vorgänger Johann-Dietrich Wörner übernahm, tat er das leise, fast unauffällig. Ohne Tamtam zog der neue Präsident in die 6. Etage des Hochhauses der TU Darmstadt ein. Das hat sich bis heute, nach sechs Jahren Amtszeit, nicht geändert. Am 13. Februar steht der 59-Jährige im TU-Parlament zur Wiederwahl – als einziger Kandidat.

Gestern Nachmittag stellte sich Prömel der Anhörung in der Universitätsversammlung. Eine Auswahl haben die Abgeordneten dort nicht: Ein zweiter Bewerber tritt nicht an. Zwar gab es eine öffentliche Ausschreibung, doch Findungskommission und Hochschulrat der Technischen Universität haben nur den Amtsinhaber als Kandidaten empfohlen. Das kritisiert zumindest der Asta scharf. „Das Wahlverfahren entmündigt die Vertreter und Vertreterinnen in der Universitätsversammlung und trägt zur Entdemokratisierung der Universität bei“, findet Sebastian Ankenbrand, Student im Komitee für freie Bildung. Und auch Martin Wunderlich, studentischer Vertreter in der Universitätsversammlung, moniert eine intransparente Vorauswahl der Findungskommission.

2007 war an einem ähnlichen Vorgehen des Hochschulrates die Präsidentenwahl an der TU gescheitert. Das Verfahren wurde neu aufgerollt, und mit dem damaligen Vizepräsidenten der Berliner Humboldt-Universität Prömel und dem internen TU-Vizechef Johannes Buchmann standen dann zwei Bewerber zur Wahl.

TU steigt im Ranking auf

Der TU-Präsident kommentiert das Verfahren nicht. Er habe 2007 gezeigt, dass er sich auch gegen starke Konkurrenz durchsetzen könne. Dass er nun als Einziger zur Wahl stehe, wertet Prömel als Anerkennung geleisteter Arbeit. Er habe lange überlegt, ob er eine zweite Amtszeit antreten soll. Bisher habe er alle paar Jahre die Uni gewechselt. „Doch ich bin jetzt angekommen“, sagt der 59-Jährige. Seine Familie lebt weiter in Berlin, pendelt nach Darmstadt.

2007 trat Prömel mit dem Ziel an, die TU in die Riege der drei besten Technischen Universitäten zu führen. „Das stand so im Leitbild der TU“, sagt er. Unter die ersten drei hat er es nicht geschafft, „aber wir haben uns signifikant verbessert“. Im Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die neun Technischen Unis Deutschlands ist Darmstadt von Platz acht 2006 auf Rang fünf heute aufgestiegen. „Wir haben unseren Platz in der Spitzengruppe gefestigt“, sagt Prömel. Dabei verfüge Darmstadt, verglichen mit Aachen oder Karlsruhe, nur über einen halb so großen Etat.

Die Vielzahl der Neubauten – von der Bibliothek bis zum Kinderhaus – führt Prömel als Beispiel für den starken Wandel der TU an. „Wir werden demnächst einen wunderbaren Campus Mitte haben.“ Die Autonomie will er fortführen: „Wir sind eine Vorzeige-Uni in Deutschland.“ Wichtig ist ihm eine stärkere Internationalisierung.„Wir müssen unsere Studenten global ausbilden.“

17.000 Studenten waren bei seinem Amtsantritt eingeschrieben, jetzt sind es 25000. So viel wie nie. „Dafür brauchen wir mehr Geld“, sagt der Präsident. Diese Woche waren er und seine Amtskollegen in Wiesbaden, um wegen der Unterfinanzierung Druck zu machen. Vom Asta muss er sich auch hier Kritik anhören: „Prömel steht für eine Top-down- Politik nach dem Vorbild der unternehmerischen Hochschule“, sagt Ankenbrand. „Die Lehre wurde an der TU nie so stark gefördert wie heute“, hält Prömel dagegen.

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