1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Einstieg mit Herz und Verstand

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Einen zweiten Anlauf genommen haben die Erzieher in Ausbildung, Sabine Kappermann und Torsten Rech: Sie schulten um.
Einen zweiten Anlauf genommen haben die Erzieher in Ausbildung, Sabine Kappermann und Torsten Rech: Sie schulten um. © Andr Hirtz

Ein Modellprojekt soll Umschülern den Weg zum Beruf des Erziehers ebnen. Neben zwei Tagen Schule pro Woche sind die Studierenden auch drei Tage in einer Kindertageseinrichtung.

„Wir brauchen mehr Fachkräfte, auch über die Quereinsteigerschiene“, so begründet Schulleiterin Dagmar Giebenhain von der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift die Bewerbung zum Modellprojekt des Bundesfamilienministeriums „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“. Denn der Beruf des Erziehers hat in den letzten Jahren einen Wandel erfahren, mit mehr Ganztagsbetreuung und Krippen steigt der Bedarf an Pädagogen.

Für Aufruhr hatte 2012 ein Vorschlag der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Verdi-Chef Frank Bsirske gesorgt: Warum nicht mit den 20 000 sogenannten Schlecker-Frauen die freien Erzieherstellen besetzen? „Umschulen“ lautet seitdem ein Lösungsansatz, der durch die Pädagogik geistert. Aber bitte nur mit Herz und Verstand, sagen die Erzieher.

Eine Möglichkeit, Quereinsteigern mit der nötigen Professionalität eine zweite Ausbildung zu bieten, soll das Modellprojekt nun eröffnen. Es richtet sich gezielt an Berufswechsler und soll die Entscheidung für die Ausbildung zum Erzieher erleichtern – gerade für Ältere. Dass auch die Pädagogische Akademie Elisabethenstift daran teilnimmt, ist für Schulleiterin Giebenhain beinahe eine Selbstverständlichkeit: „Zeitgemäß ausbilden, das gehört zum Profil der Schule.“

Deswegen gibt es dort bereits seit vier Jahren Teilzeitklassen. Neben zwei Tagen Schule pro Woche sind die Studierenden auch drei Tage in einer Kindertageseinrichtung. Anders als bei dem konventionellen Ausbildungsgang sind Theorie und Praxis dabei von Beginn der Ausbildung an eng verbunden. „Wir haben also schon Praxiserfahrung, die wir im Projekt anbringen und weiter verbessern könnten.“

Dennoch wird es einen großen Unterschied für die Quereinsteiger im neuen Projekt geben: eine finanzielle Grundsicherung von monatlich 1250 Euro brutto. Bisher verdienen die Teilzeit-Studierenden je nach Träger laut Giebenhain sehr unterschiedlich.

Mentor in der Praxisphase

Die Kindertagesstätte verpflichtet sich zudem, dem Studierenden auch während der Praxisphase einen Mentor zur Seite zu stellen. Stichwort: Verzahnung von Theorie und Praxis. Bis zur vergangenen Woche hat die Pädagogische Akademie Kitas der Region aufgerufen, sich für eine Kooperation zu bewerben. „Es gibt ein großes Interesse, sowohl von privaten Trägern als auch von öffentlichen und kirchlichen“, sagt Giebenhain. Neben der Stadt Darmstadt hätten sich große Träger wie die AWO, die evangelische Kirche und die Diakonie in Frankfurt bei der Pädagogischen Akademie gemeldet.

Maßgeblich an der Bewerbung zum Modellprojekt beteiligt war der Geschäftsführer der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift, Roland Hauptmann. Er erhofft sich dadurch insbesondere, die Anzahl der männlichen Erzieher – derzeit sind das rund 20 Prozent der Auszubildenden – weiter zu steigern.

„Wir sind überzeugt, dass Männer wie Frauen eine wichtige Ressource für diesen Beruf mitbringen: sich selbst. Kinder brauchen beide Geschlechter als Vorbilder und verlässliche Begleiter.“ Der Männeranteil ist im derzeit laufenden Interessenbekundungsverfahren ein wichtiger Bestandteil. (ers)

Auch interessant

Kommentare