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Einsatz gegen das Vergessen

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Schülerinnen spenden ihren Lohn für Arbeiten an der KZ-Außenstelle

Zwei Neuntklässlerinnen des Rüsselsheimer Max-Planck-Gymnasiums entfernen Unkraut von alten Mauerresten. „Wir wussten gar nicht, dass es hier eine KZ-Außenstelle gab“, sagen die beiden. Dort, unweit der Walldorfer Bebauung, leisteten 1700 ungarische Jüdinnen 1944 am Frankfurter Flughafen Zwangsarbeit.

Die in den siebziger Jahren entdeckten und freigelegten Kellerräume unter der ehemaligen Küchenbaracke sind Mahnmal für Gewalt, Tod und Antisemitismus. Aber auch Wirkungsstätte junger Menschen, die mit ihrem Einsatz ein Zeichen für Menschlichkeit und soziales Engagement setzen.

Auch sechs Schülerinnen aus Mörfelden-Walldorf rücken zum Arbeitseinsatz an. „Ich wusste auch nichts von dieser KZ-Außenstelle“, gesteht Nicole Mertens, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. „Ich arbeite nur in Mörfelden-Walldorf.“ Das Anliegen der sechs Schülerinnen, für das Projekt „Tagwerk“ Sozialdienst zu leisten, unterstützte Mertens sofort. Dort, wo die Zwangsarbeiterinnen unter grausamen Bedingungen schuften mussten, arbeiten nun also sechs Mädchen und eine Verwaltungsangestellte freiwillig, um die Stätte zu erhalten.

Den Lohn, den die Jugendlichen von der Stadt bekommen, reichen sie an „Tagwerk“ weiter – ein Verein, der Bildungsprojekte in afrikanischen Ländern unterstützt. Der geschichtsträchtige Ort bei Walldorf inspiriert die Schülerinnen, auf Spurensuche zu gehen. Die Fundstücke, meist Scherben, werden von Museumsleiterin Cornelia Rühlig analysiert. „Geschmolzenes Glas“: Rühlig hält ein Klümpchen in die Höhe, „das ist ein Beweis für die späteren Sprengungen“.

Das Martyrium im ehemaligen Zwangslager überlebten nur 350 Frauen, die meisten starben an Seuchen, Kälte, Hunger oder den Misshandlungen der SS. Um den Ort des Grauens nicht dem Vergessen preiszugeben, engagieren sich insbesondere junge Menschen, etwa Schüler der Bertha-von-Suttner-Schule, die den Lehrpfad betreuen. Am 25. September dieses Jahres sollen die Arbeiten zum Erhalt der Ruinen fertiggestellt sein. Dann wird auch die überdachte Gedenkstätte eingeweiht. (eda)

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